Kommentar: Symbolischer Etappensieg für die Gleichberechtigung
Von Lucie Machac. Aktualisiert am 23.09.2010 6 Kommentare
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Zum ersten Mal wird die Schweiz von einer weiblichen Mehrheit regiert. Angeblich ein Grund zur Freude? Nüchtern betrachtet ist diese Mehrheit nicht gerade revolutionär, machen doch Frauen mehr als die Hälfte der Schweizer Bevölkerung aus. Das ist jedoch kein Grund, sich die Freude über eine vierte Frau im Bundesrat verderben zu lassen. Im Gegenteil: Die Wahl von Simonetta Sommaruga fühlt sich wie ein Etappensieg auf dem Weg zur Gleichberechtigung an, wurde die Bernerin doch nicht primär wegen ihres Geschlechts, sondern ihrer politischen Kompetenzen wegen ins Bundesratsamt gehievt. Sind Frauen also drauf und dran, den Olymp der Macht zu erklimmen? Die Skepsis sagt: leider nein.
Die neue Frauenpower mag eine historische Zäsur sein – aber vor allem in der Agenda der grossen Symbole. Denn Feminisierung bedeutet nicht unbedingt Aufwertung. Meist schreitet sie dort voran, wo Männer freiwillig das Feld räumen: im Lehrberuf, wo statt Ansehen eher ein Burn-out winkt. Im Gesundheitswesen, wo man für wenig Geld viel krampfen muss. Sollten sich solche Mechanismen mittlerweile bis in den Bundesrat fortgepflanzt haben? Der Job hat jedenfalls an Image eingebüsst. Gleichzeitig verlangt das Regieren in der Wirtschaftskrise den Exponenten mehr ab – und bringt trotzdem weniger Prestige ein als früher.
Nicht zuletzt deshalb haben sich viele Männer in ihr ureigenes Revier zurückgezogen. Dorthin, wo sich Macht und Einfluss heute konzentrieren – in die Teppichetagen der Wirtschaft. In diese Sphären haben sich Frauen hingegen kaum Zutritt verschafft. Manche, weil Mann sie nicht reinlässt. Manche, weil sie vor Kaderpositionen zurückschrecken. Schon deswegen ist die gestrige Bundesratswahl vor allem ein grosser Schritt für Simonetta Sommaruga – aber nur ein kleiner Schritt für die Frauen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 23.09.2010, 08:24 Uhr
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6 Kommentare
Das schlimmste, was den Frauen passieren könnte, wäre, wenn sie ihre Opferrolle aufgeben müssten. Die von Männern unterdrückte Journalistin darf ihre persönliche Meinung auf der Frontseite der BZ kundtun, parkiert auf einem Frauenparkplatz oder fährt mit der Gratistageskarte der SBB. Vielleicht ziehen sie ja deswegen nie in die Teppichetage, weil sie statt zu arbeiten ständig am Jammern sind. Antworten
Klar machen die Frauen über die Hälfte der CH-Bevölkerung aus,interessanter wäre aber zu wissen, wieviele der stimmberechtigten Frauen vom Stimmrecht Gebrauch machen. Vermutlich sind es keine 30% die sich zur Urne bemühen. Davon könnte man ableiten dass die Frauen im BR übervertreten sind.Das ist übrigens auch die Meinung vieler Frauen,denen das Emanzipationsgeschrei und die Jammerei zu wider ist. Antworten
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