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Kommentar: Bitteres Ende einer starken YB-Saison

Von Fabian Ruch. Aktualisiert am 17.05.2010 10 Kommentare

«In der Finalissima war YB nicht bereit. Der Druck war zu gross, der Gegner zu stark, die eigene Leistung zu schwach.»

Fabian Ruch ist Sportredaktor der Berner Zeitung.

Der FC Basel ist der verdiente und logische Schweizer Meister. Verdient, weil die Basler in einem packenden Zweikampf mit YB die noch bessere Saison gespielt und 13 Punkte aufgeholt haben. Und logisch, weil der FCB die Nummer eins im Land ist, wirtschaftlich und sportlich, und weil er die Möglichkeiten besitzt, Fussballer wie Alex Frei und Marco Streller aus der Bundesliga zurückzuholen. Basel ist noch grösser und besser, erfahrener und reicher als YB.

Wer wie die Young Boys nach acht Runden 13 und zur Winterpause 7 Punkte Vorsprung besitzt, wer auch kurz vor Saisonschluss 6 Zähler mehr hat als der FCB, wer eine begeisternde Vorrunde absolviert hat und an 32 von 36 Spieltagen an der Ranglistenspitze steht, der wäre, einerseits, auch ein verdienter Meister – er hat aber, andererseits, eine grosse Chance verpasst. Im Fussball zählen am Ende die Resultate, und so verblassen die zuweilen mitreissenden YB-Auftritte hinter der Erkenntnis, mal wieder im entscheidenden Moment versagt zu haben.

In der Finalissima war YB nicht bereit. Der Druck war zu gross, der Gegner zu stark, die eigene Leistung zu schwach. Basel war in allen Belangen besser, und das war ja nicht nur gestern so, sondern über weite Strecken der Rückrunde. Bei der Ursachenforschung für den krassen Berner Leistungsabfall nach der Winterpause landet man eher früher als später bei Gilles Yapi. Der Ivorer hatte den schwungvollen und attraktiven Offensivfussball in der Vorrunde orchestriert, er war Herz und Seele, Antreiber und Dirigent gewesen. Im Januar wurde der Abgang des Gestalters Ende Saison zu Basel kommuniziert. Danach war vieles anders als vorher: Trainer Vladimir Petkovic vertraute dem sensiblen Regisseur nicht mehr wie zuvor, Yapi spielte schwächer.

Man kann den Young Boys in dieser Angelegenheit zweierlei vorwerfen. Erstens hatten sie es verpasst, den Vertrag mit Yapi rechtzeitig zu verlängern, weil die Verantwortlichen nach der mittelmässigen Saison 2008/2009 nicht mehr restlos von Yapis Fähigkeiten überzeugt waren. Und zweitens stärkten sie Yapi, die Leaderfigur, in diesem Frühling nicht genügend. Der Ivorer ist ja nicht der erste Fussballer, der nach der Saison zu einem Rivalen wechselt, möglicherweise hätte man im Umgang mit dem tadellosen Sportsmann Yapi einfühlsamer vorgehen können.

In der Rückrunde fehlte bei YB mit dem verletzten Stürmer Marco Schneuwly ein zweites belebendes Element der Vorrunde. Noch stärker als Schneuwly vermissten die Young Boys in der Rückrunde aber Saif Ghezal. Der Verteidiger hatte Bern im Winter auf eigenen Wunsch verlassen. Er war wie Abwehrpatron Emiliano Dudar und Youngster François Affolter ein stabilisierender Faktor der Verteidigung gewesen. Sein Nachfolger Hassan Lingani fehlte beinahe die gesamte Rückrunde verletzt, und weder Issam Mardassi noch Marc Schneider besassen die Klasse, um den fraglos schwierigen Auftrag in einer Dreierabwehrkette nach meisterlichen Ansprüchen zu erfüllen.

Und damit ist ein weiteres Problem der Young Boys angesprochen. Das attraktive und offensive 3-4-3-System von Trainer Petkovic eignet sich prächtig, um Druck zu erzeugen und unterhaltsamen Fussball zu präsentieren. Aber bisher hat diese seltene taktische Ausrichtung den Beweis noch nicht erbracht, auch gegen starke Teams das richtige Mittel zu sein. Natürlich hängt das eben auch mit der zu schwachen personellen Besetzung der YB-Abwehr in der Rückrunde zusammen. Aber Vladimir Petkovic liess in den letzten Wochen auch mangelnde Flexibilität erkennen. Denn selbst intern drängten manche dazu, für einzelne Partien auf eine Viererkette in der Abwehr umzustellen – gerade wenn der unumstrittene Sicherheitschef Dudar fehlte. Und so rüttelten hohe Niederlagen in Sion (1:4) und Luzern (1:5) am Selbstvertrauen der Berner.

Das regelmässige Theater um angebliche und offensichtliche Unsportlichkeiten des überragenden Angreifers Seydou Doumbia beeinflusste das YB-Nervenkostüm ebenfalls stark. Doch mit einer überzeugenden Leistung hätten die Young Boys gestern alle Widrigkeiten und Probleme der letzten Wochen vergessen machen können.

Das gelang den Bernern nicht. Trauer, Wut und Enttäuschung der Fans und Sponsoren dürften neue Rekordwerte erreichen. YB hat mit einer lange Zeit überragenden Saison hohe Erwartungen geschürt. Nie holten die Berner mehr Punkte, nie hatten sie mehr Zuschauer, selten agierten sie attraktiver als in der abgelaufenen Spielzeit. Das sind Werte, auf denen sich trotz des neuerlichen Rückschlags aufbauen lässt.

Doumbia und Yapi werden nächste Saison nicht mehr dabei sein, und der Weg in die lukrative Champions League ist als Zweiter ungleich schwieriger. Doch mit Christoph Spycher und Ammar Jemal sind bereits zwei starke Defensivspieler verpflichtet worden. Gelingt es dem Verein, Torhüter Marco Wölfli und Emiliano Dudar, zwei Säulen, zu halten und neben Senad Lulic noch zwei weitere starke Offensivspieler zu verpflichten, sehen die Perspektiven nicht schlecht aus. St.Gallens Spielmacher Moreno Costanzo wäre der dringend benötigte Spezialist für Freistösse und Eckbälle – und offenbar stehen die Berner vor dem Engagement eines sehr begabten afrikanischen Stürmers. Allein: Der FCB mit seinem überragenden Kader (und mit Regisseur Yapi) wird nächste Saison mehr denn je das Mass aller Dinge sein. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.05.2010, 07:23 Uhr

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10 Kommentare

Luca Maldini

17.05.2010, 10:50 Uhr
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Man muss sich ernsthaft fragen, ob das "Konzept YB" wirklich stimmt. Lässt sich auf einem afrikanischen Leistungs-Stamm wirklich ein leidenschaftliches Team aufbauen, wo das Herz nachhaltig für den Berner Sportclub schlägt? Sind diese Spieler nicht zu nonchalant, anfällig für lukrative Wechsel, Verletzungen und winterliche Verhältnisse? Basel macht das besser, der Schlüssel liegt nicht in Afrika. Antworten


marlene bayard

17.05.2010, 08:50 Uhr
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auch ich hätte mich über den kübel gefreut,aber es sollte nicht sein.allen meinen yb freunden,kopf hoch auf die nächste saison. e gueti wuche aune.es grüessli us ungarn Antworten



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