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Interlaken verstärkt den Halal-Kurs

Von Jürg Steiner. Aktualisiert am 13.08.2011 3 Kommentare

Der «Zeitpunkt»-Artikel zum wachsenden Business mit islamkonformen Lebensmitteln und Alltagspraktiken in der Schweiz hat kontroverse Reaktionen ausgelöst. Wie weit soll man sich dem religiösen Diktat beugen, um Geld zu verdienen?

Interlaken oder Dubai? Muslimische Touristinnen flanieren entlang der Höhematte.

Interlaken oder Dubai? Muslimische Touristinnen flanieren entlang der Höhematte.
Bild: Keystone

Aus den weichen Sesseln der Confiserie Schuh am Rand der Höhematte in Interlaken hat man einen feudalen Blick darauf, mit wem im Sommertourismus dieses Jahr Geschäfte zu machen sind: Am kleinen Glacestand stehen arabische Familien Schlange, die Kinder quengelnd, die Männer gelangweilt, die Frauen verschleiert. Man fragt sich, wie man mit einer Burka, die bis auf einen Augenschlitz das ganze Gesicht verhüllt, Gelati essen kann. Frau kann.

Aber das wachsende Business mit islamkonformen Angeboten wirft heiklere Fragen auf. Der Artikel «Halal made in Switzerland», der vor einer Woche im «Zeitpunkt» erschien, wurde auf zahlreiche islamfreundliche und islamkritische Websites kopiert und online hitzig diskutiert.

Spektakuläre Angebote wie die Halal Barbeque Cruises – islamkonforme Grillabende auf dem Schiff, die «Interlaken Tourismus» diesen Sommer auf dem Brienzersee lancierte und auch nächstes Jahr durchführen will –, seien «Zeichen einer schleichenden Islamisierung», kritisierten Internetleser.

Bloss, weil man ein gutes Business wittere, akzeptiere man, dass Halal-Fleisch grilliert werde, obschon die schweizerische Tierschutzgesetzgebung Schächten – Schlachten von Tieren ohne vorherige Betäubung – verbietet. Und man toleriere, dass muslimische Touristinnen voll verschleiert durch Strassen flanieren und an Schaltern bedient werden, obschon im Kanton Bern zumindest für Demonstrationen ein Vermummungsverbot gilt.

Schleichende Islamisierung?

Interlaken hat sich neben Genf, Lausanne, Montreux, Zürich und Luzern als Hot-Spot für arabische Touristen etabliert. 2010 realisierte Interlaken mit Gästen aus dem arabischen Raum 33 000 Logiernächte, was einer Verzehnfachung seit 2003 entspricht. Arabische Touristen bleiben länger vor Ort, geben mehr Geld aus als der Durchschnitt – und sind immun gegen Währungsschwankungen. Während traditionelle Märkte wie Deutschland oder England diesen Sommer laut Interlakens Tourismusdirektor Stefan Otz «einen spürbaren Rückgang verzeichneten», nahm die Präsenz von Arabern weiter zu.

Marc Alain Sahli, Präsident der SVP Interlaken, anerkennt die ökonomische Bedeutung muslimischer Touristen, wie er auf Anfrage betont: «Es ist ein Geben und Nehmen.» Aber er vernimmt auch immer mehr kritische Stimmen aus der Bevölkerung. Angebote wie die Halal Barbeque Cruises hält er für komplett überdreht, weil man den Gästen nicht lokale Produkte verkaufe, sondern importierte Kultur zelebriere.

Stefan Otz hat für solche Bedenken ein gewisses Verständnis, wie er festhält. Selbst er fragte sich diesen Sommer gelegentlich, ob er sich in Dubai befinde oder in Interlaken.

Allerdings könne man das Strassenbild auch anders sehen – als Ausdruck der hervorragenden Profilierung Interlakens auf einem der aussichtsreichsten touristischen Wachstumsmärkte. Daniel Luggen, Kurdirektor in Zermatt, beneidet den Kollegen Otz um dieses Profil, wie er auf Anfrage festhält. Auch Zermatt intensiviere aber seine Halal-Angebote mindestens punktuell.

«We love Interlaken»

Für die eher gemächliche arabische Kundschaft sei Interlaken der perfekte Ort, sagt Stefan Otz. Die verschneiten Berge in Griffnähe, ohne dass man unbedingt in die Höhe fahren muss. «We love Interlaken, we just love it», höre er von arabischen Operators immer. Das Minarett-Verbot sei nie ein Thema. Was die arabischen Besucher honorierten, sei der geschmeidige Umgang mit dem Gegensatz zwischen islamkritischer politischer Stimmung und den wirtschaftlichen Interessen im Halal-Geschäft.

«Wir würden unseren Job schlecht machen, wenn wir den Konkurrenzvorteil von Interlaken preisgäben», sagt Otz. Für ihn ist es deshalb «eine absolute Notwendigkeit», dass Interlaken seine Halal-Orientierung weiter ausbaue. Die Halal-Geschäftslogik beispielhaft begriffen habe ein Interlakner Coiffeurgeschäft, das bei Arabern beliebte Nassrasuren anbiete, durchgeführt von einer Frau, was zu «spürbaren Umsatzsteigerungen» geführt habe. Otz erwägt, künftig einen muslimischen Kinderhütedienst aufzuziehen. Inzwischen reisen auch arabische Mittelstandsfamilien in die Schweiz, die es sich aber nicht leisten können, ihre Nanny mitzunehmen. Deshalb seien sie mit ihren Kindern gelegentlich ziemlich überfordert.

Klar sei, dass Interlakens Hotels ihre Ausrichtung auf muslimische Gäste weiter verstärken müssen, zumal der Ramadan sich in den nächsten Jahren in die Hauptreisezeit im Juli vorverschiebt. Gebetsteppiche mit Kompass, Zimmerbars ohne Alkoholika und flexible Essenszeiten, damit sich Gläubige auch nach Sonnenuntergang verpflegen könnten, seien sehr wichtig.

Das sei der richtige Weg, sagt Jörg Krebs, der für Schweiz Tourismus in Dubai den Markt bearbeitet. Die Schweiz sei, was die Ausrichtung auf muslimische Kunden angehe, «sehr gut im Spitzensport, ausbaufähig im Breitensport». In einzelnen Destinationen und in Spitzenhotels tue man sehr viel für Kunden, die auf Halal achten. In Budgethotels oder in Ferienwohnungen gebe es noch Nachholbedarf und auf der Landkarte einige weisse Flecken. Die Hauptstadt Bern beispielsweise verfüge über kein nennenswertes Angebot für Halal-Touristen.

http://www.bernerzeitung.ch/leben/essen-und-trinken/Halal-made-in-Switzerland/story/20438073?track

juerg.steiner@bernerzeitung.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.08.2011, 10:32 Uhr

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3 Kommentare

Andreas Lamanda

16.08.2011, 19:52 Uhr
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Und wenn sich noch so viele Schweizer an Halal Produkten bereichern wollen. Die Würde eines Tieres ist wichtiger als das was „der Prophet“ verlangt. Die Rechte der Frau sind wichtiger als was „der Prophet“ will. Wer seinen Gewinn den Regeln des Propheten ausrichtet verrät die Aufklärung und missachtet die Tier -und noch viel mehr die Menschenrechte. Antworten


sara wanner

18.08.2011, 19:04 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Das Schächten von Tieren (hebr.: schachat) wird heute von vielen Menschen in unserem Land als grausam betrachtet.Verschiedene Bibeltexte zeigen, dass Gott den Genuss von Blut verbietet (z. B. 5 Mo 12,23-25; 3 Mo 17,11-14; Apg 15,20). Deshalb sollten die Tiere ausbluten, ehe ihr Fleisch gegessen werden kann. Es ist falsch wenn Sie denken, dass das Schaechten nur fuer Muslime gilt !!!!!!! Antworten



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