Sei fair, Boss!

Schwarz einstellen geht am einfachsten. Doch dann stolpert man garantiert über irgendwelche Probleme. Zwei Onlineplattformen helfen dabei, Putzhilfen und ­Babysitter richtig einzustellen.

Sauber? Bei Abrechnung und Anstellungsverhältnis gilt das nicht immer.

Sauber? Bei Abrechnung und Anstellungsverhältnis gilt das nicht immer. Bild: Fotolia

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Eine Putzhilfe nimmt einem viel Arbeit ab. Doch mit der Anstellung brockt man sich auch eine ganze Menge administrativen Kleinkram ein. Zumindest, wenn man die Person nicht schwarz einstellt, was nicht nur der Person und der Allgemeinheit gegenüber unfair ist, sondern bei Aus- und Unfällen auch zu Problemen und Streitigkeiten führen kann.

Schliesst man deswegen besser einen Vertrag mit einem Putzinstitut ab, lagert man also nebst der Putzarbeit auch die administrativen Arbeiten aus – und nimmt so in Kauf, dass dies in der Regel unpersönlicher und teurer ist?

Nicht zwingend, denn nun gibts zwei Onlineangebote, die Tipps und Unterstützung bei der Einstellung von Putz- und Kinderbetreuungshilfen bieten.

Fairboss.ch: Arbeitsvertrag per Mausklick

Auf der Website Fairboss.ch wird man von einer digitalen Assistentin durch die nötigen Arbeiten gelotst. Wer etwa eine Putzfrau einstellen will, gibt zuerst die eigene Adresse und einige Informationen zur Putzfrau ein. Dann wird beschrieben, welche Arbeiten sie erledigen soll. Und man wählt aus, wie oft geputzt werden und wie lang der Einsatz jeweils dauern soll.

Schliesslich wird die Höhe des Lohns eingetippt. Schon legt die digitale Assistentin einen individualisierten Arbeitsvertrag vor. Alles Nötige steht darin. Der Vertrag braucht nur noch unterschrieben zu werden.

Ein solcher schriftlicher Vertrag ist zwar nicht zwingend nötig, gibt aber beiden Parteien Sicherheit. Trotzdem gehen die Macher der Fairboss-Website davon aus, dass hierzulande bloss eine Minderheit der Haushaltshilfen über einen schriftlichen Vertrag verfügt; sehr viele Hilfskräfte arbeiteten zudem noch immer schwarz.

Sie warnen: Viele kantonale Normalarbeitsverträge – auch jener von Bern – schreiben für den Hausdienst eine teure Krankentaggeldversicherung vor. Schliessen Arbeitgeber diese Pflicht nicht schriftlich aus, müssen sie den Lohn bis zu 720 Tage lang weiterbezahlen, wenn die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer krank wird.

Einfach versichert

Doch zurück zur Website. Die digitale Assistentin erläutert das Nötige zur in der Schweiz obli­gatorischen Unfallversicherung. Diese kann online abgeschlossen werden. Fairboss arbeitet dabei mit Generali zusammen. Kostenpunkt: 100 Franken pro Jahr.

Nun hilft die digitale Assistentin dabei, die Putzfrau korrekt bei den Sozialversicherungen anzumelden. Sie hält nicht bloss das richtige Formular bereit, sondern hat bereits die wichtigsten Angaben eingetragen. Entsprechend schnell ist auch diese Formalität erledigt. Schliesslich erklärt die Assistentin, wie Familienzulagen abgerechnet werden müssen.

Nach rund einer halben Stunde liegen alle Dokumente vor – ganz ohne dass man sich Angaben aus dem Wust an Informationen auf Websites zusammenkramen oder sie sogar telefonisch erfragen musste. Und man hat Gewissheit, nichts Wichtiges vergessen zu haben.

Selbst die erste Lohn­abrechnung stellt die digitale Assistentin zur Verfügung. Falls auch künftige Lohnabrechnungen von der Plattform generiert werden sollen, wird eine Jahresgebühr von 29 Franken fällig. ­Ansonsten ist die Dienstleistung des Zürcher Unternehmens, das unter anderem Putz- und Aufgabenhilfen und Babysitter vermittelt, kostenlos.

Quitt.ch: Ein Dienstleister für alles

Eine ähnliche Plattform ist Quitt.ch, die vom Zürcher Unternehmen Service Hunter betrieben wird. Während Fairboss lediglich einen Ratgeber zur Verfügung stellt und auf Knopfdruck individualisierte Verträge generiert, ist Quitt.ch ein Dienstleister: Die gesamte Administration lässt sich an die Plattform auslagern. Zudem bietet Quitt eigene Versicherungsprodukte an.

Entsprechend liegen auch die Kosten höher als beim jüngeren Konkurrenten: Zwischen 45 und 990 Franken kostet das Angebot pro Jahr. Wer also Zeit und Nerven hat, fährt mit Fairboss weitaus günstiger. Sinn macht Quitt aber zweifellos, wenn die Anstellungsbedingungen kompliziert sind. Oder wenn häufige Wechsel zu erwarten sind.  (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.11.2016, 14:25 Uhr

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