Das neue Jahr ist hellgrün

Die Trendfarbe 2017 ist ein frisches Grün. Es steht für die Sehnsucht nach der aufblühenden Natur.

«Greenery»: So sieht die Farbe des Jahres aus.

«Greenery»: So sieht die Farbe des Jahres aus.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Manchmal fällt es einem wie Schuppen von den Augen. Zum Beispiel, wenn man liest, dass das amerikanische Farbforschungsinstitut Pantone «Greenery» zur Farbe des Jahres 2017 erkoren hat.

Ja klar, dieses zarte Gelbgrün, das an den aufkeimenden Frühling erinnert, ist bereits an allen Ecken und Enden zu sehen, auch wenn es derzeit draussen meist grau ist. Hat nicht der Matcha-Tee diese Farbe? Und all die Smoothies? Wasabi, Avocados und saure Äpfel – alles, was derzeit im Trend liegt. Schliesslich ist es kein Zufall, dass gerade dieser Farbton ausgewählt wurde. Ist die Wahl doch die Essenz daraus, was Trendscouts auf der Welt zusammentragen und erste Produzenten und Designer schon auf den Markt gebracht haben.

Es sei die perfekte Hipsterfarbe, meint die Zeitung «Die Welt» über «Greenery». Denn diese mögen derzeit Hellgrün. Und doch ist die Farbe nicht nur für Junge. «Sie steht nicht für ein bestimmtes Alter», sagt Leatrice Eiseman. Der Farbton mit der Nummer 15-0343 nehme den ganzen Zeitgeist auf, so Eiseman, die die Trendfarbe für das Farbensystem Pantone entwickelt hat. Sie steht gerade für das Verlangen nach einer erneuerten Verbindung und Einheit mit der Natur und unseren Mitmenschen. Zudem auch als Symbol für die aufkeimende Sehnsucht nach neuer Hoffnung in einem komplexen sozialen und politischen Umfeld.

Grün wie Bio

Für Ralf Studer, Kursleiter für Farbdesign und Interior Design an der Schweizerischen Textilfachschule, kommt die Wahl von «Greenery» denn auch nicht überraschend. «Seit 2016 werden Grünnuancen wieder vermehrt eingesetzt. Themen wie Nachhaltigkeit, Klimawandel, Biosortimente, gesunde Ernährung, Urban Gardening, ökologisches Bauen und begrünte Fassaden sind alles Stichworte zu Themenbereichen, die uns aktuell bewegen und von der Farbe Grün geprägt sind.»

Es ist auch mehr als verständlich, dass in einer Welt, in der eine Negativschlagzeile die andere jagt, gerade dieses frische, saftige Grün angesagt ist und schon fast zur Sehnsuchtsfarbe wird.

In der Farbenlehre gilt Grün, gemischt aus reinem Gelb und Blau, ohnehin als die Farbe der Mitte. Eine komplexe Verbindung, die Wärme, aber auch Kälte beinhaltet. «Wir verbinden in unserem Kulturkreis sehr viele positive Eigenschaften und Symbole mit ihr», sagt Ralf Studer. Sie steht für Natur, Fruchtbarkeit, Wachstum, Gedeihen, Erneuerung und für Gesundheit. «Auch die Wirkung von Grün ist interessant: ruhig, ausgleichend, für das Auge angenehm, entspannend und regenerierend.» Jeder, der regelmässig in der Natur ist, weiss, wie gut das tut.

Grün wie Leben

Grün gilt auch als Symbolfarbe des Lebens, weshalb sie in China für ein langes Leben und Barmherzigkeit steht. Diese zwei Faktoren sind auch im christlichen Denken wichtig. So symbolisiert Grün im Christentum Auferstehung. Im Islam ist Grün die heilige Farbe, weil sie die Lieblings­farbe des Propheten Mohammed war.

«Unser Auge findet im Grün eine reale Befriedigung», war schon Goethe überzeugt. «Man will nicht weiter, und man kann nicht weiter.» Kein Wunder, waren schon früher grüne Wände und Tapeten eine beliebte Farbe für Wohnzimmer und Salons. «Verwendet man Grün als Wandfarbe im Raum, so kann sie als beruhigend, ausgleichend und sogar lärmdämpfend empfunden werden.

Sie eignet sich daher auch für den Schlafbereich oder kann in heissen, stickigen Räumen für Abkühlung sorgen. Im Büro kann sie eine entspanntere, stress­freiere Atmosphäre schaffen», so Ralf Studer. Aktuell interessant seien grüne Tapeten, auch mit grossen, floralen Motiven wie Blattwerk.

Grün wie Frische

«Grün wirkt besonders frisch mit Weiss. Verwandte Farben wie Gelb und Blau lassen sich gut kombinieren, aber auch Gold oder Silber», sagt Studer. Mit sparsam eingesetzten komplementären Farbnuancen wie Rot, Magenta oder Terracotta bringe man Grün erst richtig zum Strahlen. Auch Materialien wie Holz, Stein, Metall oder Glas würden sich toll kombinieren lassen.

Als Einrichtungsfarbe hat Grün allerdings auch seine Tücken. Besonders, wenn man ganze Wände oder den ganzen Raum damit bemalt. Da die Farbe stark abstrahlt, sollte man sie für den Essbereich meiden, will man sein Essen nicht in einem unappetit­lichen Licht geniessen.

Besonders beliebt war Grün in der ­Mode bisher nicht unbedingt. Mit gutem Grund: Die Wirkung eines grünen Kleides ist laut Eva Heller, Psychologin und Autorin des Buchs «Wie Farben wirken», nicht nur von der Farbnuance abhängig, sondern stärker als bei anderen Farben vom eingefärbten Material. Auf matten Stoffen wirke Grün billig, auch bieder. Auf glänzenden Stoffen dagegen besonders auffällig – eher extravagant als elegant.

Grün wie Frühling

Dennoch haben Modedesigner wie Balenciaga, Oscar de la Renta, Michael Kors und sogar Miuccia Prada die Farbe auf den Laufsteg gehisst. Bei Gucci durften die grün gekleideten Models gar über einen grünen Laufsteg laufen. Stilvoll wirkt «Greenery» in Kombination mit frischen, hellen Nuancen oder frühlingshaften Blumenmustern.

Wer mutig ist und es lieber auffallend hat, mixt den Farbton mit knalligem Türkis oder Gelb. Mit rötlichen, erdigen Farben dagegen wirkt «Greenery» geradezu erwachsen und seriös.

Selbst die Autobranche findet Gefallen an dieser Trendfarbe, haben etwa Mercedes und Skoda ihre Neulancierungen in einem frischen Grün präsentiert.

Und sogar die Kosmetikbranche hat den Farbton aufgenommen. Nicht nur auf Nägeln wird das frische Grün getragen, auch als Lidschatten und Lippenstift sorgt «Greenery» für Furore. Letzteres ist sicher etwas gewöhnungsbedürftig, sorgt aber bestimmt für Aufsehen.

(Berner Zeitung)

(Erstellt: 11.01.2017, 11:50 Uhr)

Kommentare

Blogs

Bern & so Süsser Unge­horsam

Serienjunkie Prinzessin sein

Werbung

Kofferset Flims, 3-teilig

Die stabilen Aussenhüllen schützen den Inhalt zuverlässig. Jetzt bequem im OTTO’S Webshop bestellen!

Die Welt in Bildern

Skifahren auf türkisch: Ein Mann geniesst im Karacadag-Skigebiet in der Nähe von Siverek, Türkei den Schnee. (14. Januar 2017)
(Bild: Sertac Kayar) Mehr...