Skandal in Cannes?

Roman Polanski wird im Mai in Cannes seinen neuen Spielfilm vorstellen. Das dürfte hohe Wellen werfen. Die Stimmung gegen den Regisseur hat auch in seiner Wahlheimat gedreht.

Sex mit Minderjähriger:  Roman Polanskis Ruf erholt sich nicht.

Sex mit Minderjähriger: Roman Polanskis Ruf erholt sich nicht. Bild: Keystone

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Er ist vermutlich der älteste aller lebenden sexuellen Übergrifflinge im Kinobusiness: Roman Polanski (83), in den Siebzigerjahren wegen Geschlechtsverkehrs mit einer 13-Jährigen verurteilt, wird seinen neuen Spielfilm «D’après une histoire vraie» im Mai am Filmfestival in Cannes vorstellen. Und man kann jetzt schon prophezeien: Das wird hohe Wellen an der Côte d’Azur schlagen.

Denn: Auch das freizügige Frankreich reagiert neuerdings allergisch auf die befleckte Vergangenheit des oscarprämierten Starregisseurs («The Pianist»). Polanski, seit über 40 Jahren französischer Staatsbürger, hat im letzten Januar auf den Ehrenvorsitz bei den César-Awards verzichtet, nachdem er von Frauenrechtsgruppen angegriffen worden war und bei einer Online-Petition 60'000 Menschen gegen ihn unterschrieben hatten.

Wind hat gedreht

Seither sind die Dinge nicht besser geworden für Polanski, der 2009 acht Monate unter Hausarrest in seinem Chalet in Gstaad stand. Im Gegenteil: Seit den Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs gegen US-Regisseur ­Nate Parker («The Birth of a Nation», aktuell im Kino) und dem vielfach kritisierten Durchmarsch des diesjährigen Oscargewinners Casey Affleck («Manchester by the Sea») ist die Stimmung inzwischen da, wo sie sein sollte: Schandtaten lassen sich mit Kunst nicht tilgen.

Erst kürzlich war bekannt geworden, dass Polanski in Kalifornien um Einstellung des Verfahrens gegen ihn ersucht hatte. Es ging darum, dass der Regisseur, der 1978 aus den USA floh, nicht länger um juristische Verfolgung fürchten wollte. Das Gericht lehnte den Antrag ab. Aber damit ist die Sache noch nicht erledigt. Der Regisseur beantragt nun, dass unter Verschluss gehaltene Mitschriften des 1977 zuständigen Staatsanwalts veröffentlicht werden sollen. Affaire à suivre.

Das Internationale Filmfestival ­Cannesfindet dieses Jahr vom 17. bis zum 28. Mai statt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.04.2017, 13:10 Uhr

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