Lieder, die man weniger schnell ­vergisst

Die Berner Band Schöftland stellt morgen Mittwoch in der «Cappella» ihr Album «13 neue Lieder» vor. Floh von Grünigen und Stefan Rolli setzen damit ­erneut ­erfrischend andere Indie-Pop-Akzente.

Sie sind «Schöftland»: Floh von Grünigen (links) und Stefan Rolli.

Sie sind «Schöftland»: Floh von Grünigen (links) und Stefan Rolli. Bild: zvg

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Floh von Grünigen mag Vögel. An der Ausstellung von malenden Berner Musikern im Kornhausforum waren seine Bilder, auf denen Singvögel ein «Tuttifrutti» der Popgeschichte schmettern, der Renner. Auf dem neuen CD-Cover der Band Schöftland, bei der von Grünigen als Sänger, Songschreiber und Multiinstrumentalist wirkt, zieht eine Eule ihre nächtlichen Kreise, und immer wieder flattert ein Federtier durch die Liedtexte.

Floh von Grünigen selbst ist kein Hahn, der seine Botschaften in den Tag hinauskräht. Sein Gesang bleibt unaufgeregt, auch wenn einige seiner Melodien durchaus zu Freudentrillern anregen würden. «Auf einmal fängt eine Amsel an / und dann singen alle Vögel ihre Lieder / Und weil man sie so schnell vergisst / Laut und immer wieder», beobachtet er. Von Grünigen selber hofft auf den Wiedererkennungswert seiner Lieder und nähert sich ihnen bedächtig.

Weltuntergangsgedanken beim Einkaufen

So scheint es folgerichtig, dass von Grünigen seine Band auf das Nötigste reduziert und das neue Album im Duo mit seinem musikalischen Partner Stefan Rolli eingespielt hat.

«13 neue Lieder» wurde letztes Jahr an Konzerten live aufgenommen, mit nur drei Mikrofonen, aber einem Sammelsurium von Instrumenten. Die Lieder wirken karg und winterlich, manchmal kommt gar Endzeitstimmung auf. Etwa, wenn unverhofft der Tod an von Grünigens Wohnungstür klingelt, sich aber zur Erleichterung des Sängers dann doch in der Adresse geirrt hat. Oder wenn von Grünigen beim Einkaufen die Gedanken daran verdrängen muss, was wäre, wenn ausgerechnet heute die Welt untergehen würde.

Am Schluss enden diese Songs oft versöhnlich, dazu kommen andere mit dezenten Liebeserklärungen, an den Norden, an irgendeinen Schweizer Bahnhof (nein, nicht der von Schöftland, der von Schlieren) oder an die Liebe selber.

«Auf einmal fängt eine Amsel an / und dann singen alle Vögel ihre Lieder / Und weil man sie so schnell vergisst / Laut und immer wieder.»

Text aus «13 neue Lieder»

Die 2005 gegründete Band Schöftland stand mit ihrem Indie-Pop schon immer etwas verloren da in der traditionsbewussten Berner Rockwerkstatt. Auch darum, weil sie weder in Englisch noch Mattenenglisch singt, sondern in der deutschen Schriftsprache.

Lieber peinlich sein als neutral

Eigentlich sieht Floh von Grünigen dafür keinen Erklärungs­bedarf, doch im Lied «My First Album» tut er es dann doch. Hochdeutsch singen sei gefährlich, glaubt von Grünigen, denn gerade weil alle sie verstehen, können diese Texte schnell mal peinlich berühren.

«Wo ist der Spatz und wo die Taube / Es gibt Lieder, an denen alles stört / Ich bin nicht sicher, aber ich glaube / Lieber peinlich, als gar nicht erst berührt / da weiss man wenigstens, dass man etwas spürt.»

«13 neue Lieder» ist ein selbstbewusstes Statement einer Berner Band, die man gerade wegen ihrer anderen Akzente nicht missen möchte – und nicht missen muss. Bereits sind auf der Website von Schöftland nächste «Aufnahmekonzerte» angekündigt. Doch zuerst wird morgen das neue Album in der Cappella getauft. Mit dabei sind auch Th. Hoffmann, Trummer und Der Dachs.


CD: Schöftland, «13 neue Lieder» (www.schoeftland.com);
Konzert: Mittwoch, 11. Januar, La Cappella.
(Berner Zeitung)

Erstellt: 10.01.2017, 08:15 Uhr

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