Durch Schminkzwang zu mehr Kompetenz
Von Bettina Weber. Aktualisiert am 11.07.2011 34 Kommentare
Verstiess gegen den Dresscode: Melanie Stark.
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Letzte Woche wurde Melanie Stark, CD-Verkäuferin im Londoner Einkaufstempel Harrods, nach Hause geschickt. Sie hatte gegen den Dresscode des Nobelkaufhauses verstossen – indem sie ungeschminkt zur Arbeit erschienen war. Bei Harrods gelten diesbezüglich strenge Regeln: Die weiblichen Angestellten, egal ob in der Food-, Kosmetik- oder eben Musikabteilung tätig, haben «full make-up» zu tragen, und zwar «at all time». Was darunter zu verstehen ist, wird in den Leitlinien detailliert ausgeführt: Foundation, Rouge, Lidschatten, Wimperntusche, Lipliner und Lippenstift und Lipgloss (Letztere drei nicht alternativ, sondern kumulativ), zudem soll das Ganze regelmässig aufgefrischt werden.
Stark beharrte darauf, sich nicht zu schminken. Harrods beharrte auf den Regeln. Stark kündigte. Und Harrods sorgte für Schlagzeilen, wobei die Meinungen in der englischen Presse auseinandergingen. Während der «Guardian» Verständnis für die Harrods-Angestellte zeigte, fand die «Daily Mail», sie habe der Kundschaft nicht ihr nacktes Gesicht zu präsentieren beziehungsweise: zuzumuten. Tatsächlich macht ein Hauch von Farbe jedes Gesicht schöner. Und schöne Menschen (gilt für beide Geschlechter!) sind einnehmender, das bestätigen unzählige Untersuchungen, was sich gerade bei Verkaufspersonal als handfesten Vorteil erweist und somit sehr im Sinne des Arbeitgebers ist. Aber das Problem liegt tiefer. Als die UBS im Dezember 2010 ihren neuen, 52 Seiten umfassenden Dresscode präsentierte, hiess es dort ebenfalls, dass Frauen sich schminken sollten – weil sie dadurch kompetenter wirkten. Und genau darum geht es. Für Männer scheint es zu genügen, «gepflegt» zu sein. Sie wirken offenbar von Natur aus, sprich: allein aufgrund ihres Geschlechts kompetent, während die Frauen dafür Nachhilfe aus dem Farbtopf brauchen. Auch adäquate Kleidung, eine ordentliche Frisur und die tägliche Dusche reichen nicht. Frauen müssen, unabhängig von ihrer fachlichen Qualifikation, nach wie vor einem Bild entsprechen. Sie müssen immer noch und in erster Linie attraktiv sein. Vorzeigbar. Sie sollen gefallen. Die Dresscodes machen deutlich, was da noch in den Köpfen drinsteckt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.07.2011, 16:10 Uhr
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34 Kommentare
"Harrod's" ist der Inbegriff des Konsumtempels und des schönen Scheins. Wer sich dort bewirbt, weiss nun wirklich, auf was er oder sie sich einlässt. Das ist ungefähr so, wie wenn ein überzeugter anthroposophischer Homöopath einen Job bei der Pharmaindustrie sucht und sich dann über die Arbeit entsetzt. Etwas Selbstreflexion sollte man vom Personal schon verlangen dürfen.... Antworten
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