Anleitung zum Schöner-Wohnen
Von Nina Kobelt. Aktualisiert am 03.10.2011
Ein Gespür für den schönen Raum: Wohnberaterin Renate Schmocker heckt in ihrem Wohnzimmer in Biel neue Konzepte aus. (Bild: Enrique Munoz Garcia)
Schmucker mit Schmocker
Sind Sie unzufrieden mit Ihrer Einrichtung? Fällt Ihnen die Decke auf den Kopf?
Wir möbeln für Sie verschiedene Zimmer eines Hauses mit Ideen und Tipps auf – und nehmen uns Ihrer Problemzonen an. Raumgestalterin Renate Schmocker (siehe Haupttext) wird im «Geniessen» zu den Räumen mit dem grössten Verbesserungspotenzial Ratschläge zur Umgestaltung geben. Jeden letzten Freitag im Monat ist ein Zimmer an der Reihe.
Wir starten in der Ausgabe vom 28.Oktober mit dem Eingangsbereich. Schicken Sie uns ein Bild Ihres Korridors, falls er Ihnen beispielsweise zu schmal, zu lang, zu dunkel, zu überfüllt ist. Vergessen Sie bitte nicht, Name und Adresse anzugeben und zwei, drei konkrete Angaben zu Ihrem Problem zu machen. Adresse: redaktion@ bernerzeitung.ch (Vermerk «Wohnberatung») oder Redaktion Berner Zeitung, «Wohnberatung», Dammweg 9, 3001 (Einsendeschluss: 14.Oktober). gen
Eine ruhige, wenn nicht schläfrige Strasse, ein unscheinbares Haus. Wie ein Aussenleben doch täuschen kann: Die Räume in der engen 4-Zimmer-Wohnung leben und überfallen einen beim Eintreten mit Geschichten und Erinnerungen. Und erst der Blick aus dem Fenster in den aufgeräumten, mit Pflanzen und Pingpongtisch bestückten Garten! Wer hier gewerkelt hat, hat ein Gespür für Einrichtung. Und hat offensichtlich keine Mühe gescheut, den traurigen 40er-Jahre-Bau von einem Haus in ein Schmuckstück zu verwandeln.
Die Bewohnerin Renate Schmocker ist diplomierte Wohnberaterin. Die Bezeichnung «Raumgestalterin» gefalle ihr aber besser, sagt sie schnell. Seit eineinhalb Jahren wohnt Schmocker mit ihrem Mann in der Parterrewohnung im Bieler Mettquartier, es ist das Haus, in dem ihr Vater aufgewachsen ist.
In jedem Zimmer gab es nur eine Steckdose, auf dem Boden klebte Terrazzo – «und zwar ein hässliches Ding» – und Teppich. Von den Tapeten wollen wir erst gar nicht anfangen zu reden. Jetzt ist alles anders. Das Ehepaar lebt in einem Bijou, Steckdosen gibt es allenthalben, und ein bisschen siehts aus wie auf Fotos eines Inneneinrichtungsbuchs, das in einer Trendbar herumliegt.
Wenn das Kind aufräumt
Die Bezeichnung «Raumgestalterin» sei ihr lieber, betont Schmocker noch einmal, weil sie ein Haus als Raum sehe. Sie könne auch nicht sagen, ob sie lieber Badezimmer umgestalte oder Wohnzimmer einrichte. «Ich rechne mit Räumen, nicht mit Zimmern. Es geht um die Herausforderung, und jedes bringt eine andere mit sich.»
Die Ausbildung zur Wohnberaterin hat die 33-Jährige vor vier Jahren in Lyss abgeschlossen. Die Liebe zum Raum war natürlich schon viel früher da: Als Kind habe sie ihr Zimmer «tausendmal umgestellt» und sich Einrichtungen gezeichnet. Und die letzte Wohnung im Berner Länggassquartier habe ungefähr dreissig Umstellungen über sich ergehen lassen müssen. Sie zeigt Bilder: Auf den Fotos tauchen immer wieder die gleichen Gegenstände auf. Und verschwinden wieder. «Manche im Keller, manche gebe ich aber auch ganz weg.»
Wenn der Verputz erzählt
Renate Schmocker mag Industriedesign. So umschreibt sie zumindest die Einrichtung ihrer Träume. «Hätte ich die Wahl, ich würde in einer alten Lagerhalle wohnen, in einem Mix von schäbig und modern.» Sie mag die Vielfalt, die verschiedenen Materialien, Farben. Und träumt von Wänden in Fabrikräumen, die sie garantiert nicht überstreichen würde. «Warum verstecken, was man in Szene setzen kann?», fragt sie. Der Verputz erzähle doch auch eine Geschichte.
Solche Ratschläge gibt sie ihren Kunden. Die sind so vielfältig wie die Ideen. Hoffnungslose Fälle gebe es nicht. Klar, manchmal findet Schmocker den Geschmack des Kunden «abscheulich», aber sie versuche immer, sich darauf einzulassen.
Sie arbeitet im Stundenansatz oder für eine Pauschale, meist für Privatkunden. Oder Firmen: Mal ists ein Coiffeursalon, dem sie gedanklich eine neue «Frisur» verpasst, mal ein ganzes Hotel. Eine Raumberatung sei aber für jeden erschwinglich, sagt sie, sie «hirne» manchmal nur eine Stunde oder wenig mehr.
Grössere Kunden ersparen sich mit ihr einen Innenarchitekten. Sie ist flexibel: Wenns für den Kunden passt, erledigt sie kleinere Arbeiten wie Wände streichen oder einen Teppich verlegen. Oder hilft zumindest mit. «Aber ich bin ja kein Handwerker.»
Wenn der Mix stimmt
O ja, es gebe Fehler, die wohntechnisch immer wieder gemacht würden, erklärt sie auf die entsprechende Frage lachend. Bilder an der Wand etwa. «Die können noch so schön sein», sagt Schmocker, «wenn sie zu hoch hängen, passts einfach nicht.» Und das tun sie häufig. Und Farben: «Wie oft richtet sich jemand Ton in Ton ein. Das kann gut herüberkommen, aber auch gründlich schiefgehen.» Man könne doch so schön mit Farbe arbeiten! Ein Raum nämlich, das lernen wir, ist wie ein Kleiderschrank. Erst der Mix und die Kombination mache das gewisse Etwas aus.
Diese Philosophie spiegelt sich in ihrem Daheim: Viele Farben, Materialien und der perfekte Mix aus Alt und Neu machen Schmockers kleine Wohnung zum gemütlichen Reduit, in dem sie neue Einrichtungen aushecken kann. (Berner Zeitung)
Erstellt: 30.09.2011, 09:36 Uhr
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