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Als hätte die Teppichreinigung versagt

Von Ulrike Hark. Aktualisiert am 08.02.2011 1 Kommentar

Je teurer, desto morbider: Der «Used Look» geht in eine weitere, exklusivere Runde. Etwa beim Luxus-Teppich-Label Tai Ping oder bei Jan Kath, der den Fehler feiert.

Teppiche sollen so aussehen, als hätten sie etwas erlebt: Das Label Tai Ping verwendet dafür chinesische Seide. (Bild: PD)

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Was ist da passiert? Waren es Mäuse? Motten? Egal. Vermutlich hat die Teppichreinigung total gepfuscht. Objekte müssen heute so aussehen, als könnten sie Geschichten erzählen, auch wenn sie noch gar keine haben. Tai Ping, die international tätige, chinesische Teppichfirma mit Sitz in Hongkong, liefert Patina ohne Zeitverzögerung frei Haus. Natürlich sieht «Ephemera», der «flüchtige» Teppich im Verschleisslook, viel edler und gestylter aus, als wenn Generationen von Füssen den Alterungsprozess auf natürliche Weise bewerkstelligt hätten. Feinste Neuseelandwolle und chinesische Seide werden hier zum «Shabby Chic» verarbeitet.

Mit dreckigen Schuhen über den Flor

Der Flüchtige ist nur einer von vielen Entwürfen aus der Kollektion «Vestige». Ein anderer, «Traces», sieht aus, als ob Menschen mit dreckigen Schuhen über den Flor gelaufen wären und sich dabei besonders gefreut hätten. Was all jenen Hoffnung machen dürfte, die sich darüber nerven, bei Einladungen die Schuhe an der Haustür ausziehen zu müssen. Da darf man doch endlich mal zutreten!

Zerstörung, Alter, Fehler – das sind auch Themen bei Jan Kath, einem Konkurrenten von Tai Ping. Der junge Bochumer wird mit Designpreisen überhäuft und gilt zurzeit als einer der wichtigsten Impulsgeber der Branche, die mit allerlei optischen Mitteln versucht, vom traditionellen Bild des edlen, aber etwas langweiligen Teppichs loszukommen. «Man kann auch ohne kalte Füsse cool sein», sagt Jan Kath. Seine exklusiv-verrückten Stücke entwirft er gemeinsam mit seinem Freund, einem ehemaligen Techno-DJ, am Computer im Ruhrgebiet. Überthemen wie «Supernova», «Gesteinsschichten», «Satellitenbilder» oder «marode Industriebauten» geben dabei die Richtung vor.

Fehler vom Feinsten

Natürlich ist auch bei Jan Kath alles vom Feinsten, erst recht, wenn es um gewollt fehlerhafte Motive geht: Chinaseide und reine nepalesische Hochlandwolle werden in Nepal, Thailand und Marokko nach Vorlage von Hand geknüpft (kontrolliert vom Schweizer Fair-Trade-Label Step) und später im appenzellischen Dorf Speicher gewaschen und veredelt. Dort gibt es nämlich eine der besten Adressen Europas für den Finish hochkarätiger Teppiche – die Knecht AG.

Anthony Kiedis hat bestellt

Die Ästhetik der Teppiche mag einem gesucht oder grotesk vorkommen, doch eines muss man dieser Haute Couture zum Drauftreten lassen – billig sieht sie nie aus. Ist sie auch nicht. Ein Quadratmeter Kath-Teppich kostet bis zu 3500 Franken. Und ist somit genau das Richtige für die weltweite Promi-Abteilung. So hat sich neulich Anthony Kiedis, Sänger der Red Hot Chili Peppers, einen Kath-Teppich für sein Get-Away auf seiner Privatinsel vor Hawaii anfertigen lassen – wobei uns natürlich brennend interessiert hätte, welche Motive sich der bekennende Drogengebraucher dafür ausgesucht hat. Der amerikanische Rapper Jay-Z besitzt immerhin ein rosa Exemplar mit goldenen Totenköpfen, entworfen in Bochum.

Sondereinsatz für Frau Gül

Das wirklich Absurde an der Geschichte ist, dass die Entwürfe aus dem Ruhrpott besonders gut im Orient ankommen. Früher bediente der Orient den Okzident mit Teppichen, heute geht es auch andersherum. Jan Kath verkauft die meisten seiner Stücke nämlich nicht in Europa, sondern in der arabischen Welt, an reiche Scheichs für deren Paläste, Villen und exklusive Jachten. Dann natürlich ohne knalliges Totenkopf-Motiv, aber zum Beispiel mit raffinierten Abbildungen von Achatsteinen im Querschnitt wie die der Polke-Fenster im Zürcher Grossmünster.

Kath hat den Warenfluss ein Stück weit umgedreht. Hayrünnisa Gül, die First Lady der Türkei, hatte es kürzlich besonders eilig, warme Füsse zu bekommen – ihr Teppich musste schneller fertig werden als geplant. Die Knüpfer in Kathmandu werden dafür in drei Schichten arbeiten.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.02.2011, 20:02 Uhr

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1 Kommentar

Daniel Zollinger

08.02.2011, 18:02 Uhr
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So ein Teppich wie der habe ich erst kürzlich entsorgt. Hätte ich gewusst das das heute als Kunst durchgeht, vermutlich hätte ich den behalten? Aber nur vermutlich! Antworten



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