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Wie gut ist ein Master of Wine wirklich?

Von Jan Graber. Aktualisiert am 21.01.2010

Die Masters of Wine umgibt ein ähnlich mysteriöser Nimbus wie die Jedi-Ritter aus «Star Wars». Kann ein Master of Wine tatsächlich jeden Wein exakt erkennen – inklusive Jahr, Traube und Lage?

Meister des Weins: Philipp Schwander ist der einzige Schweizer Master of Wine. Er degustiert durchschnittlich 100 Weine pro Woche.

Meister des Weins: Philipp Schwander ist der einzige Schweizer Master of Wine. Er degustiert durchschnittlich 100 Weine pro Woche.

<b>The Institute of Masters of Wine</b><br>
Obwohl schon 1953 die ersten Master-of-Wine-Prüfungen stattfanden, wurde das Institute of Masters of Wine erst 1955 in London gegründet. Das Institut war aus der Vintner's Company, der Zunft britischer Weinhändler, hervorgegangen. 1970 wurde mit Sarah Morphew die erste Frau Master of Wine. Zugänglich für Anwärter, die nicht aus dem Weinhandel kamen, wurde der Titel 1984 – die Weinjournalistin Jancis Robinson war die erste, die es schaffte. 1988 wurde der Australier Michael Hill Smith als erster Nicht-Brite Master of Wine. 279 Masters of Wine aus 22 Ländern zählt das Institut aktuell.

The Institute of Masters of Wine
Obwohl schon 1953 die ersten Master-of-Wine-Prüfungen stattfanden, wurde das Institute of Masters of Wine erst 1955 in London gegründet. Das Institut war aus der Vintner's Company, der Zunft britischer Weinhändler, hervorgegangen. 1970 wurde mit Sarah Morphew die erste Frau Master of Wine. Zugänglich für Anwärter, die nicht aus dem Weinhandel kamen, wurde der Titel 1984 – die Weinjournalistin Jancis Robinson war die erste, die es schaffte. 1988 wurde der Australier Michael Hill Smith als erster Nicht-Brite Master of Wine. 279 Masters of Wine aus 22 Ländern zählt das Institut aktuell.

Philipp Schwander lacht. Kein lautes Lachen, eher ein Kichern. Ein schelmisches Kichern – eines, wie es auch Meister Yoda aus «Star Wars» zum Beben bringen würde. Der 44-jährige Weinhändler hat gut lachen: Nicht nur ist er ein fröhlicher Mensch, seine Geschäfte laufen derzeit auch sehr gut. Den Erfolg hat Schwander unter anderem auch seiner Zugehörigkeit zu einem exklusiven Zirkel zu verdanken, in den es nur die wenigsten Menschen schaffen. Philipp Schwander ist Master of Wine. Einer von gerade mal 279 in der ganzen Welt. Und der einzige, den die Schweiz derzeit vorzuweisen hat.

Die Prüfungen zum Master of Wine gelten als die schwierigsten in der Weinbranche. Neben vier dreistündigen Theorieprüfungen über Weinanbau, Herstellung, den Handel und aktuelle Weinthemen, müssen die Anwärter drei Blinddegustationen mit je zwölf Weinen bestehen. Die Rebsorte, der Ursprung, die Ausbaumethode, die Qualität und der Stil des Weins sollen erkannt werden. Wer sowohl die theoretische wie auch die praktische Prüfung bestanden hat, muss eine Dissertation mit 10'000 Worten zu einem Weinthema abliefern.

Bücher zu lesen reicht nicht

Master of Wine wird man deshalb nicht einfach mit selbstgestricktem Weinwissen und ein paar Jahren im Weinhandel oder im Weinjournalismus. «Wir setzen mindestens fünf Jahre Tätigkeit in der Weinindustrie für eine Anmeldung zum Studienprogramm voraus», sagt Nathaniel Anderson, Communications Manager des Institutes of Masters of Wine. Schwander, der schon als 17-Jähriger seinen ersten Weinartikel geschrieben hatte, schlug den Weg zum Master of Wine erst nach über zehn Jahren Arbeit als Weinhändler ein – eine Zeit, in der er unzählige Weingüter besucht und kennengelernt und sich ein entsprechend grosses Wissen angeeignet hatte. «Wissen aus Büchern reicht nicht», sagt Schwander.

Deshalb beissen sich auch Weinprofis, die, wie zum Beispiel Weinjournalisten, täglich mit der Materie zu tun haben, an den Prüfungen die Zähne aus. «Von durchschnittlich 100 jährlichen Studenten schaffen die Prüfungen nur etwa fünf. In manchen Jahren ist es gar keiner», erklärt Schwander. 2009 war ein Rekordjahr: Acht Absolventen wurden in den Stand eines Masters of Wine erhoben. Die Anzahl Versuche ist zudem begrenzt. «Während den ersten vier Jahren müssen entweder die theoretische oder die praktische Prüfung innerhalb von drei Versuchen geschafft werden», schreibt das Institute of Masters of Wine.

Kein absolutes Wissen

Wer die Prüfungen geschafft hat, darf sich danach offiziell Master of Wine nennen und das Kürzel MW im Titel tragen. Damit beginnt ein Leben, um das sich auch Mythen und Legenden ranken. Ein Master of Wine könne jede Traube, den Hang, auf dem sie gewachsen ist und das exakte Jahr der Kelterung benennen, wird zum Beispiel vermutet. «Wer dies von sich behauptet, ist ein Lügner», sagt Schwander trocken. Dennoch habe ein MW genug Wissen, um die Region und die Qualitätsstufe zu erkennen.

Masters of Wine sind auch keine Önologen. Schwander würde alt aussehen, wenn er Wein keltern müsste, wie er selbst zugibt. «Masters of Wine sind Generalisten, die eine Menge über alle wichtigen Weinregionen der Welt wissen», verdeutlicht er. Deshalb sind sie auch oft auf Reisen. Vierzig Prozent seiner Zeit hält sich Schwander im Ausland auf, probiert auf Weingütern im Bordeaux, im Burgund oder in der Toskana Weine – oft mehrere hundert pro Woche. Dabei öffnet ihm sein Titel nicht automatisch Türen und Tore bei den Winzern. «Auf einem Weingut in Italien oder Frankreich könnte ich ebenso gut ‹Master of the Universe› sein, der Umgang mit den Weinbauern wäre deshalb nicht anders. Ihnen bedeutet dieser Titel nichts», sagt Schwander.

In unseren Breitengraden hingegen schon: Als einziger Master of Wine der Schweiz ist Schwander gerne gesehener Gast in den Medien. Was seinen Geschäften dient: Die Bekanntheit zieht Kunden an, vor allem samstags treten sich die Besucher von Schwanders Geschäft gegenseitig auf die Füsse. «Der Titel hilft allerdings lediglich beim Gewinnen neuer Kunden», gibt Schwander zu. «Halten kann ich sie aber nur, wenn ich ihnen auch eine durchgehend gute Qualität liefere». Dank des Netzwerks, zu dem er als Master of Wine Zugang hat, kann er jedoch auf ein enormes, gesammeltes Weinwissen zurückgreifen.

Schwanders mediale Bekanntheit sorgt indessen auch für einige Neider, die sich besonders in den Reihen der Weinhändler finden. Ihn stört dies wenig: «Würde mein Geschäft von einem anderen Weinhändler empfohlen, wüsste ich, dass es mit mir bergab geht», sagt Schwander. Und kichert schelmisch. Wie Yoda. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.01.2010, 11:26 Uhr

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