Lieber nackt als im Pelz?
Von Mathias Born. Aktualisiert am 13.05.2011 1 Kommentar
Mit Haar oder ohne? Heute ist beides möglich. Der amtierende Mister Schweiz Luca Ruch hat sich für eine Variante dazwischen entschieden: Stoppeln. (Bild: Keystone )
Enthaarung
Zur Enthaarung von Körperstellen gibt es diverse Möglichkeiten – mehr oder minder schmerzhafte, nachhaltige und teure.
Einfach und günstig ist eine Rasur. Bei längeren Haaren und grossen Flächen nimmt man Rasierschaum und Klinge.
Leicht erreichbare Körperpartien können mit Streifen aus Kaltwachs, wie sie in den Grossverteilern und Drogerien erhältlich sind, selbst enthaart werden.
In Kosmetikstudios wird oft Heisswachs eingesetzt. Werden die Haare damit entfernt, bleibt die Haut bis sechs Wochen glatt – also länger als beim Rasieren. Bei häufiger Anwendung sollen die Haare feiner werden. Alternativ kann die Behandlung mit Zuckerpaste erfolgen (Sugaring).
In manchen Kosmetik- und Enthaarungsstudios werden zudem Behandlungen mit Laser und «Intense Pulsed Light» (IPL) angeboten. Dabei sollen die Haarwurzeln geschädigt werden, sodass das Haar nicht nachwächst. Solche Behandlungen sind verhältnismässig teuer, allerdings auch nachhaltiger.
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Sie habe gar nichts gegen Brusthaare, sagte die Kollegin vor dem Aareschwumm. «Was aber gar nicht geht, sind Haare auf dem Rücken.» Einzelne anwesende Männer schienen etwas verunsichert, drehten sich schliesslich und sonnten vorerst die Brust.
Das war vor wenigen Jahren – in einer Zeit, als glatt rasierte Oberkörper ganz im Trend lagen: Jedermann, der mit der Zeit gehen wollte, glaubte wie ein Jüngling aussehen oder auf der von Zeitgenossen wie David Beckham losgetretenen Metrosexualitätswelle mitreiten zu müssen.
Noch immer wird die Haarfrage kontrovers diskutiert. Dabei lässt sich ein Trend zurück ausmachen: Männer dürfen wieder Männer sein – mit Ecken, Kanten und Haaren. Ein «gepflegter Pelz» sei in Ordnung, wenn er zu seinem Träger passe, sagt die Stilredaktorin am Pult nebenan. Auf der anderen Seite greife man aber besser zur Klinge – und rasiere den Rücken, wo Haare unregelmässig spriessen.
Wie rasiert man den Rücken?
Die Rückenhaare müssen also weg. Doch wie? «Selbst ist der Mann!», sagt man sich zu Beginn, merkt aber bald: Wer die Klinge in die eigene Hand nimmt, riskiert nebst einem Flickenteppich üble Verrenkungen. Die Liebste belästigt man besser nicht mit dem nachwachsenden Problem, denn Enthaaren ist ein bisschen wie Pickelausdrücken: dem Liebesleben nicht förderlich. Zudem muss man sich nach einer Wachstortur garantiert jahrelang Wehleidigkeit vorwerfen lassen.
Vertraut man sich also besser einer Professionellen an? Es kämen immer mehr Männer vorbei, sagt die Angestellte beim «Wax Inn» in Bern. Trotzdem liege ihr Anteil an der Kundschaft derzeit erst bei fünf Prozent. Die meisten Männer kämen, um den Rücken, die Schultern oder die Brust behandeln zu lassen. Weniger oft würde Arbeiten im Intimbereich verlangt, und noch seltener an den Achseln und Beinen.
Haare einfach wegblitzen?
Schon tendiert man zum Besuch eines solchen Studios. Doch dann bleibt der Blick an einem Inserat hängen. Darauf versucht Philips die Frauen für ein 700 Franken teures Gerät zu begeistern, das das Haarwachstum mit Lichtimpulsen hemmen soll – dauerhaft.
Lumea wird sofort testweise bestellt, hat man doch eine Schwäche für Gadgets. Das Bild der Négligée-Frau, die sich mit seidenfein enthaarten Beinen auf der Packung räkelt (aber – Amerikaner dürften erschaudern: mit Härchen an den Armen), geniert einen nicht: Was bei Frauen funktioniert, klappt laut einer Internetrecherche auch beim Mann. Zudem entwenden besonders harte Kerle ihren Partnerinnen offenbar auch mal Utensilien wie Wachsstreifen und Epiladys.
Dreinschiessen will man trotzdem nicht: Ganz geschlechtsuntypisch wird zuerst die Bedienungsanleitung genau studiert. Das System behandle Wurzeln der Haare mit «sanften Lichtimpulsen», steht darin. Dadurch werde das Nachwachsen verhindert. Lumea eigne sich zur Enthaarung unterhalb des Halses, also in den Achselhöhlen, im Bikinibereich und an den Beinen. Nötig seien zumindest vier Behandlungen in zwei Monaten. Wie schnell der Effekt sichtbar ist, sei «von Frau zu Frau verschieden».
So weit, so gut. Dann aber folgen Warnungen: Die «Intense Pulsed Light»-Technik, die seit langem in Kosmetikstudios im Einsatz ist, eigne sich nur für hellere Hauttypen mit dunkelblonden oder dunkleren Haaren. Nach einem Sonnenbad dürfe das Gerät nicht verwendet werden. Zudem solle man nach der Behandlung 24 Stunden warten, bis man die Haut der Sonne aussetze, und sie in den zwei Wochen nach der Behandlung abdecken oder mit Sun-Blocker eincremen.
Von den Warnungen verunsichert, legt man Lumea beiseite. Schliesslich probiert man es trotzdem: Die Stelle wird rasiert. Nun ist doch fremde Hilfe nötig: Das Gerät muss rechtwinklig aufgesetzt werden. Erst dann lässt sich der Blitz auslösen. Zu fühlen ist ein kurzer Hitzeimpuls.
«Und: Hat die Behandlung gewirkt?», fragt die Arbeitskollegin neugierig. Um ein Haar hätte sie sich am T-Shirt zu schaffen gemacht. Da hilft nur ein Klaps auf die Finger und die Erklärung, dass es zu früh für Befunde sei. Das Ergebnis sieht sie erst, falls sie sich in einigen Wochen mit ins kalte Aarewasser stürzt. (Berner Zeitung)
Erstellt: 13.05.2011, 14:57 Uhr
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