«Er muss jetzt erst mal unten durch»
Von Franziska Kohler. Aktualisiert am 11.11.2011
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Es war eine Nacht der Schweizer Mode und des italienischen Chics. Die Fashion Days Zurich brachten gestern nicht nur die aktuellen Kollektionen von vier heimischen Modelabels auf den Laufsteg, sondern auch jene vom italienischen Designer Roberto Cavalli.
Cavalli war es auch, der zum Abschluss des Abends den Annabelle-Award 2011 an einen hoffnungsvollen Jungdesigner vergab: Für Maxime Rappaz geht es bald ab in den Süden, nach Florenz, um ein einjähriges Praktikum im Hause Cavalli anzutreten.
Talent und die richtige Einstellung
Bis es dazu kam, überquerten die Models einige Male den Laufsteg auf dem Puls-5-Gelände, zunächst gehüllt in schweizerische Gewänder. Die Labels AZIZA zina, Javier Reyes, van Bery und Little Black Dress zeigten, dass auch die heimische Modewelt durchaus Anziehendes zu bieten hat. Die einen steckten den Models Blumen ins Haar und präsentierten sie in luftiger Landmode, die anderen gaben ihnen Zigaretten in die Hand – die gehören schliesslich zum gezeigten 20er-Jahre-Chic wie der Seitenscheitel im Haar.
Auch Lisa Feldmann, Chefredaktorin der Frauenzeitschrift annabelle, begab sich auf den Laufsteg, um sich von Moderatorin Claudia Lässer interviewen zu lassen. Aus 40 Bewerbern hatte Feldmann fünf hoffnungsvolle Schweizer Modetalente ausgesucht, die um den Annabelle-Award 2011 und das damit verbundene Stage bei Roberto Cavalli kämpfen durften. Entschieden haben laut Feldmann nicht nur Talent und Potenzial, sondern auch die richtige Einstellung. Denn der Gewinner müsse in seiner Lehrzeit «erst mal unten durch».
Animal Prints in allen Variationen
Zwei eigene Entwürfe durfte jeder Bewerber über den Laufsteg schicken. Die Entscheidung wäre wohl jedem schwer gefallen, denn das Niveau war bei allen Stücken gleichermassen hoch. Bevor Roberto Cavalli sich für seinen zukünftigen Praktikanten entschied, inszenierte er aber noch sich selbst beziehungsweise die neuste Kollektion seiner Zweitlinie Just Cavalli für den Frühling/Sommer 2012.
Laut Lisa Feldmann bricht diese Kollektion den «Red Carpet Glam», der Cavallis Arbeit auszeichne, herunter auf ein bisschen mehr Rock'n'Roll: «Ein Style, den man auch neben dem roten Teppich tragen kann.» Die Models trugen ihn also über den Laufsteg – und da kam dann plötzlich noch etwas mehr Fashion-Show-Stimmung auf. Ganz mit den grossen Vorbildern in Mailand oder Paris mithalten können die Fashion Days Zurich eben doch noch nicht.
Auch in Zürich zeigte Cavalli aber, was er am besten kann: Animal Prints in allen möglichen Variationen, gedruckt auf enge Lederhosen oder wehende Abendkleider. Das Publikum war so begeistert, dass es sich aus den Sitzen erhob.
«Zum ersten Mal wähle ich den Mann»
Dann war der grosse Augenblick gekommen: «Zum ersten Mal im Leben entscheide ich mich für den Mann», sagte Cavalli und meinte damit den Jungdesigner Maxime Rappaz aus Anières im Kanton Genf. Rappaz hat eigentlich erst vor einigen Jahren nähen gelernt, das war für ihn aber eine Offenbarung: Er beschloss daraufhin sofort, Design zu studieren. Nun macht er sich also bald auf nach Florenz, um ein Lehrjahr bei Roberto Cavalli zu verbringen.
Der Annabelle-Award wurde dieses Jahr zum achten Mal vergeben. Er brachte bereits Nachwuchsdesigner zu Tommy Hilfiger, Wolfgang Joop, Diane von Furstenberg oder Missoni. Die letzten Praktikanten haben ihre Chance laut Feldmann genutzt: «Einige sind gleich im selben Modehaus geblieben, zwei haben zu anderen Designern gewechselt und zwei haben sich selbständig gemacht.» Für Maxime Rappaz fängt das Abenteuer gerade erst an. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 11.11.2011, 06:09 Uhr
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