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Der Look des Absturzes

Von Michèle Binswanger. Aktualisiert am 27.07.2011 5 Kommentare

Nicht nur als Sängerin war Amy Winehouse einzigartig, ihr unverkennbarer modischer Auftritt inspirierte auch die Modebranche – die schon immer eine Schwäche für Borderliner hatte.

1/11 Fünfziger-Silhouette mit Bustier-Top. Im Januar 2004 gewinnt sie bei den London Brit Awards die Auszeichnung für Best Female Solo Artist und Best Urban Act.

   

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Über die Frage, ob man Amy Winehouse als Schönheit bezeichnen kann oder nicht, wurde im Internet episch gestritten – ungeachtet der Tatsache, dass die Frage völlig irrelevant war. Winehouse' Persönlichkeit transzendierte konventionelle ästhetische Kriterien. Sie war in jeder Hinsicht ein Phänomen – mit Beehive, dickem Lidstrich und einem Alkoholproblem. Das blieb auch der kritischsten aller Branchen, der Modewelt, nicht verborgen.

Fetisch für Selbstzerstörung

Die Modebranche hatte schon immer einen Fetisch für Selbstzerstörung und die Verherrlichung des Un-Perfekten. Modedesigner, Stylisten und Redakteure empfingen sie mit offenen Armen, liessen sich von ihrem distinkten Stil inspirieren. So adelte Karl Lagerfeld Winehouse im Jahr 2007 anlässlich von Chanels Maison d'Art Show in London zur Ikone. «Sie ist nicht bloss eine Muse, sie ist ein Genie. Sie ist eine der grössten Stimmen der Gegenwart», sagte er, bevor er seine Modelle mit den typischen Turmfrisuren über den Laufsteg schickte. Er war nicht der Einzige, der sich faszinieren liess. Auch Roberto Cavalli bezeichnete sie wegen ihres eigenwilligen Stils als Modeikone, Schuhdesigner Jonathan Kelsey entwarf einen Amy-Stiletto, und das Label Fred Perry entwarf gar eine ganze Winehouse-Kollektion.

Dass Amy Winehouse gerade auf die ansonsten unzimperlichen Mode-Alphatiere mit ihrem ausgeprägten Sinn für den Retro-Stil der Fünfziger solchen Eindruck machte, kommt nicht von ungefähr – die Modebranche hatte immer schon eine besondere Faszination für Borderline-Charaktere – und Amy kam ihnen da in jeder Hinsicht entgegen.

Mehr als eine Turmfrisur

«Je unsicherer ich mich fühle, desto grösser wird meine Frisur», soll Amy einmal gesagt haben. Von diesem Zitat her muss man schliessen, dass der Erfolg ihr nicht grösseres Selbstvertrauen brachte, sondern sie nur immer noch fragiler machte. Im Laufe ihrer kurzen Karriere entwickelte sich Winehouse von einer hoffnungsvollen jungen Sängerin mit einem frischen, erwartungsvollen Gesicht zur infamen Soulröhre mit den unverkennbaren stilistischen Markenzeichen, einer sich immer höher türmenden Frisur, dem immer prägnanter werdenden Lidstrich und einem Gesicht, in das Kummer, Schmerz und Abstürze ihre Spuren eingruben.

Tatsächlich aber hatte Winehouse mehr als eine etwas auffällige Frisur zu bieten. Wer sich die versammelten Bilder ihrer Karriere, ihre Bühnenauftritte, aber auch die Paparazzi-Bilder ansieht, muss anerkennen, dass Winehouse nicht nur musikalisch einen ebenso eigenwilligen wie konsistenten Stil pflegte, sondern auch modisch. Auf der Bühne wirkte sie wie eine Wiedergängerin der Girlgroups der frühen Sechzigerjahre: enge, hoch in die Taille gegürtete Kleider, Bustier-Tops, Plateaupumps, daneben das charakteristische Augen-Make-up und die Turmfrisur. Neben der Bühne entschied sie sich oft für enge Jeans oder Capri-Hosen, welche sie mit flachen Ballerinas und Poloshirts mit den grafischen Mustern der Sechzigerjahre kombinierte – als Accessoire schlang sie gern ein Tuch um ihren beeindruckenden Haarturm.

Und so trauert nicht nur die Musikwelt um die Sängerin, die am Samstag tot in ihrer Wohnung gefunden wurde, sondern auch die Modewelt. Es wäre nicht erstaunlich, wenn wir diesen Herbst noch einmal als Amy Winehouse verkleidete Models über die Laufstege spazieren sehen – zum Soundtrack ihrer unvergesslichen Musik. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.07.2011, 15:18 Uhr

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5 Kommentare

Daniel Graber

27.07.2011, 16:16 Uhr
Melden 8 Empfehlung

Was hat Schönheit mit Musik zu tun? AW hatte ganz einfach eine sensationelle Stimme und beglückte damit nachhaltig eine riesige Fangemeinde. Auf diese Weise ist sie den Olymp der Musik eingegangen, alles andere ist Staffage und letztendlich vergänglich! Man überlasse sie jetzt ihrem Frieden! Antworten


Ralf Schrader

27.07.2011, 16:16 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Die Frau war eben etwas, früh sterben ist weniger peinlich als sinnlos alt zu werden. Den Bezug zu den anderen 27'ern möchte ich nicht gern herstellen. Vielleicht begründet sie eine eigene Dynastie, die im Gegensatz zu Jim Morrison oder Bryan Jones schon von Anfang an fremdgesteuert waren, Stars werden mussten, anstatt es werden zu dürfen.Kuss Amy, es gibt Schlimmeres. Antworten



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