Wie der Amerikaner reist
Von Claude Chatelain, New York. Aktualisiert am 12.12.2011 9 Kommentare
(Bild: zvg)
Zur Person
Alex Herrmann ist seit 2007 Direktor Amerika für Schweiz Tourismus in New York. In dieser Funktion bearbeitet er mit seinen Teams die Märkte USA, Kanada und neu auch Brasilien. Alex Herrmann ist zudem Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung von Schweiz Tourismus. Von 2002 bis 2007 war er am IBM-Hauptsitz in New York im Marketing tätig.
Vor seinem Umzug in die Vereinigten Staaten leitete Alex Herrmann die Kommunikationsabteilung von IBM in der Schweiz. Herrmann hat einen Abschluss als Betriebswirtschafter der Universität St.Gallen und ist eidg.dipl. PR-Berater.
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Korrektur-Hinweis
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Herr Herrmann, im Gespräch mit amerikanischen Reisejournalisten erhielt ich den Eindruck, der starke Franken sei hier kein Thema.
Alex Herrmann: Bei den Journalisten ist der Franken tatsächlich kaum ein Thema. Etwas anders sieht es bei den Reiseveranstaltern aus, welche die Reiseprodukte zusammenstellen.
Ist es nicht so, dass der Amerikaner, der sich Europa-Reisen leisten kann, nicht auf den Preis achten muss?
Man muss unterscheiden: Für viele Amerikaner, insbesondere die Individualreisenden der höheren Mittelklasse, steht der Preis nicht im Vordergrund. Für sie muss das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmen. Sie gehen nach Zermatt, Luzern oder St.Moritz und steigen in einem guten Hotel ab. Die Gruppenreisenden, die mehrere Länder besuchen, achten schon eher auf den Preis. Wobei sie auf den Euro abstellen. Sie verbringen häufig nur zwei Tage in der Schweiz, deshalb spielt hier der Franken eine untergeordnete Rolle.
Die Zeiten, in welchen der Amerikaner von Stadt zu Stadt reist, sind doch vorbei.
Keineswegs. Vorbei sind nur die Zeiten, in welchen jeder Reiseveranstalter mehr oder weniger das gleiche Programm anbietet. Man sagte ja früher: «If it’s Tuesday, this must be Brussels». Heute unterscheiden sich die Programme voneinander. Der Amerikaner kann daher nicht mehr davon ausgehen, dass er am Dienstag in Brüssel ist.
Befindet sich die Schweiz für solche Europa-Programme im Nachteil, weil sie eine eigene Währung hat?
Reisen Amerikanerinnen und Amerikaner nach Europa, so wollen viele bei ihrem ersten oder zweiten Trip auch in die Schweiz. Das wissen die Tour Operators. Reisen mit einem oder zwei Stopps in der Schweiz lassen sich sehr gut verkaufen. Die Amerikaner wollen die Alpen sehen und Luzern besuchen.
Zumindest was den amerikanischen Markt betrifft, scheinen somit die Klagen der Schweizer Hotellerie über den starken Franken übertrieben zu sein.
Es ist derzeit für Tour Operators nicht einfach, reine Schweizer Angebote zu lancieren. Ich hatte Kontakt mit Reiseveranstaltern, die das Angebot fertig erstellt haben, dieses jetzt aber noch nicht auf den Markt bringen.
Allein wegen des starken Frankens?
Nicht nur, insbesondere auch wegen der unsicheren Konjunkturaussichten. Die amerikanischen Tour Operators sind bei düsteren Wirtschaftsprognosen generell zurückhaltend. Wenn dann noch eine ungünstige Währungskonstellation hinzukommt, wird es doppelt schwierig.
Weiss der Amerikaner überhaupt, dass der Franken derart stark geworden ist?
Europäer sind sich gewohnt, mit unterschiedlichen Währungen umzugehen. Beim Amerikaner ist das kaum der Fall. Amerikaner mit wenig Reiseerfahrung nehmen Währungsfluktuationen kaum zur Kenntnis. Es sei denn, der überbewertete Franken werde in den Medien gross thematisiert, wie das im Sommer zum Teil der Fall gewesen war.
Bis Ende Oktober verzeichnete die Hotellerie in der Schweiz 1,33 Millionen Logiernächte amerikanischer Gäste; 7,6 Prozent der ausländischen Übernachtungen. Etwa gleich viel wie im Vorjahr.
Das ist richtig, obschon auch das letzte Jahr dank dem Oberammergau ein sehr gutes Reisejahr gewesen war. Die alle zehn Jahre stattfindenden Passionsspiele im Oberammergau locken immer überdurchschnittlich viele Amerikaner nach Europa.
Was erwarten Sie für 2012?
Das Reiseverhalten der Amerikaner wird massgeblich durch drei Faktoren beeinflusst: die Konsumentenstimmung, die Aktienbörse und die Arbeitslosenquote. Die Aussichten sind derzeit nicht rosig.
In einem Wort: Was ist der grösste Trumpf des Tourismuslandes Schweiz?
Erlauben Sie mir dazu zwei Wörter: die schöne Landschaft.
Der Amerikaner kennt Luzern, Zermatt, St.Moritz und Zürich. Was kennt er noch?
Er kennt noch Genf. Reiseerprobte Amerikaner wissen zudem, dass die Schweiz auch einen italienisch sprechenden Teil hat. Der aktive Tourist kennt Interlaken und zum Teil auch Grindelwald. Und dann gibt es zuhinterst im Lauterbrunnental ein kleines Dörfchen, das Gimmelwald heisst. Das kennt er auch.
Sie wollen mich auf den Arm nehmen.
Keineswegs. Rick Steves, ein einflussreicher amerikanischer Journalist und Autor von Reisebüchern, hat vor etwa zehn Jahren Gimmelwald entdeckt. Er hat in Reisebüchern und Fernsehsendungen Gimmelwald zum Thema gemacht. Seither erhalten wir regelmässig Anfragen zu Gimmelwald.
Was ist mit Bern?
Bern wird zwar nicht als Hauptstadt wahrgenommen, gehört aber zu den Top Ten. 2010 lag Bern punkto amerikanischer Hotellogiernächte auf Rang zehn. Bern ist beliebt als Ausgangsort für die Jungfrauregion. Einen hohen Bekanntheitsgrad hat auch das Unesco-Label der Berner Altstadt. Zudem stimmen gewisse Entwicklungen positiv: das Klee-Museum, das Westside des amerikanischen Architekten Daniel Liebeskind und neu auch der Bärengraben.
Wie verhält es sich in Bern mit dem Hotelangebot?
Früher war Bern für Amerikaner mangels genügend Vier- und Fünfsternhotels nicht sehr attraktiv. Das hat sich inzwischen geändert und wird unsere Arbeit vereinfachen.
Eine Reisejournalistin war eben auf dem Jungfraujoch und sagte mir, sie könne kaum glauben, dass sie vorher von diesem schönen Flecken noch nie gehört habe. Erstaunt Sie das?
Ja. Interlaken zählt zu den populärsten Destinationen. Deshalb würde ich davon ausgehen, dass auch die Jungfrau einen hohen Bekanntheitsgrad aufweist. Wobei der Eiger auf dem amerikanischen Markt dank zwei Filmen noch bekannter sein dürfte. Dank «The Eiger Sanction» aus den Siebzigerjahren mit Clint Eastwood in der Hauptrolle sowie «The Alps» aus dem Jahr 2007, der in den USA auf ein starkes Echo stiess. Aber der bekannteste Schweizer Berg ist natürlich das Matterhorn. (Berner Zeitung)
Erstellt: 12.12.2011, 11:23 Uhr
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9 Kommentare
Verwundert mich dass die Amerikaner ueberhaupt wissen wo die Schweiz ist. Auf einer Durchreise von Monument Valley nach dem Grand Canyon kamen wir ins Gespraech mit Amerikanern. Zu unserer Ueberraschung wussten sie nicht wo das Monument Valley war! Antworten
Das ist richtig, Gimmenwald ist auch meinen Cousins aus Fort Lauderdale bekannt, sie zeigten mir bei meinem Besuch dort eine Dokumentation über dieses Dorf und sind dann auch beim Gegenbesuch bei uns auch prompt für ein paar Tage dorthin gereist. Antworten
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