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Wenn die Airlines darben, blüht das Geschäft in der Wüste

Von Christoph Landolt. Aktualisiert am 13.05.2009

Die Krise zwingt die Fluggesellschaften, ihre Jets in der Wüste zu parkieren. Flugzeugfriedhöfe verdienen daran – und helfen den Airlines, mehr Geld für Tickets verlangen zu können.

Endstation Wüste: In der Krise rangieren die Fluggesellschaften ihre Jets aus.

Endstation Wüste: In der Krise rangieren die Fluggesellschaften ihre Jets aus.

Flugzeugfriedhof in der Mojave-Wüste

Die Luft flimmert in der trockenen Hitze, ein leiser Wind weht zwischen den Hunderten von Flugzeugen, die in den Wüsten von Arizona, New Mexico und Kalifornien auf bessere Zeiten warten. Ein rundes Dutzend Firmen betreibt auf riesigen Grundstücken mit Landebahnanschluss ein Geschäft, das sich fast perfekt antizyklisch zum allgemeinen Wirtschaftsverlauf entwickelt: Immer wenn es den Airlines schlecht geht, boomen die Flugzeugfriedhöfe.

Die Fluggesellschaften und Leasinganbieter, die derzeit unter massiven Überkapazitäten leiden, nutzen die Dienstleistungen der «Airplane Boneyards» um ihre Fixkosten runterzufahren. Ungebrauchte Flugzeuge stehen in der Wüste günstiger als auf Flughäfen, wo teure Standmieten anfallen. Etwa 60'000 Dollar pro Monat kostet es, einen überflüssigen Jumbo-Jet in der Mojave-Wüste zu parkieren. Die Bedingungen sind ideal: Kein Regen kann die empfindliche Technik korrodieren, der Boden ist günstig und in grossem Stil verfügbar.

Das Kalkül der Airlines könnte sich auszahlen. Anstatt leere Maschinen herumfliegen zu lassen, fahren die Airlines ihre Kapazitäten massiv herunter. «Flugzeuge, die gegroundet werden, kehren meist nie mehr zurück, und das wird zu höheren Ticket-Preisen führen», zitiert das «Wallstreet Journal» einen Analysten. «Die Airlines werden wieder Pricing Power haben.»

11 Prozent bleiben am Boden

Allein die amerikanischen Fluggesellschaften haben seit Mitte des letzten Jahres mehr als 800 Jets aus dem Verkehr gezogen, jeden Monat kommen 30 weitere dazu. Inzwischen stehen 11 Prozent aller in den USA immatrikulierten Verkehrsflugzeuge in der Wüste. Und: Analysten erwarten, dass nach der sommerlichen Reisesaison weitere Flugzeuge in der Wüste landen werden.

Nachdem ein Jet in der Wüste gelandet ist, wird er von Mechanikern einer Prozedur unterzogen, die Standschäden an Mechanik und Elektronik vermeiden soll. Die Turbinen werden mit Folie versiegelt, die Hydraulikflüssigkeit abgelassen, die Reifen wie bei Oldtimern vor dem Winterschlaf aufgepumpt und dann in Vlies gepackt, damit die Sonne den Gummi nicht spröde brennt. Einmal im Monat verschieben die Mitarbeiter die abgestellten Boeings, starten die Triebwerke und checken, ob noch alle Klappen und Lämpchen funktionieren.

Viele fliegen nie mehr

Viele der abgestellten Flugzeuge werden nie mehr fliegen. «Der Gebrauchtmarkt machte bisher etwa 80 Prozent des Geschäfts aus», sagt Steve Cofarro, Direktor des «Evergreen Maintenance Center» in Arizona gegenüber dem renommierten Magazin «Playboy». Doch auch die Nachfrage aus Afrika und Russland, wohin Occasions-Jets bisher häufig verkauft wurden, ist begrenzt.

Eine Sonderbehandlung in Form von regelmässiger Wartung bekommen deshalb nur die neusten und effizientesten Maschinen. Bis sich die Nachfrage wieder auf einem Vorkrisen-Niveau eingependelt hat, werden die meisten Flugzeuge in der Wüste längst zu Ersatzteillagern demontiert worden sein. Am meisten Geld bringen die Turbinen und das Fahrwerk ein. Aber auch Rumpf und Flügel werden wiederverwertet: Das hochwertige Flugzeug-Aluminium lebt dann als Aktenkoffer oder Computer-Gehäuse weiter. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.05.2009, 13:36 Uhr

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