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Welche Ferien die Umwelt besonders belasten

Von Andreas Valda. Aktualisiert am 22.12.2008 4 Kommentare

Die Ökobilanz für acht Ferienarten zeigt: Ski fahren ist top, Kreuzfahrten sind so fragwürdig wie Badeferien in der Karibik.

Ferien auf einem Luxuskreuzer wie diesem, haben eine schlechte Ökobilanz.

Ferien auf einem Luxuskreuzer wie diesem, haben eine schlechte Ökobilanz.
Bild: Keystone

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So wurde die Studie erstellt

Der «Tages-Anzeiger» beauftragte das Umweltberatungsunternehmen Esu-Services in Uster, einen Umweltbelastungsvergleich von acht Ferienarten zu erstellen. Gefragt waren ein Vergleich von C02- und Klimagasausstoss sowie eine Ökobilanz. Die Umweltwissenschaftler Sybille Büsser und Niels Jungbluth erstellten ihn auf der vom Bundesamt für Umwelt anerkannten Bewertungsmethode der ökologischen Knappheit. Sie erlaubt mit Hilfe von Punkten die Wirkungsabschätzung von Umwelteinflüssen. Das heisst: je schädlicher, desto mehr Punkte (für Details siehe Oebu.ch). Zum Vergleich: Ein Kilometer Autofahrt entspricht ungefähr 330 Belastungspunkten.

Umweltbelastend sind nur Einflüsse, für die es in Schweizer Gesetzen verbindliche Grenzwerte oder Ziele gibt. Danach wird berechnet, wie stark die konkrete Belastung vom Zielwert entfernt ist. Je grösser die Diskrepanz, desto mehr Belastungspunkte. Bewertet werden Transport, Übernachtung und Übriges wie Energieverbrauch von Skiliften, Luxusküchen und Pools.

Das sagt die Branche zum Vergleich

Die Reiseveranstalter Kuoni, Tui Suisse und M-Travel (Hotelplan) betonen in ihren Antworten, dass es eine grosse Auswahl an Ferien gebe – umweltschonende und stark belastende. Der Konsument habe also die Wahl. Zudem könne der C02-Ausstoss einer Reise kompensiert werden, etwa bei Myclimate.

M-Travel betont die Selbstverantwortung. «Jeder Kunde wird auf die Möglichkeit eines klimaneutralen Fluges hingewiesen.» So werde das Feriengeschäft durch diese «auf völlig freiwilliger Basis jedes einzelnen Kunden bestehende Kompensationsmöglichkeit positiv beeinflusst».

Kuoni akzeptiert hingegen, dass es mit der Freiwilligkeit allein nicht getan ist: «Als Reiseveranstalter tragen wir auch Verantwortung». Deshalb bevorzugt Kuoni Reedereien mit hohen Umweltstandards. «Alle 21 Schiffe, die einen Green Planet Award erhalten haben, sind bei uns im Programm», sagt Sprecher Peter Brun. Die Auszeichnung garantiere Sparsamkeit bei Schiffsantrieb, Energieverbrauch, Wasserverbrauch und Abfallmanagement.

«Leinen los - Ferien auf dem Meer neu erleben.» Mit diesem Slogan bewirbt Kuoni seit Mittwoch einen neuen Schiffsreisekatalog. Auf dreihundert Seiten werden «Kreuzfahrtschiffe der Superlative» gepriesen. Ähnlich Vögele Reisen. Die Tui-Tochter bietet eine breite Palette von solchen Luxusferien an. Und auch Migros-Tochter Hotelplan engagiert sich stark im Geschäft: «Immer mehr und immer jüngere Leute entdecken die zahlreichen Vorzüge einer Seereise», schreibt M-Travel und offeriert vom «luxuriösen Karibik-Cruise über die mehrtägige Mittelmeer-Kreuzfahrt bis hin zur Flussfahrt übers Wochenende» alles.

Was ist von diesem Schifffahrtsboom aus Sicht der Umwelt zu halten? Offenbar wenig, wie die vom «Tages-Anzeiger» in Auftrag gegebene Studie zeigt. Bei einer Reise zu zweit verursacht eine einwöchige Luxuskreuzfahrt nach Griechenland 2,2 Millionen Umweltbelastungspunkte pro Person. Zum Vergleich: Eine Woche Skiferien in Davos kommt auf 140'000 Belastungspunkte, eine Woche zu Hause ergibt mit Tagesausflügen 34'000 Belastungspunkte. Anders gesagt: Eine Woche Davos belastet die Umwelt fünfzehnmal weniger als eine Woche Mittelmeer-Kreuzfahrt. Wer seine Ferien in Zürich verbringt und dabei ins Kino geht, auf den Hoch-Ybrig fährt und in Bergün Schlitteln geht, belastet die Umwelt gar sechzigmal weniger.

Karibikferien heizen ein

Ökologisch fragwürdig sind auch Badeferien in der Karibik. Sie verursachen pro Woche knapp 2 Tonnen Treibhausgase. Zum Vergleich: Der schweizerische Jahresdurchschnitt beträgt 12,5 Tonnen, davon 5 Prozent verursacht durch Reisen.

Entscheidenden Einfluss hat der Transport. Flugzeuge, dieselbetriebene Kreuzschiffe und Autos stossen im hohen Mass schädliche Klimagase aus. Hinzu kommen Schadstoffe wie Stick- und Schwefeloxide sowie Russpartikel, die bei der Verbrennung entstehen. «Schiffsmotoren verursachen vergleichsweise höhere Schadstoffbelastungen» so die Autoren.

Darüber hinaus heizt offenbar der Luxusbetrieb eines Kreuzers der Umwelt tüchtig ein. Der gesamte Energiebedarf (Strom, Heizung, Küche, Swimmingpools, etc.) wird mit Dieselaggregaten gedeckt. Und das Verhältnis der Angestellten zur Anzahl Passagiere auf einem Kreuzschiff ist relativ hoch. «Dies kann die verhältnismässig hohen Belastungen der Kreuzfahrt erklären», schreiben die Studienverfasser.

Darob staunen selbst Fachleute. Sie hätten die höchste Belastung bei den Badeferien in der Karibik erwartet. Dies, weil Flugreisen stark einschenken. So ist Nicolas Gruber, Professor für Umweltphysik an der ETH Zürich, nicht überzeugt, dass eine Woche Kreuzfahrt im Mittelmeer für die Umwelt belastender sei als eine Woche Badeferien in Mexiko. Sein Einwand ist ein methodischer: «Die Unsicherheiten bei der Berechnung der Belastung der Kreuzschiffe sind zu hoch.»

Auch Kuoni hinterfragt die Berechnungen: «Eine ähnliche, vom WWF Deutschland erstellte Studie ergab deutlich tiefere Belastungszahlen für Kreuzschiffe», sagt Sprecher Peter Brun. Auch kritisiert er die Annahme der Autoren, dass Schiffe eine Geschwindigkeit von 28 Knoten fahren. «Normale Kreuzschiffe sind unseres Wissen nie so schnell unterwegs.» Ähnlich argumentiert Tui-Sprecher Roland Schmid. Die Belastung bei Kreuzfahrten sei «im Wesentlichen abhängig von der Antriebs-Technologie und der Entsorgung». Je moderner, desto weniger belastend – und umgekehrt. Doch eigene Zahlen präsentieren weder Kuoni noch Tui.

Felix Meier von WWF Schweiz bestätigt, dass in der im Frühjahr publizierten WWF-Studie bei Kreuzschiffen «halb so hohe CO2-Werte» errechnet wurden. An der Aussage zur Umweltbelastung ändere dies aber nicht viel, so der Leiter Konsum und Wirtschaft: «Ferien auf Kreuzschiffen sind dennoch eine der belastendsten Ferienarten», sagt Meier. Der WWF empfiehlt Reisen in die Nähe und rät zur Fahrt mit Zug oder Bus. «Wer trotzdem fliegen will, sollte sich möglichst lange an der Destination aufhalten.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.12.2008, 07:02 Uhr

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4 Kommentare

Daniel Martel

22.12.2008, 10:24 Uhr
Melden

Die umweltfreundlichsten Ferien sind immer noch die in Balkonien. Ausschlafen, spazieren, zu Fuss in die Beiz gehen, wo man nie Zeit hat, da man am nächsten Tag auf muss.... Dolce far niente in gewohnter und gerade dadurch neuer Umgebung. Antworten


hans plüss

22.12.2008, 09:15 Uhr
Melden

Wurden bei "Ferien in Davos" auch die Schneekanonen, die immer öfter zum Einsatz kommen, berücksichtigt? Antworten



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