Leben
Surfen nur mit Datenoption
Noch vor einem Jahr hatte kaum jemand ein Smartphone in den Sommerferien dabei. Dieses Jahr ist alles anders: Erstmals ist eine grosse Menge iPhones und Co. im Auslandeinsatz. Wer am Strand oder auf der Bergspitze Bilder verschicken will, sollte sich aber in Acht nehmen – und eine Datenoption abonnieren.
Der Vergleichsdienst Comparis hat für diese Zeitung für drei Nutzertypen berechnet, wie teuer Telekomdienste während eines Auslandaufenthalts in Europa zu stehen kommen: Die Eltern surfen ab und zu mit dem iPhone. Die frisch verliebte Tochter bleibt primär per SMS mit ihrem Freund in Kontakt. Der Freelancer schliesslich arbeitet lieber eine Woche im Süden; er surft auf dem Notebook via Handynetz und telefoniert oft. Alle haben bereits ein bestehendes Abo bei einem der grossen Schweizer Mobilfunkanbieter.
Swisscom am günstigsten
Für alle Anbieter gilt: Wer das Handy in den Ferien fürs Surfen und fürs Herunterladen von Daten verwenden will, muss eine Auslandoption abonnieren. Anders als bei den Inlandtarifen hat Swisscom die Nase vorn: Mit der Option «World Flex» bietet sie die günstigsten Tarife.
Der Teufel steckt aber im Detail. Die Kosten variieren abhängig vom Ferienort, vom bestehenden Abo, Datum und Kommunikationsverhalten stark. Zudem ist es schwierig, bereits vor der Reise abzuschätzen, wie viel man telefonieren und surfen wird. Selbst Profis müssen stundenlang rechnen, um ungefähr herausfinden zu können, welche Kosten anfallen. Auch mit Reiseoption ist Telefonieren und Surfen im Ausland teuer. Anders als in der Europäischen Union gelten für Swisscom, Sunrise und Orange keine Preisgrenzen.
«Reine Abzockerei»
Für Telekomexperte Ralf Beyeler von Comparis sind gewisse Preise nicht zu rechtfertigen. «Das ist reine Abzockerei. Gerade die beiden teureren Anbieter machen hier gute Umsätze. Solange die Kunden nicht abspringen – und die Preise für das Roaming scheinen dafür nicht relevant zu sein – ändert sich nichts.» Aktionen wie bei Vodafone Grossbritannien, wo die Roaminggebühren in den Sommerferien ganz wegfallen, sind hier zu Lande kaum zu erwarten.
Den Anbieter nerven
Soll man die Anbieter fragen, was im individuellen Fall die beste Wahl ist? Leider ist selbst auf ihre Auskünfte nicht immer Verlass. Bei Streitfällen empfiehlt Beyeler hartnäckig zu bleiben: «So lässt sich oft eine Preissenkung auf das günstigste Niveau mit Option aushandeln. Gibt es keine Lösung, gelangt man an die Ombudsstelle.»
Der Spezialist erwartet, dass die wenigsten Kunden eine Option lösen – und demnach die meisten zu viel bezahlen. Diese Passivität nützen die Provider aus. «Wer nicht surfen will, sollte direkt in einen Shop des Anbieters gehen und das Datenroaming deaktivieren lassen. So merkten die Firmen, dass ihre Praktiken unsinnig sind.»
Für Reiseziele in Übersee ist übrigens wiederum alles anders – auf den Punkt gebracht: Nochmals viel teurer. (Berner Zeitung)
Erstellt: 01.07.2009, 14:53 Uhr
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