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Mit der Segeljacht durch die Geschichte der Evolution

Von Daniel B. Peterlunger. Aktualisiert am 09.06.2009 2 Kommentare

Auf den Galápagos-Inseln reifte vor 174 Jahren Charles Darwins Idee der Evolution. Sie haben seither nichts von ihrer Faszination verloren.

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Eine Reise durch die Geschichte der Evolution: Der Dreimaster Mary Ann.
Bild: Daniel Peterlunger

   

(Bild: TA-Grafik mt)

Tipps & Infos

Tour: Ecuador und Galápagos
Der hier beschriebene Segelturn wird von Background Tours angeboten und ist Teil einer zweiwöchigen Ecuador-Galápagos-Reise (1 Woche Festland, 1 Woche Segelschiff). Sie findet zum nächsten Mal im Oktober (7. bis 23. 10.) statt und ist für das kommende Jahr (10. 11. bis 26. 11. 2010) erneut geplant. Preis pro Person: 13 610 Franken (Preis kann für 2010 leicht variieren). Weitere Informationen: www.background.ch

Weitere Touren
Globotrek bietet zudem das ganze Jahr hindurch individuelle (und günstigere) Schiffsreisen auf die Galápagos an. Beste Reisezeit ist Mai bis November, wobei September und Oktober am ruhigsten sind. Details dazu unter www.globotrek.ch

Hier, ziemlich genau an dieser Stelle, segelte Charles Darwin an Bord der Beagle durch die Galápagos. Auf unserer Fahrt mit dem Dreimaster Mary Ann blicken wir auf das praktisch identische Panorama, das Darwin schon sah: vulkanische Inseln von herber Schönheit. Ein weisser Wolkenstreifen ziert einen Vulkankegel, als ob er einen wehenden Seidenschal trüge. Über uns schweben Fregattvögel.

Wir segeln Richtung Äquator, Kurs Nordwest. Hinter uns liegt die Bolivar-Passage, rechts die Insel Isabela mit dem 1402 Meter hohen, nach Darwin benannten Vulkan. Ihr gegenüber liegt Fernandina, die jüngste der 19 grösseren Eilande des Archipels. Nicht alle Galápagos- Inseln sind gleich alt, Fernandina ist gerade mal 50'000 Jahre jung, quasi taufrisch - und aktiv: 25-mal ist sie in den letzten 200 Jahren eruptiert. Die unterschiedlichen Alter der Inseln haben auch zur Folge, dass jede eine ganz eigene Fauna und Flora beheimatet, jedes Eiland ist ein begehbares Kapitel der Erd- und Evolutionsgeschichte, wie Darwin als Erster erkannte.

Wer Galápagos sagt, denkt an Tiere, die es sonst nirgendwo gibt, weil sie auf dem amerikanischen Festland, woher sie stammen, längst ausgestorben sind. Schwimmend, fliegend und auf Baumstämmen driftend sind sie einst auf die Inseln gelangt und haben sich jeweils anders weiterentwickelt.

Zurück in die Urwelt

Wie ankern vor der Insel Plaza. Die 62 Meter lange Mary Ann wiegt sich sanft in der Dünung, derweil die Crew das Beiboot zu Wasser lässt. Die urweltliche Atmosphäre auf Plaza ist überwältigend: Dutzende graue Meerechsen mit Stacheln auf dem Rücken dösen in der Sonne. Ein paar Schritte weiter tun Seelöwen es ihnen gleich. Besucher scheinen sie nicht zu stören. Dieses Zutrauen, dieses Fehlen von Scheu ist typisch für die Tiere auf den Galápagos. Am Hang stehen Opuntien, baumgrosse Kakteen. Orangerote Sesuvium-Pflanzen bedecken den Boden. Sie gewinnen ihre Nahrung aus den salzigen Duschen, die der Pazifik über die Klippen gischtet. Gerne würden wir länger verweilen, müssen jedoch die Insel pünktlich um 18 Uhr verlassen, so verlangen es die Regeln des Naturparks.

Silvia Panchana, Parkführerin an Bord, erklärt: «Wir müssen uns an die vorgeschriebene Route halten.» Damit will die Parkverwaltung verhindern, dass trotz 86 zugelassenen Schiffen und jährlich 160 000 Besuchern nie zu viele gleichzeitig auf einer Insel landen und die markierten Pfade verstopfen. Bedrohlicher ist, was die Leute einschleppen: Pflanzen, Ziegen, Katzen und Ratten. Die werden rigoros ausgerottet, bei Hunden jedoch, einem beliebten Mitbringsel Einheimischer, nicht konsequent.

Die Route ist streng vorgeschrieben

In der Gardener Bay auf Española lecken türkisfarbene Wellen am schneeweissen Sandstrand, auf dem sich Seelöwen räkeln und Junge an dösenden Müttern nuckeln. Vom Wasser aus bewachen Bullen ihren Strandabschnitt mit ihren Weibchen. Ein Pelikan schaut dem Treiben gelassen zu, derweil grün-rote Echsen über Sand und Steine schleifen. Im Hintergrund liegt die Mary Ann vor Anker, ein Bild wie aus einem anderen Jahrhundert. Doch der in Deutschland gebaute 62-Meter-Dreimaster aus Stahl mit seinen 920 Quadratmetern Segel ist erst elf Jahre alt. Ein luxuriöses Deckhaus mit Esstischen, Bar, Salon und Bibliothek sowie geräumige Kabinen, alle mit Bad, bietet 16 Gästen Platz, eine Zahl mit Naturpark-spezifischem Hintergrund: Pro 16 Besucher ist ein offizieller Parkführer Pflicht. Seit zwei Jahren schippert die renovierte Jacht mit neunköpfiger Crew durch den Archipel. Doch mehrheitlich treibt uns der Motor an, denn Pflichtroute nimmt keine Rücksicht auf Windrichtung und Stärke.

Der Schildkröten-Takeaway

Galápagos-Pinguine treffen wir auf mehreren Inseln. Dank des kalten Humboldtstromes finden sie hier, am Äquator, genügend Nahrung. Wellen-Albatrosse hingegen nisten nur auf Española. Land- und Meerechsen bevölkern mehrere Inseln, ebenso die Blaufusstölpel mit ihrem drolligen Blick. Auch knallrote Klippenkrabben huschen vielerorts über die schwarzen Felsen.

Auf Santa Cruz begegnen wir jenen Tieren, die dem Archipel den Namen gaben: die riesigen Galápagos- oder Sattelschildkröten. Von Puerto Ayora aus, der Siedlung mit der sehenswerten Darwin-Forschungsstation, gelangt man per Bus zu höher gelegenen, saftig-grünen Wiesen. Hier fressen sich Dutzende 250 Kilogramm schwere, urzeitliche Rasenmäher satt. Wie schon vor Jahrmillionen.

Für Piraten, aber auch für die Crew der Beagle, waren die Schildkröten ein begehrter Lebendproviant zum Mitnehmen, überleben sie doch ohne Futter bis zu einem Jahr. «The Galápagos - the turtle take away», bringt ein Mitglied der Crew scherzhaft auf den Punkt, was lange gegolten hat.

Wer auf den Galápagos nicht schnorchelt, verpasst einiges: Da gibts nicht nur unzählige Doktor- und Papageienfische, die deutlich grösser sind als in tropischen Gewässern. Meeresschildkröten auf Armlänge zu begleiten, oder zu erleben, wie sich Pelikane vor der Taucherbrille ins Wasser stürzen, um Fische zu fangen, gehört zum Eindrücklichsten, was man unter Wasser sehen kann. Ebenso neben einem Pinguin zu schwimmen und an schroffen Lavaküsten Meerechsen zu beobachten, die sich nach einem Ausflug ins kühle Wasser - die vegetarischen Urviecher fressen Algen - an der Sonne aufwärmen und Salz ausspucken.

Am Ende unseres zweiwöchigen Turns haben wir uns noch lange nicht sattgesehen und möchten, wie einst Darwin, zu Land und im Wasser noch viele überraschende Lebensformen und Farben entdecken. Er selbst hat die Reise, obwohl sie so prägend für sein wissenschaftliches Werk war, nicht ganz so genossen: Er blieb zeit seines restlichen Lebens in England.

Dieser Beitrag entstand mit Unterstützung von Background Tours. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.06.2009, 13:44 Uhr

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2 Kommentare

Thomas Gysel

09.06.2009, 15:35 Uhr
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Toller Bericht! Mit grosser Wehmut denke ich selbst an meine zwei Wochen Galapagos zurück. Das wird mich motivieren gelegentlich wieder einmal das Fotoalbum anzuschauen. Galapagos ist wirklich noch eines der letzten Paradiese auf dieser Welt. Und bleibt es hoffentlich.... Antworten


Cornelia Besmer

10.06.2009, 22:47 Uhr
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Guten Tag. Ich selbst lebe seit einiger Zeit in Galapagos, sie haben recht, es ist ein Paradies. Die romantische Segeljacht Mary Ann kenne ich persoenlich sehr gut und kann sie absolut jedem weiter empfehlen. Die beste Reisezeit ist jedoch von Dezember bis August, September bis November ist eher regnerisch, kalt und sehr rauhe See. Vielen Dank fuer den interessanten Artikel, Gruesse aus Galapagos Antworten



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