Leben
Last, Lust und Luxus-Essen
Interaktiv
Frisches Brot und ein Stück Käse. Genau das richtige Frühstück nach Cracker mit Nüssen, Dörrfrüchten und viel Tee zum Runterspülen. Aus Gewichtsgründen blieb es während der letzten vier Tage dabei – ein Morgenessen, das einem bald einmal verleidet ist. Am fünften Morgen, auf der letzten Etappe, führt der Weg kurz nach diesem kärglichen Frühstück an der SAC-Hütte Alzasca vorbei. Am Steintisch vor der Hütte, auf 1700 Metern über Meer, frühstückt gerade eine gut gelaunte Gruppe, darunter die für zwei Wochen amtierenden, äusserst netten Hüttenwartinnen. Auf dem Tisch steht alles, was in den letzten Tagen so gefehlt hat. Die Einladung, abzusitzen und mit zu essen, kommt wie gerufen. So gut hat Brot, Käse und warmer Kaffee noch nie geschmeckt. Ein doppeltes Frühstück, das lange in Erinnerung bleiben wird.
Die Trekkingtour
Während fünf Tagen ist die Gruppe zwischen dem Binntal im Kanton Wallis und dem Tessiner Maggiatal unterwegs. Dazwischen gehts während einiger Kilometer im Val Formazza über italienisches Staatsgebiet. Insgesamt sind das 67 Kilometer, mit Steigungen von insgesamt 6700 Höhenmetern und Abstiegen von 7900 Metern. Der höchste Punkt befindet sich auf 2574 Metern, der tiefste auf 358 Metern. Im Binntal starten eine Frau, drei Männer und ein Hund. Wegen Hüftproblemen muss leider ein Teilnehmer am 4.Tag die Tour abbrechen. Es geht darum zu dritt weiter.
Die Tour ist physisch sehr anstrengend, natürlich auch wegen der schweren Rucksäcke. Die Wanderer gelangen vollkommen aus eigener Körperkraft an unbeschreiblich schöne Orte, welche die ganzen Strapazen sofort wieder vergessen lassen. Füsse baden in herrlichen Bergseen, welche zum Teil noch mit Eis bedeckt sind, übernachten an idyllischen Orten im Zelt unter freiem Himmel, einfache Mahlzeiten aus dem Rucksack, zubereitet auf dem Gas- oder Benzinkocher. Mahlzeiten, die nach einem Tag unterwegs schmecken wie ein Luxusmenü im 5-Sterne-Hotel. All diese Erlebnisse sind in diesen fünf Tagen zu machen.
Die Tagesetappen
1.Binn-Fäld VS–Lago Dèvero (13 Kilometer, 1100 Meter Aufstieg/800 Meter Abstieg)
Von Bern mit der Bahn und dem Postauto nach Binn-Fäld im Binntal. Hier beginnt die 5-tägige Tour. Aufstieg am schönen Mässersee und am Geisspfadsee vorbei auf den Passo della Rossa auf 2474 Metern. Hier oben liegt der Schnee bis weit in den Sommer hinein. Kurz nach der Passhöhe sind weiter wunderschöne kleine Seelein zu bewundern. Dann beginnt ein sehr steiler Abstieg zum Lago Dèvero auf 1856 Metern. Zu überwinden ist auch eine kurze Klettersteig Passage mit Metall-Tritten, über welche der Hund geschultert werden muss. Vorbei am schmucken Dörflein Crampiolo, wo es übrigens eine schöne Pension gibt, gehts zum See. Am nordwestlichen Ufer ist ein schöner Platz, um die Zelte aufzuschlagen. Der Bergwanderweg ist auf der ganzen Strecke dieser 1.Etappe recht gut markiert. Im Frühsommer kann mit viel Schnee die Wegfindung schwierig werden.
Als Alternative zum Passo della Rossa kann auch der Passo della Crampiolo begangen werden. Dieser ist jedoch nur für sehr gute Berggänger empfohlen, steht doch auf einem Wegweiser zu diesem Pass «Solo per esperti».
2.Lago Dèvero–Chioso (16,5 km, 800m/1700m)
Es geht erst einmal rund um den Lago Dèvero, und danach gilt es, den Pass Btta. della Valle in Angriff zu nehmen. Dieser bildet mit 2574 Metern den höchsten Punkt der gesamten Tour. Nach der Passhöhe sind einige heikle Passagen auf Schnee zu meistern. Das Gelände ist steil, die Markierungen sind unter dem Schnee begraben, äusserste Vorsicht ist geboten. Ein starker Gewitterregen durchnässt kurz vor dem Ziel des Tages alles. Immer noch bei starkem Regen kommt die Wandergruppe an einem verlassenen Stall vorbei und quartiert sich kurzerhand dort ein. Es ist nicht möglich, jemanden um Erlaubnis zu fragen. Im Bergdörfchen Chioso scheint niemand mehr zu leben, hier ist die Landflucht total. In den Rustici kehrt nur noch an den Wochenenden und in den Ferien Leben ein.
3.Chioso–Bosco Gurin (14km, 1600m/1000m)
Steil führt der Weg vorbei an Steinbrüchen, von 900 Metern über Meer bis zum herrlichen Lago del Cramèc auf fast 2000 Metern. Die allerhärtesten Gruppenmitglieder nehmen ein Bad im 7-grädigen Wasser des Sees. Ohne markierten Weg geht es weiter zum Krameggpass auf 2518 Metern. Es ist sehr schwierig, eine geeignete und einigermassen gefahrlose Route zu finden. Mit vereinten Kräften erreicht die Gruppe den Pass und stellt erleichtert fest, dass der Abstieg zur Grossalp ohne Schwierigkeit zu machen ist. Für weniger trittsichere Wanderer ist die Alternative über die «Guriner Furggu» empfohlen.
An der Bergstation der Sesselbahn Grossalp können Monsterroller (Trottinetts) gemietet werden. In einer rasanten Fahrt gehts damit nach Bosco Gurin hinunter.
4.Bosco Gurin–Lago d’Alzasca (14,5km, 1800m/1200m)
Das ist die Königsetappe. Vom malerischen Dörfchen Bosco Gurin steht an diesem kühlen Morgen der Aufstieg zur Pian Crosc auf dem Programm. Dann folgt ein langer Abstieg via Cerentino nach Da l’òvi ad dint. Bei sehr grosser Hitze ist es ein besonderes Vergnügen, die heiss gelaufenen Füsse in der Rovana zu kühlen. Gestärkt steigen wir auf dem Hüttenweg zur Cap. D’Alzasca zur Bocchetta di Cansgei auf. Zahlreiche umgestürzte Bäume versperren den Weg. Hoffentlich kann der markierte Bergweg dort bald wieder instand gesetzt werden.
An einem kleinen idyllischen Bergsee auf 2000 Metern werden die Zelte aufgebaut. Hier verbringen die drei verbliebenen Gruppen-Mitglieder eine sehr ruhige und erholsame Nacht.
5.Lago d’Alzasca–Someo (9,5 km, 1400 Meter Abstieg)
Auf der letzten Etappe steht noch der Abstieg ins Maggiatal an. Bald nach dem Verlassen des Nachtlagers präsentiert sich tief unten der tiefblaue Lago d’Alxasca. Hoch über dem See vorbei führt der Weg zur SAC-Hütte Alzasca, wo dieses unvergessliches zweite Frühstück wartet.
Durch meist bewaldetes Gebiet gehts danach über einen zum Teil sehr steilen Weg hinunter. Oft hat es Passagen mit hohen Steinstufen, welche die Kniescheiben beinahe zum Glühen bringen. Jede grössere Lichtung ist bald einmal mit zahlreichen Rustici überbaut. Früher waren das alles Alpunterkünfte der Bauern aus dem Tal. Ab und zu steht zwischen den Rustici noch ein landwirtschaftlich bewirtschaftetes Gebäude, mit Ziegen, Hühnern und einem grossen Gemüsegarten. Im Tal folgt der Wanderweg circa zwei Kilometer der Maggia talwärts. Über die imposante Hängebrücke gehts nach Someo, dem Ziel der Tour. (Berner Zeitung)
Erstellt: 03.09.2010, 11:38 Uhr
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