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Eine Nacht in der DDR verbringen

Von Anatol Heib. Aktualisiert am 28.12.2009

In einem Berliner Hotel wird die DDR konserviert. Alle Zimmer sind mit Original-Inventar aus der damaligen Zeit ausgestattet.

1/7 Unterhaltung
Bis ins kleinste Detail wird DDR-Heimeligkeit geboten. Hier im Bild ein Radio.
Ostel.eu

   

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Bereits ein Blick in die Rezeption verrät: Im Berliner Ostel (abgeleitet von Hostel) ist alles ein bisschen anders. Alle Möbel sind im 70er-Jahre-Stil gehalten, an dessen Design sich in der DDR bis zum Mauerfall wenig änderte. Die Wände zieren poppige Tapeten mit Blümchen und Mustern. Das Hotel-Emblem ist das umfunktionierte Zeichen der Freien Deutschen Jugend (FDJ), der Massen-Jugendbewegung in der DDR.

In den 35 Zimmern des Hauptgebäudes sieht es nicht anders aus. Überall stehen Originalexponate aus dem real existierenden Sozialismus: Sessel, Radios, Bilder, Tische oder Betten. An den Wänden hängen Bilder von Honecker, Ulbricht und Co. «Die meisten Gäste kommen aus Skandinavien, Spanien, Japan oder den USA. Schweizer sind eher selten anzutreffen», sagt Ostel-Gründer Daniel Helbig, zu DDR-Zeiten in Ost-Berlin aufgewachsen.

Lampe war Exportschlager

Die Objekte beschafft er sich auf Flohmärkten, Ebay oder zum Beispiel bei Freunden und Verwandten. Bei der Einrichtung der Ostel-Räume dienten eigene Erinnerungen und Fotos als Inspiration. «Die Objekte sind teilweise bis zu 25 Jahre alt und meist noch in sehr gutem Zustand.» Nur Matratzen, Bettwäsche und sanitäre Einrichtungen sind neu.

Kult-Status geniessen laut Helbig inzwischen die Zimmerdecken. «Die DDR hat sie damals für Ikea produziert. Ohnehin war man bei Einrichtungsgegenständen Exportweltmeister.» Die Produkte seien im Westen aber oft unter anderem Namen verkauft worden.

Leben wie SED-Funktionär

Nebst den Zimmern bietet das Ostel noch ein sogenanntes Pionierlager an - mit 230 Kajüten-Schlafplätzen. Derzeit ist man daran, fünf Suiten für gehobenere Ansprüche einzurichten: «Sie werden mit Original-Möbeln aus der Wandlitz-Siedlung in Berlin ausgestattet», sagt Helbig. Bis zum Ende der DDR lebten dort die wichtigsten SED-Politbüromitglieder abgeschirmt von der Bevölkerung.

Das Ostel-Konzept ist in der Vergangenheit allerdings auch auf Kritik gestossen. Bei der Eröffnung vor zwei Jahren kritisierten Bürgerrechtler und Stasi-Opfer den Umgang mit der DDR-Geschichte. Insignien der DDR wie Porträts von Honecker könne man nur zeigen, wenn man sie auch kritisch kommentiere, lautete die Kritik. Man wolle keine Opfer veralbern, so Helbig, sondern nur so authentisch wie möglich sein. Es müsse jedem klar sein, dass es ums Urlaubserlebnis gehe und man kein Geschichtsmuseum sein wolle. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.12.2009, 14:11 Uhr

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