Leben

  • Region
  • Schweiz
  • Ausland
  • Wirtschaft
  • Börse
  • Sport
  • Kultur
  • Panorama
  • Leben
  • Auto
  • Digital
  • Blogs
  • Forum

Das Feriendorf als Versuchslabor

Aktualisiert am 02.12.2011

Ferien zwischen Solarpanels und Windrädern: Das bietet ein Technologieinstitut auf Teneriffa an. In den architektonisch spannenden, stilvoll eingerichteten Häusern lebt es sich so angenehm, dass man vergisst: Eigentlich haust man in einem Labor.

1/8 Höhle mit Ausblick
«Las Bóvedas» ist halb in die Erde eingebettet. Die «Kamine» auf dem Dach fangen den Wind ein. Deshalb bleibt es im Innern auch ohne Klimaanlage angenehm kühl.
Bild: Mathias Born

Feriensiedlung als Versuchslabor

   

Es sind nur einige Treppenstufen – und wir kommen in der Höhle an. Der Blick schweift durch den Raum. Dick sind die Mauern über den Köpfen, sicher zwei Meter. Wer in die runden Lichtschächte blickt, kriegt fast die Halsstarre. Doch durch die matten Glasdeckel fällt Licht herein. Und natürlich auch von der Fensterfront, die diese Höhle hat. Denn sie ist eigentlich ein Ferienhaus auf Teneriffa. Ein Experiment. Und wir, die wir für einige Tage hier wohnen, werden nun Teil davon.

Vermieterin Miren Iriarte schaltet den Fernseher ein. Darauf lässt sich jederzeit für die vier Zimmer und die zwei Badezimmer die Temperatur und Luftfeuchtigkeit nachschauen. Die Informationen stammen von den Sensoren an der Decke und werden zu Forschungszwecken aufgezeichnet. Die Messung soll zeigen, wie angenehm und stabil das Klima im Haus ist. Einem Bau, der über keine konventionelle Klimaanlage verfügt und der nur so viel Strom verbrauchen soll, wie er mit den Solarzellen auf seinem Terrassendach produziert.

So wie unser vom spanischen Architekten Jaime Navascues Lacourli entworfenes Höhlenhaus könnten ökologisch sinnvolle Gebäude im Süden aussehen. Oder auch anders: 24 bioklimatische Häuser stehen auf dem Gelände im Südosten Teneriffas. Sie gehören dem Institut für Technologie und erneuerbare Energien (Iter). Dieses führte 1995 einen internationalen Architekturwettbewerb durch, um innovatives und ressourcenschonendes Bauen zu fördern. Eine Jury wählte die besten Projekte aus; Schweizer haben sich am Wettbewerb nicht beteiligt. Nach langem Hin und Her wurden die Häuser auf dem Institutsareal gebaut. Wissenschafter sollten darin wohnen. Doch das Interesse war klein. Nun ziehen die Touristen ein. «Wir wollen, dass die Häuser genutzt werden», sagt Innenarchitektin Miren Iriarte, welche die Siedlung betreut. In Spanien werde ökologisches Bauen oft mit Hässlichkeit und wenig Komfort assoziiert. «Die Häuser zeigen, dass dies nicht so sein muss.»

Designersofas und Geckos

Komfort: Den haben wir in unserer Höhle. Auf dem Designersofa lässt es sich wunderbar fläzen. Die Küche ist modern ausgestattet. Und wenn wir am Esstisch im Kerzenschein beim Nachtessen sitzen, wird es fast mystisch. Die weiss gestrichenen Räume mit ihren Bogentüren und -fenstern haben etwas Sakrales. Tags badet man am nahen Strand so einsam wie sonst kaum irgendwo auf dieser Touristeninsel. Ein Gecko unter der Türe und Weberknechte im Schlafzimmer gehören aber auch dazu, denn die Siedlung liegt in der freien Natur. Allerdings nicht am idyllischsten Plätzchen: Die Hinfahrt lässt einen kurz zweifeln, ob dies der richtige Ort für Ferien ist: Sie führt vom Südflughafen wenige Kilometer über die Autobahn ins Niemandsland mit einigen Industriebauten. Die Häuser liegen abseits neben einem Windpark und einer riesigen Solaranlage. Hier stören kein Strassenlärm und keine Discomusik wie in den Touristenzentren. Von der Terrasse hört man zwar startende Flugzeuge. Daran gewöhnt man sich. Und das leise Sausen der Windräder klingt bald schon heimelig. «Wir bieten einen ungewöhnlichen Mix», gesteht Miren Iriarte ein. «Eigentlich ist das aber auch gar keine Feriensiedlung, sondern ein Labor.» Wer herkommt, soll das wissen. Deshalb lassen sich die – nicht ganz günstigen – Häuser derzeit nicht einfach per Mausklick, sondern nur per E-Mail oder Telefon buchen.

Natürliche Klimaanlagen

Die Siedlung ist ein spannendes Labor, wie sich tags darauf zeigt. Eine englische Familie, ein deutsches Paar und wir lassen uns von Miren Iriarte die Häuser zeigen. Der Rundgang gehört zum Angebot für Gäste und ist für Architekturfans ein Highlight. Die Bauten sind sehr verschieden: Wer das Haus El Rio bucht, muss sich daran gewöhnen, dass Wasser durch die Stube fliesst. Es stabilisiert das Klima. Anders bei La Estrella und unserer Höhle Las Bóvedas: Diese Häuser liegen halb unter der Erde. El Escudo wiederum besteht teils aus Transportcontainern. Ein Minipatio mit Orangenbäumchen und Lavendel mitten im Haus sorgt für frische Luft. In andere Häuser wurden Windkanäle eingezogen. Viele haben zudem dicke Mauern aus Vulkangestein, das Wasser und Wärme speichert und langsam wieder abgibt.

Nicht alles, was sich die Architekten ausdachten, funktioniert auch. Iriarte fährt mit dem Finger über einen schwarzen Tisch. Ein offenes Windgitter am falschen Ort, und schon legt sich Saharastaub dick auf die Möbel. Und durch die undichten Mauern eines anderen Hauses finden derzeit zu viele Tierchen den Weg ins Innere. «Wir verbessern die Häuser laufend», sagt Iriarte.

In einigen Häusern sind Handwerker an der Arbeit. Die Hälfte der Bauten sind vermietbar, andere sollen es bald sein. Erst seit einem Jahr ist die Siedlung offen. «Der Start war schwierig», sagt Miren Iriarte, die zuvor in der Hotelbranche arbeitete. Doch sie ist überzeugt: In die Fussstapfen der Pioniere treten mehr Leute, die sich für Ferien im Labor interessieren.

Erstellt: 02.12.2011, 06:14 Uhr

0

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.
Noch keine Kommentare

Leben

Populär auf Facebook Privatsphäre

Umfrage

Kaufen Sie Bio-Produkte?




Verzeichnis- & Serviceportal

Marktplatz

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen

Gratis für Abonnenten und Abonnentinnen

1:0 für Ihre Unabhängigkeit! Wo immer Sie sind: Blättern Sie virtuell durch Ihre BZ Berner Zeitung. Lesen Sie unser ePaper.

Flugpreise vergleichen

Vergleichen Sie die Flugpreise von verschiedenen Reiseanbietern und finden Sie das beste Angebot.

FÜR IHRE FREIZEIT

Für Ausgehtipps in der Region, nutzen Sie einfach unsere Agenda.

Jetzt wechseln und sparen

Finden Sie in nur fünf einfachen Schritten die optimale Fahrzeugversicherung.