Nagellack: Trittst im Berner Rot daher, begehren dich die Männer sehr
Interview: Nina Kobelt. Aktualisiert am 30.07.2010
«Color So Hot It Berns» - der Lack ist die Hommage des US-Labels OPI an Bern. Sehr sexy. (Bild: zvg)
Die Schweiz hat zwölf Farben. Zumindest in den Augen von OPI-Kreativchefin Suzi Weiss. Das amerikanische Nagellacklabel widmet der Schweiz gleich eine ganze Kollektion, die pünktlich zum 1. August auf den Markt kommen soll. Die Chefin des Nagellackherstellers liess sich von leuchtenden Bergen inspirieren, von tiefblauen Seen und einer Diva of Geneva. Ja, die Namen dieser Schweizer Farben sind lustig, «Just a Little Rösti at This» und «William Tell Me about OPI» und «From A to Z-urich». Dass Weiss kein Klischee auslässt – sowohl Gold («Glitzerland») und Schokoladenbraun («I’m Suzi & I’m a Chocoholic») gehören zur Swiss Collection –, sei ihr verziehen, weil sie korrekt bleibt: Das klassische Rot widmet sie der Bundesstadt Bern, schliesslich erinnert es auch an die Schweizer Fahne. Patriotismus hatte Weiss wohl aber weniger im Kopf, als sie «Color So Hot It Berns» kreierte. Mit dem Namen und vor allem mit der Farbe spielt sie eher auf Erotik und Sex an.
Blau stösst Erotik ab
Ganz richtig, sagt Farbpsychologin Daniela Späth: «Rot ist die Urfarbe bei Nagellack, und Lippenstift und sendet ganz klar ein erotisches Signal aus.» Rot steht für Liebe und Hass, für Sex. Rot als Make-up hat Signalwirkung auf Männer. «Und sie fallen immer darauf herein», sagt Späth lachend. «Man kann es ihnen nicht verdenken.»
Nagellack kann ihrer Meinung nach durchaus nur Accessoire sein. Dann, wenn er blau oder bläulich ist etwa wie «Yodel Me on My Cell». «Blau hat nichts mit Erotik und Emotionen zu tun. Es ist in der Farbpsychologie der Gegenpol zu Rot, oder anders gesagt: Der erotische Aspekt wird abgestossen.»
Interessant: Rot ist in der Psychologie die männliche Farbe, das Prinzip der Aktivität. Blaues sei passiv, so Späth, und das weibliche Pendant. Darum locken Frauen die Männer vorzugsweise mit Rot. Oder um es mit der OPI-Kollektion zu sagen: mit der Berner Farbe.
Luzern weder hü noch hott
Luzern kommt da schlechter weg: «Lucerne-tainly Look Marvelous» ist ein metallisches Grau, das zwar in Anlehnung an Chanels Particulière-505-Grauton topmodisch ist, aber psychologisch gesehen anderes bedeutet: «Grau ist die Farbe der Verdrängung, etwas für Unentschlossene», so Späth. «Weder Weiss noch Schwarz, weder hü noch hott.» Sie finde Grau als Farbe auf den Nägeln auch heikel, weil die Farbe alles andere als Jugend symbolisiere. Ein bisschen Avantgarde, eine Farbe, die überhaupt nicht im klassischen Kontext zu Make-up und Schminken stehe und auch den Instinkt der Männer überhaupt nicht anspreche.
Besser Schwarz?
Macht sich also modisches Schwarz auf den Fingernägeln besser als lebloses Grau? «Schwarz ist immer ein Zeichen der Abgrenzung», sagt Späth. Ganze Branchen distanzieren sich mit schwarzer Kleidung von anderen. Ebenso setzen Jugendliche und Individualisten auf Schwarz. Das könne man durchaus auf die Farbe des Nagellacks übertragen und damit ausdrücken: «Ja, ich bin modisch; das bedeutet aber nicht, dass du mich haben kannst.»
So irritiert frau Männer
Von einem Farbton rät die Farbdesignerin ab: «Grün geht gar nicht. Weder auf den Fingernägeln noch auf den Haaren. Man denkt angesichts dieser Farbe immer an Vegetation. Und das ist ein ganz anderes System als das menschliche, nicht?»
Ausserdem: Wer unter einem grünen Baum sitze, wirke aschfahl. Die Wahrnehmung kompensiere das zwar meistens, aber aufpassen muss man schon, auch bei den Nägeln. Grüne Nägel sei das «Allerschrägste», sagt Späth. Aus diesem Schrägen kann frau sich übrigens auch einen Spass machen: «Wer die Männer irritieren will, läuft am besten mit langen grünen Nägeln herum.» Lange Nägel stehen als Symbol für Erotik; der grüne Lack hingegen signalisiert genau das Gegenteil.
Und will man die Umgebung vollends verwirren, trägt man ein rotes Kleid dazu. «Gehts um Erotik, funktionieren rote Kleider immer, auch ohne farbige Nägel», sagt Daniela Späth. Passen würde das Kleid auch zum 1.August. Aber vielleicht dieses Mal besser mit den roten Berner Nägeln statt dem grünen «Cuckoo for this Color». (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.07.2010, 10:30 Uhr








































































































































