Leben

  • Region
  • Schweiz
  • Ausland
  • Wirtschaft
  • Börse
  • Sport
  • Kultur
  • Panorama
  • Leben
  • Auto
  • Digital
  • Wissen
  • Forum

Renaissance der Pestwurz

Von Irène Dietschi. Aktualisiert am 20.09.2010

Von «pestilenzischem Fieber» bis zu Entzündungen aller Art: Die Pestwurz wird seit alters gegen Krankheiten eingesetzt. Bewiesen ist, dass die Heilpflanze auch bei Heuschnupfen hilft.

Die Pestwurz: Die Pflanze gilt als einziges Naturheilmittel, das nachweislich gegen Heuschnupfen wirkt.

Die Pestwurz: Die Pflanze gilt als einziges Naturheilmittel, das nachweislich gegen Heuschnupfen wirkt.
Bild: Keystone

Stichworte

Heuschnupfen bedeutet für viele Betroffene eine starke Einschränkung der Lebensqualität, manchmal bis in den Herbst hinein. Kein Wunder, dass auf dem Gesundheitsmarkt unzählige Therapien feilgeboten werden, auch im Bereich der Naturheilkunde und Komplementärmedizin. Doch in der Fülle alternativer Methoden und Produkte gibt es nur ein einziges Naturheilmittel, das nachweislich gegen Heuschnupfen wirkt: die Pestwurz (Petasites).

«Um den Nutzen einer Heuschnupfen-Therapie zu beurteilen, stehen drei Fragen im Vordergrund», erklärt der Heilpflanzen-Experte Martin Koradi aus Winterthur. Die Fragen lauten: 1. Existiert ein dokumentierter Wirkmechanismus? 2. Hält das Naturheilmittel dem Vergleich mit einer Standardbehandlung stand? 3. Wirkt es besser als ein Scheinmedikament (Placebo)? «Das einzige Medikament, das bei diesen drei Punkten überzeugt, kommt aus dem Bereich der Phytotherapie», urteilt Martin Koradi. «Es handelt sich um einen Pestwurz-Extrakt, der von der Firma Zeller in Romanshorn entwickelt wurde.»

«Unansehnliche Cousine des Huflattich»

Pestwurz ist in Mitteleuropa eine verbreitete Pflanze, die zum Beispiel auf Feuchtwiesen oder an Bachbetten wächst. Die «unansehnliche Cousine des Huflattich» gilt als klassische Heilpflanze: In alten Kräuterbüchern wird ihre Verwendung gegen «pestilenzische Fieber und Hautgeschwüre» beschrieben. Auch gegen Entzündungen aller Art oder Asthma, früher «enger Atem» genannt, wurde sie verwendet. In der modernen Heilpflanzenkunde (Phytotherapie) hat die Pestwurz ebenfalls ihren Platz: Sie ist bekannt für ihre entspannende und schmerzlindernde Wirkung, und ihre Wirkstoffe werden in pflanzlichen Beruhigungsmitteln eingesetzt.

Die Erkenntnis, dass Pestwurz auch bei Pollenallergie hilft, war eher dem Zufall zu verdanken: Ein Forscher des Pharmaunternehmens Zeller schluckte Pestwurz-Dragées zur Entspannung, dabei merkte er, dass auch seine Heuschnupfen-Symptome zurückgingen. So sei man auf den Wirkstoff Petasin gestossen, was zur Entwicklung des Pestwurz-Extraktes Ze 339 geführt habe. Das Phytotherapeutikum ist seit 2003 zugelassen und auch für Jugendliche ab 12 Jahren auf dem Markt.

Gleich gut wie Antihistaminika, besser als Placebo

An den Studien beteiligt war der Allergologe und HNO-Arzt Andreas Schwapowal aus Landquart. «Das waren umfangreiche Untersuchungen», erzählt dieser, «angefangen beim Erbgut der Pflanze über die Extraktion bis hin zum Proof of Principle.» Die Wirksamkeit des Medikamentes bestehe darin, dass bestimmte Inhaltsstoffe des Pestwurzes die Biosynthese von Leukotrienen hemmen; Leukotriene sind Botenstoffe, die bei der Entzündungsreaktion gegen Allergene eine grosse Rolle spielen.

«Wir konnten in randomisierten Doppelblindstudien beweisen, dass der Pestwurz-Extrakt im Vergleich zu zwei bekannten Antihistaminika etwa gleichwertig und einem Placebo überlegen ist», erzählt Andreas Schapowal, dessen Studie an 125 Probanden seinerzeit im renommierten British Medical Journal (BMJ) publiziert wurde. «Das Medikament ist verschreibungspflichtig, weil die Pestwurz toxische Stoffe enthält. Diese wurden bei Ze 339 aber entfernt, es ist ein sicheres Medikament.»

Schapowal beurteilt den Pestwurz-Extrakt als gute Alternative zu den gängigen Antihistaminika, aber nicht unbedingt als besseres Produkt. «Sein grosser Vorteil: Er macht nicht müde.» Der Nachteil liege im relativ hohen Preis. Aus der Vision, den Pestwurz-Extrakt in weiteren klinischen Studien zu verbessern, um dadurch günstigere Medikamente zu entwickeln, wurde bislang nichts. Andreas Schapowal: «Leider liegt es nicht im Interesse grosser Pharmafirmen, solche Studien im grossen Stil zu finanzieren, selbst wenn es pionierhafte Forschungsarbeiten in die besten Journals wie das BMJ geschafft haben.» (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.09.2010, 08:10 Uhr

Leben

Populär auf Facebook Privatsphäre

Umfrage

Waren Sie schon mal in einem Pfingstlager?





Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Grandioses Berg-Erleben.

Weltberühmte Berge und 100 Jahre Jungfraubahn: Sommerurlaub vor der schönsten Kulisse der Welt!

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!