Die Mutter der Allergien
Jetzt ausreissen!
Ambrosia kann im Garten, am Strassenrand oder auf Feld und Flur wachsen. Um die Pflanze in die Schranken zu weisen, rufen Fachleute der Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil dazu auf, diese gebietsfremde Pflanze auszureissen. Ambrosia unterscheidet sich von ähnlichen Pflanzenarten dadurch, dass sie nur grüne Pflanzenteile besitzt. Eine Pflanze mit farbigen Blütenblättern ist definitiv keine Ambrosia. Rotverfärbungen der Stängel können von der Kälte im Mai/Juni herrühren. Die Blütenansätze sitzen an den Stängelspitzen und sehen aus wie kleine, weisslich behaarte Kerzen. Der Ambrosia-Pollen ist gelb. Beim Ausreissen wird empfohlen, zum Schutz der Hände Handschuhe zu tragen. Solange die Pollenbildung noch nicht eingesetzt hat, kann auf eine Atemschutz-Maske verzichtet werden.
Stichworte
Manche Forscher vermuten, dass hinter der Zunahme von Allergien gegen Pollen in der Luft Ambrosia stecken könnte. Die Pflanze wurde in den letzten Jahrzehnten nach Zentraleuropa eingeschleppt und hat sich seitdem verbreitet. In der Schweiz wurde sie vor zehn Jahren das erste Mal nachgewiesen. Seitdem hat sie sich vom Tessin und der Region Genf her ausgebreitet. An mehr als 1200 Stellen konnten Biologen sie 2006 finden.
10 Pollen pro Kubikmeter genügen
Ambrosia blüht in der zweiten Sommerhälfte, in der die Pollenkonzentration am höchsten ist. Die Pflanze sorgt aber auch zu anderen Jahreszeiten für allergische Reaktion, denn der Pollen von Ambrosia kann sehr leicht eine Allergie auslösen. Nur schon 10 Ambrosiapollen pro Kubikmeter Luft können eine starke Belastung sein und bei Allergikern zu schweren Heuschnupfensymptomen oder gar zu Asthma führen. Allergische Reaktionen treten bei den betroffenen Personen nur während der Blütezeit der Ambrosia auf, die von Mitte Juli bis Anfang Oktober dauern kann. Ambrosia verlängert damit die Allergiesaison um mehrere Wochen. Es bestehen Kreuzreaktionen zwischen Ambrosia und anderen Korbblütlern wie zum Beispiel Beifusspollen; aber auch mit Gräserpollen, Melonen und Bananen sind Kreuzreaktionen möglich.
In ganz Europa haben die Allergien auf Ambrosiapollen in Gebieten mit hohen Pollenwerten in den letzten 15 Jahren deutlich zugenommen. Die Sensibilisierungsrate ist in der Schweiz noch vergleichsweise niedrig. Der Grund liegt in der geringeren Pollenmenge: Eine Untersuchung von 787 Allergikern in Basel ergab 2006 eine Ambrosia-Sensibilisierungsrate von 8 Prozent. Wenn die Pollenmengen in der Schweiz zunehmen, ist davon auszugehen, dass immer mehr Menschen gegen Ambrosia allergisch werden. Die Folge: Die Zahl der von Heuschnupfen Betroffenen steigt an.
Steigende Sensibilisierung
In anderen Ländern hat sich die Lage bereits deutlich verschärft. In Ungarn sind 60 bis 90 Prozent der Allergiker gegen Ambrosia allergisch, in Lyon sind es 14 Prozent der Bevölkerung. In der Nähe von Mailand leiden 13 bis 18 Prozent der Bevölkerung unter einer Ambrosiaallergie. In Wien haben Wissenschafter beobachtet, dass die Zunahme der Allergien parallel mit der Zunahme der Pollenmenge verläuft. Eine wissenschaftliche Untersuchung, die sich mit dem Zusammenhang von Ambrosia und Allergien beschäftigt hat, wurde in Südwestdeutschland durchgeführt. Zwischen 2004 und 2007 wurden in Baden-Württemberg 1323 Schulkinder auf eine bestehende Sensibilisierung gegen häufige Allergene in der Luft, wie zum Beispiel Ambrosia-Pollen, untersucht. Dabei testeten die Wissenschafter, ob die Kinder die Antikörper gegen die Pollen im Blut hatten. Zwischen 10 und 20 Prozent der Kinder waren gegen Ambrosia empfindlich. Experten befürchten nun, dass eine stärkere Ausbreitung von Ambrosia somit hohe Kosten im Gesundheitswesen nach sich ziehen würde.
Verbreitung soll eingeschränkt werden
Aufgrund der Erfahrungen mit Ambrosia-Allergien in Nordamerika sollten Pflanzen im näheren Wohnumfeld von Allergikern entfernt und vorbeugend die weitere Verbreitung dieser Pflanze eingeschränkt werden. Dazu dienen verschiedene Massnahmen, die in den letzten Jahren ergriffen wurden: Im Vogelfutter dürfen Ambrosia-Samen einen bestimmten Grenzwert nicht mehr überschreiten. Und wild wachsende Pflanzen müssen entfernt werden. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 28.07.2010, 16:23 Uhr
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