Backe, backe Kuchen – nichts für Allergiker
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Sandro möchte gerne Bäcker werden. Das Hantieren mit Mehl und Hefe, das Formen der Brote und Brötchen und die wohlriechenden Düfte, welche die Backstube in den frühen Morgenstunden durchziehen – all dies lässt das Herz des 16-Jährigen höher schlagen. Eine Schnupperlehre, die er im vergangenen November in der Bäckerei seines Wohnorts absolvieren konnte, bestärkte ihn in seinem Berufswunsch, und das Grösste dabei: Kurz darauf bekam er von eben diesem Betrieb den Zuschlag für die Lehrstelle.
Doch als Sandro im Frühling beim Hausarzt wie jedes Jahr das Rezept für seine Heuschnupfen-Medikamente holte und bei dieser Gelegenheit von seinen Berufsplänen erzählte, runzelte der Doktor die Stirn: Das sei keine so gute Idee. Aus medizinischer Sicht müsse er Sandro sogar dringend davon abraten, den Bäckerberuf oder einen verwandten Beruf wie Konditor oder Müller zu erlernen. Denn beim Arbeiten mit den Mehlen, so der Arzt, könnten seine Heuschnupfensymptome schlimmer werden. «Der Grund liegt darin, dass es zu Kreuzreaktionen zwischen Mehl und den Pollen aus Gräsern und Getreide kommen kann», erklärte der Doktor. Anders gesagt: Nicht nur die Pollen in der freien Natur, sondern auch die Umgebung der Backstube könnte bei Sandro Symptome auslösen.
Allergene auf Schritt und Tritt
Im Berufsleben kommen Menschen mit sehr vielen Allergenen in Kontakt, zum Beispiel: Mehlstaub, Hefe, Konservierungsmittel, Farbstoffe (Bäcker); Betonhärtemittel, Metalle und Salze, Zement, Farben, Kleber (Baugewerbe); Haarfarben, Bleich- und Blondiermittel, Festiger, Gummi (Coiffeuse); Öle, Schmierstoffe, Benzinzusätze, Rostschutzmittel (Metallgewerbe); Reinigungs- und Desinfektionsmittel, Lokalanästetika, Antibiotika, Latex (Pflegeberufe); Holzstäube, Kleber, Lacke, Lösemittel (Holzverarbeitung). Die Liste liesse sich beliebig fortsetzen. Jugendlichen mit einer Atopie – der Veranlagung, allergische Erkrankungen zu entwickeln – wird deshalb geraten, sich bei der Berufswahl ausführlich und kompetent über allfällige Allergierisiken beraten zu lassen. Einer Berufsanwärterin mit Neurodermitis wird der Allergologe empfehlen, von einer Lehre als Coiffeuse abzusehen. Auch der Maurerberuf verträgt sich nicht mit Neurodermitis. Der Grund: Das atopische Ekzem kann sich zu beruflich bedingten Hautkrankheiten oder Berufsasthma steigern. Ein Berufswechsel ist in solchen Fällen zwingend.
Auch Tiere pflegen fällt aus
Auch wer an Heuschnupfen leidet, sollte ganz bestimmte Berufe meiden. Ausser dem Bäckerberuf bergen folgende Tätigkeiten bzw. Berufe ein grosses Allergierisiko:
- Arbeiten mit Tieren: Tierarzt, Tierarztgehilfin, Tierpfleger
- Arbeiten mit Blumen: Floristin, Gärtnerin, Blumenbinderin
- Arbeiten mit Tieren, Gräsern und Getreide: Landwirt
- Staub- und reizstoffexponierte Arbeiten: Schreiner, Maler, Lackierer
- Arbeiten mit Pflanzen und Gemüse: Koch
Zum Glück gibt es genügend andere Berufsgattungen, die sich bestens mit Heuschnupfen und anderen Allergien vertragen: der Dienstleistungssektor und Handel, die IT- und Elektronikbranche, Verwaltung, Lehrerberufe und viele mehr. Auch Sandro entschied sich, auf Anraten seines Hausarzt den Traumberuf Bäcker fallenzulassen und noch einmal zum Berufsberater zu gehen. Vor kurzem hat er mit fast ebenso grosser Begeistung eine Lehre bei der Post begonnen. Früh aufstehen muss er auch hier. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.09.2010, 14:28 Uhr
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