Von Bierleichen und kühlen Blonden

Bier rinnt nicht nur durch trockene Kehlen, auch unsere Umgangssprache trieft davon. Zum Tag des Schweizer Bieres ein Streifzug durch bierselige Redensarten.

Prost: Treffen sich zwei «auf ein Bier», bleibt es meistens nicht bei einem Glas...

Prost: Treffen sich zwei «auf ein Bier», bleibt es meistens nicht bei einem Glas... Bild: Fotolia

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mit dem Bierdurst ist es wirklich so eine Sache. In der Schweiz ist für die gut sechshundert heimischen Brauereien seit 1990 praktisch jedes Jahr etwas mehr Hopfen und Malz verloren gegangen. Denn die Lust aufs Bier geht seither leicht, aber nahezu konstant zurück. Rund 56 Liter betrug in den letzten Jahren der Pro-Kopf-Bierkonsum. Bis Anfang der 90er-Jahre lag er noch bei 70 Litern, nicht zuletzt, weil die grossen Brauereien Verträge mit Baufirmen besassen, um in der Znünipause die Baustellen zu versorgen.

Vorgewölbter Bauch

Leider kann man aber nicht behaupten, die Zahl der Bierbäuche hierzulande sei entsprechend zurückgegangen. Im Gegenteil. Rund die Hälfte der Schweizer gilt als über­gewichtig, ein Viertel sogar als fettleibig – mit buchstäblich zunehmender Tendenz. Männer sind dabei häufiger dickleibig als Frauen und entwickeln auch öfter einen typischen, also stark vorgewölbten, Schmerbauch. Wobei: Ein Bierbauch – oft auch als Brauereigeschwür bezeichnet – ist dies nicht immer. Dem Körper ist es gleichgültig, ob ihm zu viele Kalorien in flüssiger oder anderer Form zugeführt werden.

Doch Bier trägt zweifellos zum Dickenwachstum des Menschen bei, wie Schnaps und Wein auch. Der reine Alkohol liefert nicht nur selbst Nahrungskalorien, nämlich etwa sieben Kilokalorien pro Gramm. Schlimmer wiegt, dass er zusätzlich die Fettsäureoxidation (Fettverbrennung) in der Leber und in den Körperfettzellen hemmt, und zwar um etwa ein Viertel. Dadurch bilden Fettpolster sich eher. Ausserdem regt Alkohol den Appetit an und macht besonders Lust auf Deftiges. Das führt dem Körper zusätzliche Kalorien zu.

Der sogenannte Bierbauch entsteht also vermutlich nicht so sehr durch den Alkohol im Bier, sondern durch einen veränderten Fettstoffwechsel und das unheilvolle Zusammentreffen von Bierdurst und Zusatzappetit.

Möglicherweise regt auch noch die sprichwörtliche Bierlaune, also das gesellige Zechen, den Appetit an. Die Bierlaune, von Feinsinnigen gerne Bierseligkeit genannt, ist die Folge davon, dass Alkohol generell enthemmt – man ist lustiger, waghalsiger und trinkt und isst über Durst beziehungsweise Hunger hinaus.

Übel riechende Untote

Wer es dabei zu bunt treibt, wird im Laufe des Abends zur Bierleiche – woran man nicht etwa stirbt, jedenfalls nicht sofort, denn die lebensverkürzenden Folgen des Alkohols für das Herz-Kreislauf-System und die Leber zeigen sich erst mit der Zeit. Bierleichen werden vielmehr entweder von wohlmeinenden Freunden (sofern selbst noch fahrtauglich) nach Hause kutschiert oder von Taxifahrern ganz nüchtern entsorgt. Manche der übel riechenden Untoten wachen allerdings neben ähnlich komatösen Schnapsleichen in Ausnüchterungszellen der Polizei wieder auf – in der Regel zusammen mit einem sehr übellaunigen Tierchen, das man Kater nennt.

Der Biereifer wiederum ist keine Bierlaune, sondern ein sehr beflissenes Herangehen an eine Aufgabe, das dem Ingrimm ähnelt, mit dem beispielsweise künftige Bierleichen sich dem Trinken widmen. So wie Letztere sich Glas um Glas hinter die Binde kippen, verschreiben die Biereifrigen sich ihrem Job oder Hobby.

Düster entschlossene Trinker

Manche Freunde der Gerstenkaltschale (auch dies ein Tarnname des Bieres) verrichten ihr meist einsames Gelage mit grossem Bierernst – sie sind keineswegs lustige Zecher, sondern düster entschlossene Trinker, die ihren Missmut oder Kummer im Alkohol ertränken wollen und sich dabei nach und nach um den verbliebenen Verstand saufen. Denn Alkohol schädigt nachweislich das Hirn.

Sagt ein Zecher in feuchtfröhlicher Runde: «Das ist nicht mein Bier!», meint er damit nicht, dass seine Lieblingssorte eine andere sei, sondern dass er sich für den besprochenen Sachverhalt nicht interessiert oder für etwas nicht verantwortlich fühlt. Biertrinker, die in einer Kneipe partout «ihr Bier» nicht erhalten, wechseln fast nie die Sorte, sondern schnell die Schenke.

Eine männliche Lebenslüge

Zu den Lebenslügen von Männern – seltener auch von Frauen – gehört die Aussage, man möge sich doch demnächst mal «auf ein Bier» treffen. Das klingt bloss zivilisierter als ein Spruch, mit dem Mann der Wahrheit näher käme: «Lass uns mal wieder ruck, zuck vier, fünf Stangen vernichten.» Es liegt vielen Männern offenbar eher, grössere Bierportionen hinunterzustürzen, als anderthalb Stunden lang an zwei oder drei Gläsern Wein zu nippen.

Aber natürlich sind das nur üble Klischees! Genauso wie der aus Sicht von Mannsbildern ketzerische Satz, die Herren liebten ein kühles Blondes im Glas schon deshalb so sehr, weil sie sich vor einer kühlen Blonden uneingestanden schrecklich fürchteten. Vor zwei kühlen Blonden übrigens noch mehr.

Hält man den Männern das vor, können sie mächtig sauer werden – ihr pH-Wert sinkt dann ungefähr so wie der von Sauerbier. Dieses versuchte man in früheren Jahrhunderten immer dann, wenn beim Brauen etwas schiefgegangen war, lauthals wie ein Marktschreier anzupreisen, damit das nur schwer geniessbare Gesöff vielleicht doch noch einen Abnehmer fand. Trank ein Unglücklicher dann tat­sächlich davon, machte er ein Gesicht wie... eben: wie saures Bier! (Berner Zeitung)

Erstellt: 28.04.2016, 13:00 Uhr

Irrtümer rund ums Bier

Trotz jahrhundertelanger Tradition hält sich bis heute eine ganze Reihe von Irrtümern über das beliebte Getränk. Nachfolgend einige Beispiele.

Alkoholfreies Bier enthält keinen Alkohol. Nur wenn «0,0» draufsteht, ist auch wirklich 0,0 drin. Obschon sie «alkoholfrei» heissen, enthalten viele Biere meist noch eine geringe Menge Alkohol. Gemäss der Schweizer Deklarationspflicht darf sich ein Bier immer dann «alkoholfrei» nennen, wenn es nicht mehr als 0,5 Prozent Alkohol enthält. Das ist allerdings ein Wert, den auch Fruchtsäfte schon einmal im Zuge der natürlichen Gärung er­reichen können. Komplett alkoholfreie Biere mit 0,0 Prozent Alkoholgehalt sind erst in den letzten Jahren auf den Markt gekommen.

Ein gutes Bier braucht sieben Minuten. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich hervorragend streiten. Experten sind aber der Ansicht: Ein frisches Bier kann und sollte in maximal zwei bis drei Minuten gezapft werden. Begründen können die Fach­leute das natürlich auch: Durch zu langes Zapfen verliert Bier viel Kohlensäure und wird schneller warm und schal.

Bier auf Wein, das lass sein! Wein auf Bier, das rat ich dir! Man muss kein Mediziner sein, um zu wissen, dass es dem Kater am nächsten Morgen herzlich egal ist, in welcher Reihenfolge man das Bier und den Wein getrunken hat – Durcheinandertrinken ist immer schlecht. Nur die Menge machts, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Wer das nicht glauben will, kann es ja einfach einmal in einem furchtlosen Selbstversuch ausprobieren.

Dunkles Bier ist stärker als helles Bier: Diesen Eindruck mag zwar so manch einer nach dem Genuss mehrerer dunkler Biere gewinnen, aber dieser Eindruck täuscht. Richtig ist vielmehr, dass es keinen grundsätzlichen Zusammenhang von Farbe und Alkoholgehalt des Bieres gibt. Die dunklere Farbe kommt lediglich zustande, weil beim Bierbrauen andere Malzarten, etwa Dunkel- oder Röstmalze, verwendet werden. Diese verleihen dem Bier zwar eine intensivere Färbung und einen anderen Geschmack, verändern aber den Alkohol­gehalt nicht automatisch.

Bier ist unbegrenzt haltbar: Das könnte man vielleicht meinen, denn schliesslich enthält Bier ja konservierenden Alkohol. Allerdings ist diese Menge bei einem normalen Bier viel zu gering, als dass sie die Alterung auf Dauer wirkungsvoll aufhalten könnte. Der britische Hobby­taucher Jim Phillips wollte das nicht glauben und öffnete eine der sieben Flaschen Bier, die er 1999 beim Tauchen vor der wa­lisischen Küste in einem alten Schiffswrack aus dem Jahre 1894 fand. «Es hat schal und säuerlich geschmeckt», kommentierte Phillips damals das Geschmackserlebnis. Christian Satorius

Tag des Bieres

Am Tag des Schweizer Bieres, der am Freitag begangen wird, zelebriert der Schweizer Brauerei-Verband das historische Handwerk der Braukunst, die Biervielfalt und den offiziellen Start in die Biersaison 2016. Zahlreiche Brauereien warten mit Attraktionen und Aktivitäten auf. Im Kanton Bern etwa offeriert die Berner Brauerei Felsenau an der BEA in Bern (Halle 4.1, Stand B010) ab 16 Uhr eine Stunde lang «feinstes Hauptstadtbier» als Freibier. Und die Brauerei Rugenbräu in Interlaken lanciert ihr neues Sommerbier mit dem dazugehörigen Song, den man via www.rugenbraeu.ch downloaden kann. Infos zu allen Ak­tivitäten während des Tags des Schweizer Bieres sind unter tdsb.bier.ch abrufbar. pd/wü

Artikel zum Thema

Der Kanton Bern ist die Schweizer Bier-Hochburg

Bern Der Boom hält an. Im Kanton Bern sind über 100 Brauereien gemeldet, so viel wie in keinem anderen Kanton. Die Vielfalt lebt – doch den Löwenanteil brauen ein paar wenige Grosse. Mehr...

Warum Bier manchmal besser ist

Bern Am 17. April erscheint die vierte Folge unserer Serie «BEsonders». Darin nimmt uns der Barkeeper Adrian Franz mit in sein Nachtleben. Mehr...

Bier statt Puppen

In der Berner Marktgasse hat Roland Graber kürzlich einen auf «Craft Beer» spezialisierten Laden eröffnet. Rund 200 Sorten bietet er in seinem Gewölbekeller an. Mehr...

Kommentare

Blogs

Sportblog Dreimal runter, Hose runter

Foodblog Dressed for success

Service

Mitdiskutieren, teilen, gewinnen.

News für Ihre Timeline.

Die Welt in Bildern

Wellenreiter: Jonathan Gonzalez, Mitglied des spanischen Surf-Teams, übt seine Künste im Wave Garden, einem grossen Pool, der Wellen künstlich erzeugt (25. Mai 2017).
(Bild: Vincent West) Mehr...