Leben

Wo Männlichkeit noch etwas zählt

In Ländern mit tiefer Lebenserwartung bevorzugen Frauen maskuline Männer.

Noch ein echter Mann: Sean Connery mit behaarter Brust.

Noch ein echter Mann: Sean Connery mit behaarter Brust.

Wieso stehen gewisse Frauen auf Softies und andere auf Machos? Niemand weiss es genau. Eine mögliche Antwort liefert nun eine aktuelle Studie, verfasst von einem Forscherteam der schottischen Universität Aberdeen. Die Psychologen haben herausgefunden, dass der durchschnittliche Gesundheitszustand der Bevölkerung eines Landes Einfluss auf die Partnerwahl hat. In Länder, wo die Lebenserwartung tief ist und ansteckende Krankheiten verbreitet sind, bevorzugen die Frauen Männer mit maskulinen Zügen. Das sind laut Studie ein breiter Kiefer und tief sitzende Augenbrauen. In Ländern aber, wo man damit rechnen kann, dass man bis ins hohe Alter gesund bleibt, suchen sich Frauen offenbar eher einen «feminineren» Mann.

Zuverlässigere Ernährer

Für die Studie haben die Forscher rund 5000 Frauen zwischen 14 und 40 Jahren aus 30 überwiegend westlichen Nationen befragt; Frauen aus Ländern wie Brasilien, Deutschland, Russland, Kanada oder Schweden. Diese Frauen erhielten gleichzeitig jeweils zwei Fotos vom gleichen Mann. Auf dem einen Bild wurde das Gesicht «verweiblicht», auf dem anderen wurde es männlicher gemacht. Dazu benutzten die Forscher Grafikprogramme.

Die Frauen mussten dann sagen, welchen Mann sie bevorzugen. Die Ergebnisse der Bewertungen verglich das Forscherteam schliesslich mit Daten der Weltgesundheitsorganisation WHO. Es stellte fest: Je niedriger der Gesundheitsindex einer Nation ist, desto höher ist die Präferenz für maskuline Männer. Mexikanerinnen zum Beispiel bevorzugten zu 54 Prozent das maskulinere Gesicht. Die Schwedinnen nur zu 32 Prozent.

Unehrlich und unkooperativ

Wieso in weniger entwickelten Staaten männliche Attribute besser ankommen, erklären sich die Forscher folgendermassen: Frauen verbinden maskuline Gesichtszüge mit genetischer Gesundheit. Je besser das Genmaterial, desto grösser ist die Chance, dass der Nachwuchs überlebt. Das sei vor allem in ärmeren Ländern wichtig, sagte die Forschungsleiterin Lisa DeBruine gegenüber der britischen Zeitung «The Guardian». «Der Nachteil dieser Männer ist aber, dass sie als unehrlich und unkooperativ gelten.» Maskuline Männer seien eher an kurzfristigen Beziehungen interessiert. Dies sei auch der Grund, wieso Frauen in entwickelteren Staaten eher auf weiblichere Typen stehen, obwohl diese vielleicht nicht das beste Erbmaterial in sich tragen. «Sie sind die besseren Ernährer», sagt DeBruine. (ber) (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.03.2010, 14:39 Uhr

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