Warten auf das Weltall
Von Stephan Kälin. Aktualisiert am 08.02.2012 9 Kommentare
Virgin Galactic
Die Virgin Galactic, LLC ist ein Raumfahrt-Unternehmen der Virgin Group. Geschäftsführer ist der britische Unternehmer, Ballonfahrer und Milliardär Sir Richard Branson, Gründer der Virgin Group. Er will für den Bau des Passagierflugzeugs in den nächsten Jahren 110 Millionen US-Dollar investieren. Das Design des Flugzeugs wurde im Januar 2008 erstmals vorgestellt.
Die verwendete Tier One genannte Technologie besteht aus dem Trägerflugzeug White Knight Two, welches das Space Ship Two bis auf eine Höhe von 16 km befördert. In dieser Höhe wird dieses abgekoppelt und beschleunigt mit seinem Raketenmotor und dringt schliesslich bis zur Kármán-Linie (100 km) vor. Die Zeitspanne zwischen dem Start des White Knight bis zur Landung des Spaceship dauert circa 3½ Stunden. Die Schwerelosigkeit dauert etwa sechs Minuten. Die Kosten für einen Flug für einen Weltraumtouristen liegen bei 200'000 Dollar bei einer Anzahlung von 20'000 Dollar. Das Flugzeug ist für sechs Passagiere mit zwei Piloten ausgelegt.
Zusätzlich zu den Passagierflügen will Virgin Galactic das Space Ship Two für wissenschaftliche Missionen und White Knight Two für Kleinsatellitenstarts vermarkten.Will Whitehorn, Präsident von Virgin Galactic, gab 2009 bekannt, dass die Firma keinen definierten Zeitplan für den Beginn der ersten kommerziellen Flüge besitze, diese jedoch in den nächsten zwei Jahren stattfinden sollen. Im September 2011 hoffte Richard Branson, dass der erste Flug innerhalb von 12 Monaten stattfinden könne. Die Flüge sollen vom Spaceport America bei Upham im Bundesstaat New Mexico starten. (lop)
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Der 51-Jährige aus Egg im Kanton Zürich wird einer der ersten Weltraumtouristen sein. Für 200'000 Dollar hat er sich vor dreieinhalb Jahren einen Sitzplatz in einem Weltraumflug von Virgin Galactic gesichert (siehe Kasten).
Das Projekt der Firma, die zum Virgin-Imperium des britischen Milliardärs Richard Branson gehört, hinkt dem Zeitplan aber hinterher. Wirklich erstaunt darüber ist Franz Kaiser nicht: «Ich habe von Anfang an damit gerechnet, dass es zu Verzögerungen kommt. Dem Projekt liegen derart viele neue Technologien zugrunde.»
Im Orbit statt im Eigenheim
Alle drei bis vier Wochen erhält Kaiser per E-Mail ein Update von Virgin Galactic. «Das Trägerflugzeug, das den Spaceshuttle bis auf eine Höhe von 16'000 Metern bringt, ist komplett fertig», weiss er. Der Shuttle könne sich zudem ausklinken, auf die Erde zurückgleiten und landen – «und das ist schliesslich das Wichtigste.» Was aber fehlt, sind die Tests des Raketenantriebs, der den Raumgleiter nach dem Ausklinken innert 90 Sekunden auf 110'000 Meter Höhe schiessen soll. Dort werden die Passagiere fünf Minuten in der Schwerelosigkeit verbringen, bevor sie von der Erde wieder in die Atmosphäre zurückgezogen werden. «Wenn alles klappt, starten die Touristenflüge diesen Sommer», sagt Kaiser.
Sein konkretes Abflugdatum weiss er nicht. Die Rechnung ist aber einfach: Die Spaceshuttles fliegen einmal pro Woche sechs Passagiere ins All. Kaiser hat ein Ticket für den Flug Nummer 54, wird also gut ein Jahr nach dem ersten Touristenflug seinen persönlichen Traum erfüllen. Ein Traum, für den nicht nur er, sondern auch seine Frau Opfer bringen. Trotz dem guten Job bei einer Firma für Internetsicherheit schüttelt Kaiser das Geld für das Ticket nicht einfach aus dem Ärmel. Die Prioritäten sind aber gesetzt: Auf das Eigenheim wird vorerst verzichtet. Dass seine Frau dafür Verständnis hat, bedeutet Franz Kaiser viel. Er ist sich sicher, dass der Flug ins Weltall für ihn zu einem unglaublichen Erlebnis wird, das er nie vergessen wird.
Besiedlung der Mondes erleben
Seit er als erster Weltraumtourist der Schweiz bekannt ist, hat Franz Kaiser mehrmals den Schweizer Astronauten Claude Nicollier getroffen. «Er hat mir gesagt, wenn man einmal von dort oben auf die Erde und ihre dünne Luftschicht hinuntergesehen habe, schätze man sie umso mehr», sagt Kaiser.
Mit dieser Geschichte reagiert Kaiser auch auf die Kritik, die Naturschützer regelmässig am Weltraum-Projekt von Richard Branson äussern. Die Diskussion um die Umweltverträglichkeit hält er für zentral. «Nur dadurch werden Fortschritte im Hinblick auf schadstoffärmeres Fliegen erzielt.»Was für ihn zwar ein Vergnügungsflug ist, sieht Kaiser in einem grösseren Zusammenhang. «Man kann sich dem Fortschritt nicht verschliessen und auf der Erde bleiben», sagt er. Der erste Weltraumtourist der Schweiz ist überzeugt, dass er die Besiedlung des Mondes noch erleben wird. «Der Expansionsgedanke liegt der Menschheit zugrunde. Vor einigen Hundert Jahren war das Meer die Grenze, heute ist es das All.» In eineinhalb Jahren sieht er sich diese Grenze aus der Nähe an. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 06.02.2012, 19:19 Uhr
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