So können Eltern ihre Kinder vor sexuellen Übergriffen schützen
Von Juliane Lutz. Aktualisiert am 19.04.2010 2 Kommentare
Artikel zum Thema
Andrea Weik, Juristin, leitet seit 2009 das Kantonale Jugendamt.
Hilfe für Eltern
Gespräche und Broschüren zum Thema bietet die Mütter- und Väterberatung Bern-Mittelland an: www. mvb-be.ch.
www.elternnet.ch: für Eltern, die mehr über die Onlinetummelplätze ihrer Kinder erfahren wollen.
www.skppsc.ch: Infos über Gefahren in Chatrooms der Initiative «Click it für Eltern» der Schweizerischen Kriminalprävention. jl
Frau Weik, die Medien berichten fast täglich über Missbrauchsfälle. Das ängstigt Eltern, doch wie können sie ihre Kinder schützen?
Andrea Weik: Studien zeigen, dass selbstbewusste Kinder, die gelernt haben, Nein zu sagen, am besten vor Übergriffen geschützt sind.
Es gibt auch schüchterne Mädchen und Buben.
Kinder, die in einem liebevollen Umfeld aufwachsen und vertrauen lernen, sind meist auch selbstbewusst. Auf diese Weise kann man das Selbstbewusstsein eines Kindes durchaus fördern.
Aber wie bringt man ihm am besten bei, dass es da draussen nicht nur gute Leute gibt, ohne dass es gleich völlig das Vertrauen in die Menschen verliert?
Indem man ihm sagt, dass es sich nicht alles gefallen lassen müsse. Dass es keine Geheimnisse mit sich herumtragen müsse, sondern damit jederzeit zu den Eltern kommen dürfe. Wichtig ist auch, dass man es altersgerecht über Sexualität aufklärt. Wenn zu Hause ohne Scham und Tabus darüber geredet wird, können auch mögliche Grenzen und Gefahren aufgezeigt werden.
Und ab welchem Alter fängt man damit an?
Das hängt natürlich von der Entwicklung des Kindes ab, aber es sollte durchaus früh sein. Ich würde sagen, ab drei, vier Jahren. Daneben ist es aber auch sehr wichtig, dass Eltern ihr eigenes Umfeld genau kennen.
Was meinen Sie damit?
Nach Einschätzung von Fachleuten kommen drei Viertel aller Sexualtäter aus der näheren Umgebung des Kindes. Es sind Onkel, Cousins oder Freunde der Eltern. Je besser ich als Mutter und Vater über die einzelnen Personen in meiner näheren Umgebung Bescheid weiss, umso besser ist es auch für mein Kind.
Bei Lehrern glaubte man Kinder immer sicher, doch die Horrormeldungen der letzen Zeit aus Deutschland und vereinzelt auch aus der Schweiz lassen daran zweifeln.
Ich habe grosses Vertrauen in die Schweizer Schulen. Vor einer Einstellung werden die Kandidaten eingehend geprüft. Lehrer, deren pädophile Neigung bekannt ist, kommen im Kanton Bern auf eine schwarze Liste und finden nie mehr eine Anstellung, in der sie mit Kindern zu tun haben. Mir kam in der letzten Zeit kein einziger derartiger Fall zu Ohren.
Wie heisst «in letzter Zeit»?
In den letzten fünf Jahren. Wo Lehrer eher wachsam sein sollten: bei sexuellen Übergriffen unter Oberstufenschülern. Das ist ein grösseres Problem.
Auch Teenager werden Opfer. Wie sensibilisiert man Heranwachsende am besten für das Thema?
Auch hier gilt: Selbstbewusste Jugendliche sind besser geschützt. Eltern sollten auch Teenagern immer wieder vermitteln, dass sie sich wehren dürfen gegen Anmache und dass sie sich Hilfe holen sollen, wenn sie bedrängt werden. Und dass sie sich Vater und Mutter stets anvertrauen können.
Die 1980er-Jahre waren schon eine recht offene Zeit, und dennoch haben Opfer, die damals in Schulen missbraucht wurden, niemandem etwas erzählt. Auch den Eltern nicht. Und brechen erst jetzt das Schweigen.
Ich habe den Eindruck, dass sexueller Missbrauch noch bis Mitte der 90er-Jahre ein Tabu war, über das der Mantel des Schweigens gehängt wurde. Erst seit dieser Zeit, in der Schweiz namentlich mit dem 1992 durch den Bundesrat erstellten Bericht über Kindesmisshandlung und -missbrauch, ist vieles aufgebrochen, und man redet eher darüber. Und katholische Schulen scheinen mir wegen des möglicherweise schwierigen Umgangs mit dem Thema Sexualität nochmals ein Spezialfall zu sein.
Zurück zu den Teenagern: Wenn Verliebtheit im Spiel ist, lässt sich ein Mädchen heute von dem Jungen, den es toll findet, nicht nur eher ins Bett drängen, sondern vielleicht auch filmen. Aus Angst, dass es ihn sonst verliert.
Es ist nicht einfach, mit Heranwachsenden über dieses Thema zu sprechen, weil sie sich ja von den Eltern abnabeln und eigene Wege gehen wollen. Aber man sollte es zumindest versuchen und über ihr Umfeld Bescheid wissen.
In welchen Chatrooms sie unterwegs sind?
Ja, auch, mit wem sie befreundet sind oder wie sie sich auf ihren Profilen in den verschiedenen sozialen Netzwerken präsentieren. Manche Mädchen zeigen sich da recht freizügig.
Überprüfen denn Eltern all diese Onlinetummelplätze ihrer Kinder? Das ist mühsam.
Ich kann mir vorstellen, dass viele Eltern mit all diesen neuen Möglichkeiten überfordert sind. Aber dann können sie sich Hilfe suchen. Es gibt Leitfäden zum Thema, zum Beispiel auf unserer Website. Aber letztlich: Den absoluten Schutz gibt es nicht. Täter sind leider sehr raffiniert und wissen, wie sie ihre jungen Opfer locken und missbrauchen können.
(Berner Zeitung)
Erstellt: 19.04.2010, 10:10 Uhr
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2 Kommentare
ja, vom kantonalen jugendamt kommen primär leere worte, phrasen. relativieren, abstrahieren und verwässern kann das kantonale jugendamt gut, aber durch effizientes handeln hat das kantonale jugendamt noch nicht von sich reden gemacht. für mich bleibt das kantonale jugendamt eine bittere enttäuschung, meiner meinung nach, arbeiten dort zuviele gleichgültige menschen, die nicht ehrlich sein können Antworten
das kantonale jugendamt spricht und versteht nur seine juristische amtssprache, aber nicht die sprache des volkes, diese spache haben sie verlernt..! die beamten haben die auffallende ( beamten-) mentalität und sind weitgehend therapie-resistent und selbstherrlich. mir antworten sie sinngemäss jeweils etwa, ich hätte zwar in der sache recht , solle aber trotzdem schweigen, das leben sei ungerecht. Antworten
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