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Hitlers Vorkosterin

Von René Staubli. Aktualisiert am 04.04.2013 6 Kommentare

Die Berlinerin Margot Wölk spricht mit 95 erstmals über ihren aussergewöhnlichen Einsatz im Zweiten Weltkrieg.

Musste beim Führer Küchendienst leisten: Mit 95 Jahren spricht Margot Wölk erstmals über ihre Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg.

Musste beim Führer Küchendienst leisten: Mit 95 Jahren spricht Margot Wölk erstmals über ihre Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg.
Bild: Jan Zappner

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Als sie ihren 85. Geburtstag feierte, bekam Margot Wölk Besuch von einem Lokaljournalisten. 85 Jahre in derselben Berliner Wohnung – das war ein Thema. Sie sprach mit dem Reporter über Gott und die Welt, nur nicht über das, was sie von Mitte 1943 bis zum Herbst 1944 durchlitten hatte.

Als sie 95 wurde, stand wieder ein Reporter auf der Schwelle: Noch immer in derselben Wohnung! Nun, nach 70 Jahren, brach es aus ihr heraus. Eigentlich wollte sie dem Reporter «nur sagen, dass Hitler ein widerlicher Kerl war, ein Schwein». Doch was sie dann erzählte, geht in diesen Tagen um die Welt.

Küchendienst beim Führer

Ihr Mann Kurt kämpfte an der Front, als das Miethaus, in dem sie lebte, Anfang 1943 von einer Bombe schwer beschädigt wurde. Sie floh zu ihren Schwiegereltern aufs Land nach Gross Partsch im damaligen Ostpreussen. Ganz in der Nähe dirigierte Hitler seine Bataillone aus einer Bunkeranlage heraus, der «Wolfsschanze».

Kurz nach ihrer Ankunft tauchten SS-Männer auf, um sie abzuholen. Es herrschte Arbeitspflicht, und Wölk hatte, wie andere Frauen aus der Umgebung, Küchendienst im Führerhauptquartier zu leisten. Dafür bekam sie 200 Reichsmark im Monat, in Kriegszeiten ein beachtlicher Lohn.

Hitlers Gemüse

Hitler ass mit Vorliebe Leipziger Allerlei, ein Gemüsegericht. Das Fleisch überliess er seinen Generälen. Was auf seinen Teller kam, mussten die Frauen vorkosten. Karotten, Blumenkohl, Spargel und Chicorée schmeckten zwar fein, erinnert sich Margot Wölk, doch die Pflichtübung war mit Todesängsten verbunden: Hitler fürchtete, vom englischen Geheimdienst vergiftet zu werden.

Das wussten die Vorkosterinnen, «es war Tagesgespräch». Wenn sie gegessen hatten, liess man 45 Minuten verstreichen, ehe man Hitler bediente. In dieser Zeit warteten die jungen Frauen bang, ob sich bei ihnen Vergiftungserscheinungen zeigten.

Nachdem Hitler dem Bombenanschlag Stauffenbergs am 20. Juli 1944 nur knapp entgangen war, wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Die Vorkosterinnen durften die Nächte nicht mehr zu Hause verbringen, sondern wurden in einem Schulhaus nahe des Führerbunkers kaserniert. Einmal sahen sie Blondie, Hitlers Schäferhündin, ihn aber nie.

Knapp überlebt

Als die Russen näherrückten, habe ihr ein SS-Offizier einen Platz im Sonderzug verschafft, mit dem Propagandaminister Goebbels in die Hauptstadt floh, erzählt Wölk. In Berlin habe sie sich eine Woche lang bei einem Arzt verstecken können, sei dann aber, wie viele deutsche Frauen, von einem russischen Offizier vergewaltigt worden.

Von ihrer Schwiegermutter erfuhr sie nach der Kapitulation, dass die anderen 14 Vorkosterinnen erschossen worden waren. Die Russen sahen in ihnen willige Helferinnen der verbrecherischen Nazis. Das war auch der Grund, warum Margot Wölk nicht mehr über ihren Kriegseinsatz sprechen mochte. Sie fürchtete Vorwürfe und öffnete sich nicht einmal ihrem Mann, als dieser heimkehrte.

Daran, dass sie ihr Schweigen nun gebrochen habe, sei «die ewige Faszination» schuld, die für viele Deutsche nach wie vor von Hitler ausgehe, erklärt Wölk. Sie habe klarstellen wollen, was sie von ihm halte. So hat es die Berlinerin auf ihre alten Tage noch zu Berühmtheit gebracht. Die zierliche Frau tritt resolut auf, ist stets sorgfältig gekleidet und geschminkt – und wirkt befreit. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.04.2013, 06:48 Uhr

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6 Kommentare

Müller Enzo

04.04.2013, 09:24 Uhr
Melden 219 Empfehlung 6

Die Geschichte stammt aus dem Spiegel, derzeit abrufbar auf Spiegel Online. Wenn man schon abschreibt wäre es schön zu sagen, dass man's tut und woher die Geschichte stammt. Antworten


Pia Minder

04.04.2013, 10:30 Uhr
Melden 118 Empfehlung 13

Immer öfter kommt das Gefühl auf als würden auch "unsere" Pressemedien allesamt von einem zentralen Ort aus mit den den legalisierten und von der Zensur freigegebenen Inhalten versorgt. Antworten



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