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Hauptsache, der Kerl zeigt Gefühle

Von Ralph Pöhner (Clack). Aktualisiert am 23.03.2012

Männer wollen fröhliche Frauen – während Frauen ganz zufrieden sind, wenn ihr Partner gefrustet ist. Solange er nur darüber redet. Kein Wunder, geht das ständig schief.

Haben wir es da mit geheimen Sadistinnen zu tun? Schauspielerin Nicole Kidman und ihr zweiter Gatte, Countrysänger Keith Urban, mit dem sie eine nicht immer harmonische Ehe führt.

Haben wir es da mit geheimen Sadistinnen zu tun? Schauspielerin Nicole Kidman und ihr zweiter Gatte, Countrysänger Keith Urban, mit dem sie eine nicht immer harmonische Ehe führt.
Bild: Reuters

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«Frauen mögen es nicht, wenn Männer bei Konflikten auf Distanz gehen»: Psychiaterin Shiri Cohen.

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Dass zwischen dem, was eine Frau für Männer attraktiv macht, und dem, was man uns allgemein als attraktive Frau verkauft, ein himmelweiter Unerschied liegt, ging mir vor Jahren schlagartig auf: Eine Freundin erfasste es in einem Satz.

Wir waren noch jung, sehr jung, aber sie hatte mit ihren 19 Jahren alles, was man damals bewunderte: Sie lief wunderbar entspannt durch die Welt, schlank, schlaksig, schön. Sie hatte das Selbstbewusstsein derer, die noch nie Schiffbruch erlitten haben. Sie liess jeden spüren, dass ihr die Zukunft offenstand. Und wenn sie mal etwas sagte, dann sass es.

Sie war, wie man es damals ausdrückte, cool. Obercool.

Trotzdem gingen ihre Liebeleien zuverlässig schief, wovon ich manchmal ein bisschen profitieren durfte, und so landete sie eines Tages wieder mal an meiner Schulter, schaute so cool traurig drein wie immer und sagte: «Immer der gleiche Scheiss. Männer wollen fröhliche Frauen.» (Lesen Sie auch: «Was Männer an Frauen nervt»)

«Ja klar», dachte ich, Männer wollen fröhliche Frauen. Es widersprach zwar dem Klischee des männlichen Unterdrückers (das damals noch öfter herumgeboten wurde). Und irgendwie passte es auch nicht ganz zu dem, was als gesamtgesellschaftliche Traumfrau (und als cool) galt. Aber der Satz erfasste eine Wahrheit, die sonst keiner ausformulierte.

Attraktivitätsfaktor Lockerheit?

Männer wollen fröhliche Frauen: Der Satz erklärt mir seither allerhand im Standardverhältnis der Geschlechter, und wenn ich wieder mal lesen darf, dass Männer vor starken Frauen erschrecken oder dass Karrierefrauen es schwer haben, einen Partner zu finden, dann frage ich mich: Könnte es vielleicht an einem anderen Detail liegen? Mal nach der guten Laune gefragt? Wie stehts mit der Lockerheit? (Lesen Sie auch: «Die 5 Dating-Fehler der Frauen»)

Und so war es nur an der Zeit, dass die Sache jetzt, anno 2012, endlich wissenschaftlich bestätigt wird. Eine Studie der Harvard University ergab, dass Männer glücklich sind mit ihrer Beziehung – wenn ihre Partnerin glücklich ist. Das klingt zuerst mal wie eine Binsenwahrheit, ist es aber keineswegs.

Denn die amerikanischen Wissenschaftler suchten zugleich danach, welche Stimmung die Partnerin zufrieden macht – und was kam da heraus? Frauen sind glücklich, wenn ihr Freund gefrustet ist.

Im Detail war es natürlich ein bisschen komplizierter. Zuerst einmal ging es den Frauen einfach verstärkt darum, dass man gegenseitig besser die Gefühle spürt. Sie sind zum Beispiel auch glücklich, wenn ihr Partner merkt, dass es ihnen schlecht geht oder dass sie verärgert sind.

Männer sind einfacher, wieder mal

Bei Männern ist es ähnlich: Auch hier färben die Gefühle der Partnerin auf die Zufriedenheit ab, doch dies nach dem oben geschilderten Prinzip: Männer sind glücklich, wenn die Frauen glücklich sind, basta.

Die Studie basierte auf 156 heterosexuellen Paaren: Sie alle, Männer wie Frauen, wurden gebeten, ein Ereignis zu schildern, bei dem sie in der Beziehung zuletzt eine Enttäuschung erlebt hatten. Danach brachte man die Paare wieder zusammen, legte dar, was der jeweils andere gesagt hatte, und liess sie zehn Minuten über das Ergebnis reden. Die Gespräche wurden aufgenommen und von den Testpersonen wieder beobachtet – und am Ende kam Erstaunliches heraus: Frauen äusserten sich zufriedener über ihre Beziehung, wenn sie auf den Filmen feststellen konnten, dass ihr Partner frustriert oder verärgert ist mit der Beziehung; und sie stellten ihre Partnerschaft weniger zufriedenstellend dar, wenn die Filme alles in allem einen glücklichen Lover präsentierten. (Lesen Sie auch: «10 Warnsignale dafür, dass eine Partnerschaft bald Schiffbruch erleidet»)

Offenheit! Kommunikation!

Haben wir es da mit geheimen Sadistinnen zu tun? Ach was. Eine der Autorinnen, Shiri Cohen von der Harvard Medical School, interpretiert die Sache harmloser: «Für Frauen widerspiegelt es ein emotionales Engagement, wenn sie sehen, dass sich ihr Mann oder Freund aufregt», sagte die Psychiaterin im Nachrichtenmagazin «Time». «Wenn sie sehen, dass ihr männlicher Partner negative Emotionen mit ihnen teilt, verstehen Frauen dies als Zeichen der Beziehung, der Offenheit, der Kommunikation. Frauen mögen es nicht, wenn Männer bei Konflikten auf Distanz gehen.»

Dumm nur, dass dieser Effekt umgekehrt nicht spielt: Wenn Frauen verärgert oder schlecht gelaunt sind, freuen sich die Männer keineswegs über eine gewisse Offenheit oder über ein emotionales Engagement. Sondern hier ist das Muster wie im Bilderbüchlein: Die miese Laune verdirbt ihnen die eigene Stimmung.

Und auch hier fanden Shiri Cohen und ihre Kollegen eine plausible Erklärung: Männer lesen es als Bedrohung für die Beziehung, wenn die Partnerin schlecht drauf ist.

Dass Partnerschaften Schiffbruch erleiden, erklärt sich also – zum Teil – wieder mal aus altbekannten Kommunikationssackgassen. Frauen wollen keine Männer, die mit ihren Problemen aufs Maul hocken; Männer mögen es nicht, wenn ihre Partnerin unzufrieden ist.

Womit wir wieder, wissenschaftlich ein bisschen untermauert, bei Weisheiten landen, die jeder und jede seit langem ahnt. Frau will, dass Mann offen über die Beziehung redet. Mann will fröhliche Frau.

Dumm nur, dass wir es uns so selten bewusst machen.

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Weitere Infos, Tipps und Storys zum Thema Sexualität und Liebe finden Sie auf Clack.ch – Ihrem Online-Magazin. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.03.2012, 21:33 Uhr

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