Eins zu null für Deutschland

Interview: Michèle Binswanger. Aktualisiert am 10.09.2010 10 Kommentare

Gestern trafen sich mit Christian und Bettina Wulff, Doris Leuthard und Roland Hausin zwei Präsidentenpaare zum Staatsdiner. Wer dabei modisch die Nase vorne hatte, verrät Stilexperte Jeroen van Rooijen.

1/4 Der deutsche Bundespräsident Christian Wulff, 2. v. links, und seine Ehefrau Bettina, links, posieren mit Bundespräsidentin Doris Leuthard, und ihrem Ehemann, Roland Hausin, beim Staatsbankett in Bern am Mittwoch.
Bild: Keystone

   

Jeroen van Rooijen war Moderedaktor bei der «Annabelle» und leitete den Stil-Bund der «NZZ am Sonntag» sowie die monatliche Magazin-Beilage «Z - Die schönen Seiten». Heute ist er freier Journalist.
Von Jeroen van Rooijen sind ausserdem die Bücher «Die Stilregeln» und «Der Dresscode» erschienen. Im März 2009 erschien sein drittes Buch über weibliche Stilikonen.

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Welches der beiden Präsidentenpaare hat Ihnen gestern besser gefallen?
Der modische Auftritt des Ehepaars Wulff war ganz klar eleganter und prägnanter. Frau Leuthard und Gatte wirkten dagegen etwas graumäuserisch.

Wie beurteilen Sie die Roben der Frauen?
Es sind beides keine Knülleroutfits. Das rote Kleid von Frau Wulff ist zwar vorteilhafter und verzeihender als dasjenige von Frau Leuthard, aber mit dieser strukturierten Taft-Wild-Seide kommt es höchstens mittelmodern rüber. Das Kleid von Frau Leuthard dagegen ist unvorteilhaft - das ist schade, denn sie hat meines Erachtens ein beachtliches ästhetisches Potenzial. Unter dem sehr feinen und hellen Stoff zeichnen sich andeutungsweise BH und die Ränder der Unterwäsche ab, was sie in gewisser Hinsicht blossstellt. Zudem sieht das Kleid mit dem hochgeschlossenen, halbtransparenten Ausschnitt etwas verklemmt aus. Auch die kleinen Schulterpolster gefallen mir nicht. Das Kleid ist zwar comme il faut, gemäss den Regeln des Handbuchs, aber ohne Flair.

Was haben Sie am Kleid von Frau Wulff auszusetzen?
Es ist mir etwas zu nüchtern – auch wenn es der Gattin eines deutschen Bundespräsidenten natürlich angemessen ist. Hätte sie sich für ein pompöseres Kleid entschieden, hätte sie dem Gatten vielleicht die Show gestohlen. Allerdings hätte etwas Halsschmuck bei diesem Décolleté nicht geschadet. Was mir gar nicht gefällt, ist der angedeutete Bikini-Träger-Streifens auf ihrer Schulter, da hätte man noch etwas nachtönen dürfen. Im Vergleich zu Frau Leuthard wirkt sie zwar kompletter, aber ebenfalls etwas verklemmt.

Was sagen Sie zum trendigen grauen Nagellack von Frau Wulff?
Das trägt man natürlich im Moment. Allerdings wirkt er zu diesem Kleid etwas eigenartig.

Was sagen Sie zum Auftritt der Männer?
Christian Wulffs Smoking ist von besserer Qualität und Machart als der von Herrn Hausin. Wulff hat eindeutig den besseren Schneider und wohl auch mehr Smokings. Sein Jackett ist mit dem Spitzrevers auch moderner. Dagegen wirkt Herr Hausin verkniffen und unsouverän. Sein Smoking kommt eindeutig von der Stange. Das Jackett steht am Hemdkragen leicht ab, ausserdem reicht es bis zur Mitte des Oberschenkels, damit ist es viel zu lang. Auch die Schulterpartie seines Jacketts ist etwas zu breit für seinen Körperbau, die Ärmel wiederum sind ebenfalls ein Tick zu lang. Bei den Ärmeln sollten die Manschetten noch sichtbar sein.

Was den Gesamteindruck betrifft, müsste man also sagen: 1:0 für Deutschland
Ja. Beide Paare machen keine Fehler, beweisen auf dem Parkett modische Trittsicherheit. Aber den Schweizer Gesandten ist anzusehen, dass sie in Sachen Staatsempfänge viel weniger geübt sind als ihre deutschen Kollegen. Ihr Auftritt hat etwas leicht Provinzielles. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.09.2010, 14:31 Uhr

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10 Kommentare

Roger Aegeri

09.09.2010, 15:41 Uhr
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Muss eigentlich der allwissende und wohl immer perfekt angezogene Herr van Roojien überall seinen Senf dazugeben?! Antworten


Roland Hauser

09.09.2010, 15:42 Uhr
Melden

Der Gatte von Bundespräsidentin Leuthard heisst Hausin und nicht Hauser. Soviel zur Qualität. Antworten



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