Leben
Eins zu null für Deutschland
Interview Michèle Binswanger. Aktualisiert am 10.09.2010 10 Kommentare
Jeroen van Rooijen war Moderedaktor bei der «Annabelle» und leitete den Stil-Bund der «NZZ am Sonntag» sowie die monatliche Magazin-Beilage «Z - Die schönen Seiten». Heute ist er freier Journalist. Von Jeroen van Rooijen sind ausserdem die Bücher «Die Stilregeln» und «Der Dresscode» erschienen. Im März 2009 erschien sein drittes Buch über weibliche Stilikonen.
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Welches der beiden Präsidentenpaare hat Ihnen gestern besser gefallen?
Der modische Auftritt des Ehepaars Wulff war ganz klar eleganter und prägnanter. Frau Leuthard und Gatte wirkten dagegen etwas graumäuserisch.
Wie beurteilen Sie die Roben der Frauen?
Es sind beides keine Knülleroutfits. Das rote Kleid von Frau Wulff ist zwar vorteilhafter und verzeihender als dasjenige von Frau Leuthard, aber mit dieser strukturierten Taft-Wild-Seide kommt es höchstens mittelmodern rüber. Das Kleid von Frau Leuthard dagegen ist unvorteilhaft - das ist schade, denn sie hat meines Erachtens ein beachtliches ästhetisches Potenzial. Unter dem sehr feinen und hellen Stoff zeichnen sich andeutungsweise BH und die Ränder der Unterwäsche ab, was sie in gewisser Hinsicht blossstellt. Zudem sieht das Kleid mit dem hochgeschlossenen, halbtransparenten Ausschnitt etwas verklemmt aus. Auch die kleinen Schulterpolster gefallen mir nicht. Das Kleid ist zwar comme il faut, gemäss den Regeln des Handbuchs, aber ohne Flair.
Was haben Sie am Kleid von Frau Wulff auszusetzen?
Es ist mir etwas zu nüchtern – auch wenn es der Gattin eines deutschen Bundespräsidenten natürlich angemessen ist. Hätte sie sich für ein pompöseres Kleid entschieden, hätte sie dem Gatten vielleicht die Show gestohlen. Allerdings hätte etwas Halsschmuck bei diesem Décolleté nicht geschadet. Was mir gar nicht gefällt, ist der angedeutete Bikini-Träger-Streifens auf ihrer Schulter, da hätte man noch etwas nachtönen dürfen. Im Vergleich zu Frau Leuthard wirkt sie zwar kompletter, aber ebenfalls etwas verklemmt.
Was sagen Sie zum trendigen grauen Nagellack von Frau Wulff?
Das trägt man natürlich im Moment. Allerdings wirkt er zu diesem Kleid etwas eigenartig.
Was sagen Sie zum Auftritt der Männer?
Christian Wulffs Smoking ist von besserer Qualität und Machart als der von Herrn Hausin. Wulff hat eindeutig den besseren Schneider und wohl auch mehr Smokings. Sein Jackett ist mit dem Spitzrevers auch moderner. Dagegen wirkt Herr Hausin verkniffen und unsouverän. Sein Smoking kommt eindeutig von der Stange. Das Jackett steht am Hemdkragen leicht ab, ausserdem reicht es bis zur Mitte des Oberschenkels, damit ist es viel zu lang. Auch die Schulterpartie seines Jacketts ist etwas zu breit für seinen Körperbau, die Ärmel wiederum sind ebenfalls ein Tick zu lang. Bei den Ärmeln sollten die Manschetten noch sichtbar sein.
Was den Gesamteindruck betrifft, müsste man also sagen: 1:0 für Deutschland
Ja. Beide Paare machen keine Fehler, beweisen auf dem Parkett modische Trittsicherheit. Aber den Schweizer Gesandten ist anzusehen, dass sie in Sachen Staatsempfänge viel weniger geübt sind als ihre deutschen Kollegen. Ihr Auftritt hat etwas leicht Provinzielles. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.09.2010, 14:31 Uhr
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10 Kommentare
Als (auch selbsternannter höchstqualifizierter) Stilexperte habe ich mir das Foto von Herr van Rooijen angeschaut: Das Sacko ist viel zu breit, schlechte Qualität ab Stange. Der Schal ist gekünstelt (de-)platziert und sieht aus als hätte er die Serviette nach dem Essen nicht entfernt. Seine schräg stehende Brille ist peinlich. Das im Gegensatz zu den 4 gut - sehr gut gekleideten Personen. Antworten
Das mit etwas mehr Halsschmuck für Bettina Wulff kann ich unterstützen. Für die Abend Robe unserer Bundespräsidentin kommt mir aber nur eines in den Sinn: peinlich! Die hat mit Akris doch sonst ganz gute Designer im Repertoire, was das schielen auch nicht wegmacht... Antworten
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Martin Broemmer
@ Mira Müller: "Die andere" hat sogar einen Namen. Es ist Frau Wulff, die Frau des deutschen Bundespräsidenten. Antworten