Die Memoiren eines Supersoldaten
Von Simon Knopf. Aktualisiert am 18.05.2011 26 Kommentare
Ein Werbefilm der Navy Seals.
Stand eine Woche nach Bin Ladens Tod bereits in den Regalen der Bücherläden: Die Memoiren des Ex-Scharfschützen Howard E. Wasdin. (Bild: Amazon)
Ist heute als Chiropraktiker tätig: Der 49-jährige ehemalige Navy Seal Howard E. Wasdin. (Bild: www.palmbeachpost.com)
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Eine der ersten Belastungsproben im Training zum Navy Seal sei der sogenannte Hindernisparcours gewesen, schreibt Elitesoldat Howard E. Wasdin in seinen Memoiren, von denen ein Auszug auf Vanityfair.com erschienen ist. Dabei mussten die Soldaten aus einem getauchten U-Boot schwimmen, mit einem Schlauchboot an Land fahren und nach dem Erklimmen einer Felsklippe noch aufs Dach eines dreistöckigen Gebäudes klettern.
Mehr als ein Aspirant habe sich bei dieser Übung «den Hals gebrochen», so Wasdin in seinem Buch «Seal Team Six – Memoirs of an Elite Navy Seal Sniper». Laut Washingtonpost.com liest sich Wasdins Bericht wie ein Thriller von Jerry Bruckheimer; inklusive Schlägereien in Stripklubs, Schusswechsel in engen Gassen und einer gehörigen Portion Patriotismus.
Gefesselt im Wasser
Wasdin, der in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs, untermauert in seinen Memoiren das Image der Navy Seals als ausdauernde Supersoldaten. In Auszügen, welche in verschiedenen US-Medien publiziert wurden, schildert er die Stationen seiner Karriere.
Angefangen mit dem brutalen Training erzählt der 49-Jährige, welcher mittlerweile als Chiropraktiker arbeitet, von Übungen, bei denen die Seals gefesselt in einen Pool mit eiskaltem Wasser geworfen wurden. Ziel des Trainings sei gewesen, sich mindestens fünf Minuten über Wasser halten zu können. Zusätzlich mussten die Soldaten eine Taucherbrille mit den Zähnen vom Grund des Schwimmbeckens holen, zitiert die Palmbeachpost.com Wasdins Buch.
Permanente Schinderei
Doch laut Wasdin war das nur der Anfang gewesen. In der sogenannten Höllenwoche ging die Schinderei erst richtig los. Die Rekruten mussten in den Wellen des eiskalten Ozeans schwimmen. Total unterkühlt sollten sie sich danach nackt auf einen eiskalten Stahlpier legen. «Es fühlte sich an, als ob ich auf einem Eisblock läge», schreibt Wasdin. «Obendrauf wurden wir von den Instruktoren noch mit einem Wasserschlauch abgespritzt. Wir waren so unterkühlt, dass wir nur noch unkontrolliert zuckten.»
Die Instruktoren hätten auch immer genau gewusst, welches die Achillesferse der einzelnen Rekruten war, berichtet Howard E. Wasdin weiter. «Meine härteste Belastungsprobe waren die Vier-Meilen-Rennen auf Zeit am Strand in voller Montur und in Kampfstiefeln.» Es habe sich angefühlt, als entziehe der weiche Sand seinen Beinen sämtliche Energie. «Einmal schaffte ich die Zeitvorgabe nicht. Während die anderen in die Kaserne durften, musste ich die Sanddünen rauf und runter, bis fast jeder Muskel in meinem Körper aufgab.»
Stets auf Abruf
Wasdins Erzählung zeichnet jenes Bild des enthusiastischen Abenteurers, welches nebst der unendlichen Belastbarkeit ebenfalls fester Bestandteil des Mythos des Navy Seals ist. So wird es jedenfalls der Öffentlichkeit vermittelt. Als Mitglied des Team 6 hatte Wasdin ständig in Bereitschaft zu sein, so Bild.de. «Die eiserne Regel der Seals lautete: Nie mehr als zwei Bier, denn der Marschbefehl konnte innerhalb von Minuten kommen», weiss das ehemalige Team-6-Mitglied zu erzählen.
Wurde er dann aufgeboten, sass der Kommando-Kämpfer eine Stunde später bereits im Rumpf einer geschwärzten C-130-Cargomilitärmaschine: «Es ist finster, im roten Dimmerlicht checke ich, ob meine Tasche in Griffweite ist. Drei meiner Sniper-Kameraden hocken neben mir. Das Briefing führt ein Offizier des Joint Special Operation Command (JSOC) durch, fragt: ‹Könnt ihr, wie versprochen, alles, jederzeit, unter allen erdenklichen Umständen exekutieren, inklusive eines Todesschusses aus 730 Metern Distanz?› Er fuhr fort: ‹Auf euch wartet eine Nacht-HALO auf ein ausgemachtes Ziel.›»
Absprung in 3660 Metern Höhe
«HALO», erklärt Wasdin, «steht für High Altitude Low Opening.» Übersetzt: freier Fall aus grosser Höhe, das Ziehen an der Fallschirm-Reissleine erst knapp über dem Boden. Der Landepunkt wird erklärt, die Stelle, wo die Fallschirme vergraben werden sollen. «Das grösste Problem bei diesen Sprüngen ist die bittere Kälte in 8500 Metern, der eisige Fallwind.»
Wasdin beschreibt eine Trainingsmission: «Der Countdown läuft: Dreissig Minuten tönt es, jetzt ist die ideale Zeit für das letzte Pinkeln, in eine Pissröhre an der Innenwand. Bald geht die Rampe runter, das Handzeichen für 30 Sekunden erscheint: Grünes Licht, nach und nach stürzen wir aus der Maschine, die Flughöhe beträgt 3660 Meter, in 760 Metern öffnet sich der Schirm, ich klappe das NOD-Nachsichtgerät über die Augen, wir landen, räumen die Fallschirme weg, marschieren durch den peitschenden Regen zum vorgesehen Treffpunkt.»
Hightech-Ausrüstung
Speziell und teuer sei dementsprechend die Ausstattung: Polypropylen-Unterhosen von der Qualitätsmarke North Face statt Boxershorts, Socken aus edelster Wolle, an den Händen Nomex-Aviator-Handschuhe. Dazu die Standard-Tarnanzüge, Hut mit breiter Krempe, als Fläche für Tarnvegetation.
Er trage als Nebenwaffe eine SIG SAUER P-226 Navy 9 mm, speziell gebaut für die Seals. «Die beste Handfeuerwaffe, die ich jemals abfeuerte», erklärt Wasdin. Mit im Gepäck sind Karten, ein Kompass, Taschenlampe, bei einer realen Mission käme eine GPS-Gerät hinzu, auch ein experimentelles Funkgerät, das selbst patschnass noch bestens sendet. Beim Scharfschützengewehr setzten die Seals auf die 0.300 Winchester Magnum. «Die Patronen sind weniger windanfällig, die Reichweite grösser», so Wasdin,
Mit dem Team verheiratet
Wohin es ging, durfte der Elitesoldat selbst seiner Ehefrau nie sagen. Laut «Bild» schreibt er: «Genau das war ein weiterer Nagel in den Sarg unserer Ehe – ich war mehr mit dem Team verheiratet als mit ihr.» Wasdin ist mittlerweile geschieden.
Howard E. Wasdin beschreibt in seinem Buch auch Hochrisiko-Missionen, bei denen er dabei gewesen war. Während einer Mission in Mogadishu 1993 wurde er schwer verwundet und hätte beinahe ein Bein verloren. Für den Einsatz wurde er mit einem Silver Star ausgezeichnet.
Der Mythos lebt
Die Soldaten des schlagkräftigen Team 6 waren es, welche in der Nacht auf den zweiten Mai mit Tarnkappen-Hubschraubern in den Einsatz in Abbottabad flogen, um Osama Bin Laden zu töten. Die Truppe stellt selbst innerhalb der Navy Seals eine Eliteeinheit dar. Team 6, das sind die Besten der Besten. Ihre Existenz, so berichtet «Vanity Fair», wird sogar von der US-Regierung nicht offiziell bestätigt.
Genau diese Mischung aus Verschwiegenheit und Exklusivität hat den Mythos Navy Seals schon immer begleitet. Und das Wenige, was der Öffentlichkeit aus dem Seals-Einsatz in Pakistan bekannt gemacht wurde, dürfte gerade genug sein, um der Legende dieses Klubs stahlharter Abenteurer neues Leben einzuhauchen.
Dies dachten sich vermutlich auch die Verleger von St. Martin’s Press und beschlossen kurz nach dem Einsatz der Seals, die zu dem Zeitpunkt noch unvollendeten Memoiren des ehemaligen Team-6-Mitglieds Howard E. Wasdin möglichst schnell auf den Markt zu bringen. Knapp eine Woche nach Bin Ladens Tod wurden in den Buchläden die Regale bereits mit «Seal Team Six – Memoirs of an Elite Navy Seal Sniper» gefüllt. Das Buch stürmte kurze Zeit später die Bestsellerliste auf Amazon. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 18.05.2011, 16:33 Uhr
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26 Kommentare
Das wir hier in einem freien Land sitzen und selbstgerechte Sprüche klopfen können, haben wir unter anderem der Feuerkraft der US-Armee zu verdanken. Aber wir sind vergesslich und glauben auf unserer sicheren Burg, dass es Friede und Freiheit zum Nulltarif gibt. Ich danke aus tiefstem Herzen den tapferen US-Soldaten, die täglich ihr Leben riskieren für unsere Freiheit. Antworten
Im Westen nennt man es Aemee und in Islamischen Ländern Terrorausbildungscamps, dabei sind beides das gleiche, beide kämpfen für "Ihre" Freiheit..... und alle die in solchen Organisationen in fremde Länder Herumballern haben den Tod verdient! Solche die diese Taten befürworten gehören in ne Psychiatrische anstalt!, Dumme Marionetten sind das, auf beiden Seiten!! Antworten
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