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Der Islam gibt ihm den Halt, den er sucht

Von Simone Rau. Aktualisiert am 12.02.2010 19 Kommentare

Früher organisierte Qaasim Illi Technopartys. Heute ist er strenggläubiger Muslim.

Seit Patric Jerome «Qaasim Illi» heisst, ist das Leben komplizierter geworden: «Niemand will einen Muslim anstellen, der einen Bart trägt und fünfmal am Tag betet.»

Seit Patric Jerome «Qaasim Illi» heisst, ist das Leben komplizierter geworden: «Niemand will einen Muslim anstellen, der einen Bart trägt und fünfmal am Tag betet.»
Bild: Keystone

Zur Begrüssung legt Qaasim Illi seine Hand auf die Brust. Es ist ihm nicht erlaubt, einer «unverwandten» Frau die Hand zu reichen. Seit sieben Jahren lebt der 27-jährige Konvertit streng nach dem Koran. Er sei schon immer religiös gewesen, sagt Illi. Mit 12 widersetzte er sich seinen Eltern, die auf die Philippinen auswanderten, um ein Hotel zu eröffnen. Er kam zu einer Pflegefamilie, die einer puritanisch-christlichen Freikirche angehörte. «Wenn sie in die Kirche gingen, und das kam oft vor, begleitete ich sie. Das hat mich geprägt.»

Als Jugendlicher galt Illis Interesse aber auch der Technomusik. Er tanzte auf Partys und organisierte Anlässe. Bis zum 28. August 1999: Die «Troja»-Party in Winterthur endete im Desaster. Eine halbe Million Franken Ausgaben, viel zu wenig Besucher und Polizisten, die Illi in einem Hotel aufspürten, wo er sich etwas Schlaf gönnte. Seine Kollegen hatten geglaubt, er sei mit dem Geld abgehauen. «Danach haben sich viele Freunde von mir abgewandt. So fand ich zum Christentum zurück», sagt Illi.

Von den Riten des Islams fasziniert

Mit dem Islam kam der Schaffhauser zwei Jahre später in Kontakt, nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Der Informatiklehrling, der sich bereits zuvor für die Palästinenser eingesetzt hatte, begann sich aktiv für die Religion zu interessieren. Rasch faszinierten ihn die Riten des Islam. «Ich habe Halt gesucht und gefunden», sagt Illi. Ein Jahr später konvertierte er.

Seither lässt Illi, der einst Patric Jerome hiess, seinen Bart wachsen. Er betet fünfmal am Tag, fastet an Ramadan und kleidet sich nach den Vorschriften seiner Religion. Seine Frau, ebenfalls eine zum Islam konvertierte Schweizerin, trägt den Niqab, einen Ganzkörperschleier. Sie verhülle sich freiwillig, sagt Illi. Laut Farhad Afshar, Präsident der Koordination Islamischer Organisationen Schweiz, ist dies für Konvertiten nicht unüblich: «Für Menschen, die ihre Religion bewusst wählen, sind solche Anleitungen oft sehr verbindlich. Wer seine Religion fundamental lebt, hält sich gern an äussere Formen.»

Am Prediger Vogel hält Illi fest

Seit kurzem ist Illi Mediensprecher des neuen Islamischen Zentralrats Schweiz (IZRS), der nach der Minarettabstimmung mit einer Kundgebung auf dem Berner Bundesplatz für Schlagzeilen sorgte: Als Redner lud der Rat den umstrittenen Deutschen Pierre Vogel ein, worauf ihm der Bund die Einreise verweigerte. Vogel versuchte trotzdem einzureisen und wurde an der Grenze gestoppt. Es sei ungünstig gewesen, den deutschen Konvertiten so kurz nach der Abstimmung einzuladen, sagt Illi. Grundsätzlich müsse ihm die Einreise aber erlaubt werden: «Vogel ist kein Hassprediger. Wir werden ihn wieder einladen.»

Auch der neuste Vorfall in Zürich ändere nichts an der Haltung des IZRS, sagt Illi. Vogel hätte am Sonntag im Volkshaus zum Minarettverbot referieren sollen. Nachdem der Stiftungsrat ankündigte, den bereits zugesagten Saal nur zu vermieten, wenn der Prediger nicht auftrete, lud ihn der IZRS wieder aus. «Inhaltlich gehen wir mit Vogel aber nach wie vor einig», sagt Illi.

Islamische Schulen geplant

Und was sind die Ziele des Zentralrats, Herr Illi? «Wir wollen den Islam in der Schweiz institutionalisieren.» Dazu gehörten islamische Schulen und ein Fatwa-Rat. Dieser bestünde aus islamischen Gelehrten, die Rechtsgutachten erstellten zu Fragen wie: «Darf ein Muslim in die Armee?»

Illi verneint, dass so eine Parallelgesellschaft entstehe. Der Fatwa-Rat werde keine Gesetze erlassen; man orientiere sich am Schweizer Gesetz. Islamische Schulen seien für praktizierende Muslime jedoch unabdingbar: «Man kann nicht verlangen, dass wir uns assimilieren. Zumal es für Juden auch jüdische Schulen gibt.» Kein Nebenjob «wegen Aussehen» gefunden

Illi weiss, dass er aneckt. Sein Aussehen sei wohl der Grund, dass er keinen Nebenjob finde. Er studiert Geschichte und Islamwissenschaften in Bern, seine Familie mit vier Kindern lebt von Stipendien. «Wir kommen mit unserem Geld nicht weit. Niemand will einen Muslim anstellen, der einen Bart trägt und fünfmal am Tag betet.» Seiner verschleierten Frau ergehe es noch schlimmer. Seit der Minarettabstimmung getraue sie sich nicht mehr alleine aus dem Haus. Sie werde beschimpft und angerempelt. Trotzdem möchte das Paar in der Schweiz bleiben: «Wir sind hier aufgewachsen und wollen bleiben. Vorausgesetzt, unsere Kinder können einst islamische Schulen besuchen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.02.2010, 06:30 Uhr

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19 Kommentare

Alfred Grützner

12.02.2010, 04:11 Uhr
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Am besten Auswandern in ein konservatives, islamisches Land und dort glücklich werden. Man kann halt einfach nirgendswo den Fünfer und das Weggli bekommen. Und wer sich nicht assimilieren will, hat es schwer und lebt am Rande der Gesellschaft. Das Leben für Fanatiker ist leidvoll und entbehrungsreich, Warum muss man sich das antun? . Antworten


rolf kienast

12.02.2010, 08:25 Uhr
Melden

Ein Paradebeispiel von Konvertit. Alles sollte so laufen wie er will und wie der Islam es vorschreibt.Es ist richtig, dass diese Religion alles regelt im Leben, nur das Einkommen nicht dazu braucht der Konvertit die Christen, die ja auch die Koranschulen finanzieren sollen, wo "Gelehrte" Kinder lebensfähig machen mit Koran auswendig lernen von morgens bis abends. Ein hehres Ziel für diesen Mann. Antworten



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