Mit einem Spanier auf Tapas-Tour
Von Claudia Salzmann. Aktualisiert am 03.02.2012
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«Hola, una cerveza, por favor», ruft ein Gast und setzt sich an die Bar. Es ist Donnerstagabend und eben Eingetroffene hat den letzten freien Platz im Restaurant Cavaña ergattert. Nicht nur wegen der Sprache, auch wegen der Wanddekoration, dem Kellner und der Speisekarte wähnt man sich in Spanien, wenn nur draussen nicht so ein eisiger Wind wehen würde. Aus der Küche duftet es nach Knoblauch und man hört Öl brutzeln. Der Koch David schüttelt die Pfanne mit den Mejillones oder Muscheln.
Unter den Gästen befindet sich auch Alejandro Gonzalez aus dem Baskenland, der an diesem Abend Bernerzeitung.ch/Newsnet bei einer Tapastour durch die Berner Innenstadt begleitet. Tapas sind vor allem in Spanien verbreitet, wo das «tapear» oder das Häppchen naschen geradezu zelebriert wird. Im Baskenland nennt man die Häppchen «Pinxhos» (pintschos ausgesprochen) Auf den Theken dort thronen wahre Kunstwerke.
Fleischliebhaber im Hoch
Zurück ins Cavaña: Auf dem Tisch steht ein «Plato variado» (39.95 Franken), mit Crevetten in Knoblauch, der Paprikawurst Chorizo, Hackfleichbällchen in Tomatensause und panierte Sardellen. Die Karnivoren am Tisch strahlen, Vegetarier hätten keine Freude daran: Nur die «Tortilla española», ein Eierkuchen mit Kartoffeln, ist die einzig fleischlose Speise. Das Urteil des Kenners: «Rico, muy rico, aber die Tortilla hat zu wenig Salz.» Ansonsten hat Gonzalez nichts auszusetzen, hohe Produktqualität, zarte Crevetten, scharfe Chorizo, würzige Hackfleichbällchen und knusprige Sardellen.
Das war die erste Runde. Der Weg zur nächsten Tapasbar wäre in Spanien wohl kürzer, doch Bern ist klein genug, dass ein paar hundert Meter Fussweg bis zum Rathausplatz kurzweilig sind. Dort öffnete vor fast zwei Jahren das «Volver» und seither ist die Bar voll. Sitzplätze sind Mangelware, auch die Theke ist voll und eine letzte, freie Ecke wird von uns in Beschlag genommen. Susana Canonica, eine der Besitzerinnen, ist gespannt, wie einem Basken ihre moderne Interpretation einer Tapasbar gefallen werde.
Nach zwei, drei Happen «Pulpo a la Gallega» (9.95 Franken), einer Speise, die Gonzalez wohl tausend Mal gegessen hat, nickt er anerkennend. «Muy bien, perfecto», sagt der zweifache Familienvater. Vom bestellten Käse (8.50 Franken) kostet er nur anstandhalber. «Das würde es bei uns nur zum Dessert geben». Die Käsevariationen wird mit zwei Sorten Honig (eine mit Chili) gereicht. Den Schweizern mundet es.
Ein galizischer Stern
Es ist 21 Uhr und in Spanien hätte das Abendessen noch nicht einmal angefangen, während wir bereits auf dem Weg zur dritten Tapasbar sind, die auch so heisst. Diese wurde im November eröffnet und gehört zum Restaurant Treff an der Gerechtigkeitsgasse. Leider sind die «Tapas variados» bereits alle aufgegessen, dafür gibt es «Estrella de Galicia», ein Bier aus Galizien. Gonzalez nippt zufrieden an der Flasche.
Noch ist der Hunger nicht ganz gestillt, so kosten wir den edlen «Jamón Serrano» (28 Franken), Croquetas (9 Franken) und Kutteln mit Kichererbsen (15 Franken). Alle anderen Gäste – «vor allem Spanier kommen zu uns» – sind gegangen und die Belegschaft aus der Küche hat Feierabend gemacht. Der Koch Jesus sitzt an der Bar und isst Pizza. «Der Besitzer hat mich angerufen und ich bin hergeflogen», erzählt er. Ob es ihm hier gefalle? «Nein, ich vermisse meine Tochter.» Er holt blitzartig ein Foto von seiner 5-Jährigen hervor und blickt ganz stolz die Gäste an.
Tapas und mehr
Zufrieden lehnt Alejandro Gonzalez zurück und lässt den Kellner Eddy, der zweisprachig die Bestellungen aufnimmt, eine Flasche Albariño aus Nordspanien entkorken. Ein süsses Tapa muss noch sein und als der Koch Jesús mit dem Bunsenbrenner die «Crema catalana» (8.50 Franken) flambiert, schüttelt der Baske den Kopf. «En España no se hace asi», in Spanien benutze man dazu den Backofen. Lecker ist es alle weil.
Wessen Hunger noch nicht gestillt sein sollte, kann die kulinarische Reise verlängern: Auf der anderen Strassenseite in den 12er-Bus steigen und nach zwei Haltestellen beim «Tapas y mas» weiteressen. Dieses Restaurant wird seit Weihnachten von Jacqueline Raya aus Malaga als authentische Tapasbar geführt. Das heisst, dass bei der Getränkebestellung immer ein Häppchen mitgeliefert werde, erzählt sie auf telefonische Anfrage. Noch Hunger? Alejandro Gonzalez winkt ab, streicht über den Bauch und nimmt den letzten Schluck Albariño. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 03.02.2012, 15:22 Uhr
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