Fruchtige Schwerpunkte
Frech, frisch und bunt die Tischdekoration, eine gut gelaunte Gastgeberin. Obschon: Hinter ihrem Lachen ahnt man leise Anspannung. Allfällige Köchinnendefizite macht sie aber mit liebevollem Charme wett. Die Hobbygastronomen an ihrem Tisch versöhnt sie gekonnt mit Prosecco. Dann mit Fruchtigem. Als Vorspeise überrascht ein Salat aus reifen Mangos kombiniert mit zuckrig-säuerlichen Cherrytomaten, bitterem Cicorino rosso und cremigem Tunfischsalat. Ein Hauch frischer Kresse und Chili verleihen dem Ganzen die nötige Schärfe. Fein! Leider wirken die als Hauptspeise servierten Trutenschnitzel blass. Sie schmecken etwas fade, ihr Saft fühlt sich auf der Zunge wässrig an. Die Beilage aus gebratenen Zwiebeln und Gemüse dürfte etwas aromatischer sein. Aber wir sind hungrig, und der Wein stimmt milde. Krönende Versöhnung ist das opulente Dessert. Es muss der Gastgeberin viel Aufwand abverlangt haben. Sie kochte frische Ananas mit Ingwer in Apfelsaft zu Kompott, das sie dekoriert mit knusprigen, bittersüssen Amarettibröseln auftischt. Und als ob das nicht schon genug wäre: Darüber eine Rahmhaube mit Schokostreuseln. Exotische Fruchtigkeit mit Pfiff und kühner Üppigkeit. Bewertung: 8 Punkte. Laura Fehlmann
Charmante Nervosität
Die Frau hat Mut. Nicht genug, dass sie sich beim Anfänger-Kochbuch-Test als Erste an den Herd wagt. Nein, dieser Herd steht in der engen WG-Küche auch noch aufreizend nah am Esstisch. So nah, dass die kritischen Gäste ihr beim Kochen ungehindert über die Schulter in die Töpfe schauen können. Und aus eigener Erfahrung weiss ich: Das kann einen Anfänger nervös machen. Verdammt nervös.
Und tatsächlich: Vor- und Nachspeise, beides hervorragend mundend und beides schon im Vorfeld zubereitet, tischt die Gastgeberin bewundernswert souverän auf. Aber beim à la minute gekochten Hauptgang weicht die Gelassenheit einer gewissen Hektik – und es schleichen sich Fehler ein. Keine gravierenden. Aber immerhin: Wer die Schnitzel in die kalte Pfanne legt, muss sich nicht wundern, wenn sie nicht so recht brutzeln wollen. Der Hauptgang kommt denn auch nicht ganz an das fischigfruchtige Entrée (Thon-Mango-Salat) und das bittersüsse Dessert (Ananas mit Ingwer und Amaretti) heran.
Alles in allem und Nervosität hin oder her: Der Auftakt der Testserie ist keineswegs perfekt, aber durchaus gelungen. Kompliment an die Kochbuchautoren und an die Köchinnen. Die Köchinnen? Ja, die Gastgeberin liess sich von ihrer WG-Partnerin unter die Arme greifen. Das gibt einen Punkt Abzug. Aber den erhalten die beiden dank ihrem Charme gleich wieder zurück. Bewertung: 7 Punkte. Giuseppe Wüest
Aufmerksame Köchin
Und dann kam alles anders als geplant. Eigentlich wollte ich ja nach getaner Arbeit beim Portugiesen um die Ecke eine Flasche Wein erstehen; der Klassiker unter den Gastgeschenken ist in der Wohngemeinschaft sicher willkommen. Doch gerade als ich das Büro verlassen wollte, verlangte der Blattmacher einen zusätzlichen Textanriss für die Frontseite. Und als der endlich im Kasten war, war der Portugiese bereits im Feierabend. Fürs Last-Minute-Shopping im Bahnhof reichte die Zeit nicht, denn die Gastgeberinnen und der Kollege waren schon beim Apéro. Schleunigst marschierte ich stadtauswärts. Die Geschäfte entlang des Wegs hatten alle bereits geschlossen. Und so stand ich schliesslich verspätet und ohne Präsent auf der Schwelle.
Wie das Essen war? Die Vorspeise war exquisit. Einen Bonuspunkt erhält die Kollegin für ihre Aufmerksamkeit: In einem Pausengespräch hatte sie aufgeschnappt, dass man mich mit Fisch nicht ködern kann. Daraufhin kreierte sie eine Vorspeisen-Variation. Den Hauptgang kredenzte sie in mediterraner Manier beilagenlos; Reis dazu hätte nicht geschadet. Die Ananas-Ingwer-Komposition zum Dessert war überraschend – und überraschend gut.
Der Abend in der engen WG-Küche war gemütlich. Und die Gastgeberinnen waren herzlich – trotz des Fauxpas des fehlenden Präsents. Diesen gedenke ich demnächst mit einer beiläufigen Aufmerksamkeit zu korrigieren. Wenn ichs nicht vergesse. Bewertung: 8 Punkte. Gast: 4. Mathias Born
Erstellt: 20.03.2009, 13:45 Uhr



