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Von der Unsterblichkeit des Wanderers

Von Thomas Widmer. Aktualisiert am 12.03.2009 1 Kommentar

Das Zürcher Oberland ist perfekt für eine Wanderung im Früh-Frühling: Ein Burghügel, ein sagenhaftes Bachtobel, vereiste Wasserfälle und ein ausgezeichnetes Wegnetz. Einem Grossindustriellen sei Dank.

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Kurz nach Wanderstart. Rechts das Skilifthäuschen.
Thomas Widmer

   

Eine Lauheit der Luft, eine grosszügig strahlende Sonne, ein blauer Himmel beflügelten mich am 3. Februar, als ich von Bäretswil nach Bauma ging. In trotziger Naivität nahm ich das Prachtswetter für den Frühling; ich wollte an jenem Tag nicht glauben, dass der Winter noch einmal wiederkommt.

Das hat er inzwischen bekanntlich getan, mehrfach und hart. Doch nun ist der Winter endgültig vorbei! Oder? Hier jedenfalls meine Früh-Frühlingsroute im Zürcher Oberland. Sie eignet sich speziell auch für Leute mit Kindern, weil sie bei nur zwei Stunden Gehzeit viel Attraktion bereithält. Zum Beispiel einen Burghügel, ein sagenhaftes Bachtobel und tolle Plätze zum Brätlen.

In Bäretswil Bärenplatz stieg ich aus dem Bus von Wetzikon, fand gleich den Wanderwegweiser vor, legte los und passierte nach 20 Metern einen Volg. Hier kann man sich, sollte man etwas vergessen haben, mit Getränken oder Esswaren eindecken. Bereits zeigte sich mir mein erstes Ziel, der bewaldete Hügel, auf dem einst die Burg derer von Greifenberg stand. Hübsch der Anmarsch, man macht langsam Höhe, kommt an einem Skiliftchen vorbei, taucht in den Forst und ist schon schön draussen in der Natur.

Schliesslich die Greifenberg-Burgkuppe. Eigentlich sind es drei Kuppen, geteilt durch zwei Gräben. Auf der einen Kuppe gibt es alles Nötige fürs Grillieren: Feuerstelle, mit Rost, Holzvorräte, dazu Rastbänke und einen Tisch. Und übrigens sieht man von hier aus grandios auf die Rigi und den Pilatus.

Danach stieg ich ab zum Weiler Hinterburg und näherte mich alsbald einer ganz anderen Welt, einem Schattenreich der Bäche und Bächlein. Nicht von ungefähr ist das Zürcher Oberland ein Gebiet früher schweizerischer Industrialisierung, die auf Wasserkraft gründete. In diesem zweiten Teil der dreiteiligen Route durchzog ich in der nächsten halben Stunde das Wissenbachtobel, das mit Stegen und Trepplein gebändigt ist; ein Schaugenuss sind besonders die Giessen, wie der Einheimische seine Wasserfälle nennt. Einzig das Kemptner Tobel hat mir in dieser Gegend gleich viel Eindruck gemacht wie das Wissenbachtobel. Vorsicht ist notabene derzeit in beiden angebracht, die vereisten Stellen sind heikel.

In Neuthal kam ich wieder ans Licht, sah vor mir erneut eine Raststelle, die auf den Namen «Fledermaus» getauft ist. Sah vor allem historische Industriegebäude und einen Bahnviadukt. Beide Einrichtungen sind eng verknüpft mit dem Namen des Textilindustriellen und Bahnpioniers Adolf Guyer-Zeller; er wurde 1839 in Neuthal geboren und kehrte zeitlebens gern an den Ort seiner Jugend zurück, vor allem sommers, zwecks Erholung. Die erwähnte Trasse ist Teil der Uerikon-Bauma-Bahn, die Guyer-Zeller gegründet hatte; freilich war ihr weniger Erfolg beschieden als der Jungfraubahn, die er initiiert und gefördert hatte; die UeBB wird heute nur noch von Dampfbahnnostalgikern sporadisch betrieben.

Der Route dritter Teil führte mich, wieder schön durch Wald und vorerst parallel zur Bahnlinie, hinauf zur Silisegg, von wo ich geradeaus das stolze Hörnli mit seiner Antenne erblickte, direkt unter mir aber Bauma. Einige Zeit später, fast schon im Kern des Ortes angelangt, wurde ich bei der Kirche einer Tafel an der Friedhofsmauer gewahr. Sie leitete mich in dessen Inneres, das von der Grabstätte Guyer-Zellers dominiert wird. 110 Jahre werden es am 3. April, seit er 1899 starb.

Alfred Dübendorfer, ein bedeutender Heimatkundler der Region, hat den grossen Mann als «rüstigen Berggänger» beschrieben, «dem kein Weg und Steg, keine Höhle und keine Anhöhe um Bauma, Bäretswil, Hittnau und Sternenberg unbekannt war». Von der Gehleidenschaft des Industriellen zeugen die «Guyer-Zeller-Wege», die er für seine Arbeiter erstellen liess - in ihnen lebt sein Name bis heute weiter. En passant wäre damit bewiesen: Wandern macht unsterblich. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.03.2009, 10:27 Uhr

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1 Kommentar

Ulrich Sauser

12.03.2009, 14:22 Uhr
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Für Wanderer, die noch etwas mehr "ertragen", könnte man m.E. noch das Chmtner-Tobel hinab nach Kempten/Wetzikon. Bushalt in der Nähe. Ich probier's, sobald der Früh-Frühling wirklich eingekehrt ist. Antworten



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