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«Kommando Stein»

Von Thomas Widmer. Aktualisiert am 31.07.2009 4 Kommentare

Trotz teils lächerlicher Beschilderung: Das Prättigau mit seiner Polarität aus grünsamten und grau-schroffen Erhebungen lässt das Wandererherz höher schlagen.

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Schön durch ihre Schlichtheit: Eine kleine Kirche beim Wanderstart in St. Antönien.
Thomas Widmer

   

Rätikon heisst bekanntlich – oder auch unbekanntlich – jener Alpensektor, der gebildet ist aus Teilen von Liechtenstein, dem Montafon, dem Prättigau. Wer im Rätikon wandert, begreift schnell die Arbeitsteilung, die sich dieses auferlegt hat – es handelt sich um eine strenge Polarität: Grünsamten sind die einen Erhebungen und laden den Fussgänger ein. Grau und schroff präsentieren sich andere Berge und geben einem mit ihren düsteren Flanken das Gefühl, man sei im Lande Mordor.

Auf dem Prättigauer Höhenweg respektive seinem Filetstück, der Etappe von St. Antönien zur Saaser Alp, geht man im grünen Bereich, hat den grauen aber stets vor Augen, dies macht die Eigentümlichkeit dieser Route aus. Bevor wir – ich, Mathias, Nicole – eines Morgens loswanderten, würdigten wir das Örtchen St. Antönien. Es handelt sich um ein Bijou, fern der Welt in einem Prättigauer Seitental gelegen, dort, wo sich dieses wieder zu grosser Weite öffnet. Das einst im oberen Wallis losgezogene Pioniervolk der Walser schuf hier im Mittelalter Zivilisation.

Feuchtes Gelände

Walser-Merkmale gibt es in St. Antönien etliche. Vor allem die Verstreutheit der Wohnsiedlungen über die Hänge zeugt von ihnen. Die Walser waren ausgesprochene Individualisten, waren so etwas wie Protestanten, bevor es Protestantismus gab. Und da wir somit bei der Religion sind: Das Kirchlein von 1493 ist schön durch Schlichtheit.

Schliesslich setzten wir uns in Marsch. Durch recht feuchtes Gelände hielten wir aufwärts, lieblich waren die Wiesen, doch eben, geradezu bösartig, was wir als Kontrast zu sehen bekamen: die Drusenfluh hinter uns, das Rätschenhorn und der Saaser Calanda vor uns mit ihren Geröllhalden wie Mondlandschaften. Oben auf dem Fürggli, 2255 Meter über Meer, die Überraschung: Eine ganz neue Sicht wurde uns zuteil, Richtung Prättigau und hinüber zur Hochwangkette. Ein Katzensprung von hier aus der Gang zum 35 Meter höheren Jägglisch Horn. Es machte die Aussicht perfekt.

«Energie-Spürweg»

Der zweite Teil der Unternehmung führte uns, immer unter dem Saaser Calanda, hinab zum Alpweiler Zastia und durch lichte Bergwälder und steile Weiden zur Saaser Alp. Dort trafen wir auf Familien orthodoxer Juden, die in Klosters die Ferien verbrachten, mit der Gondel hier hinaufgefahren waren und vor allem von dem ausgeschilderten Wasserfällchen entzückt waren. Ob sie auch doof fanden, was wir doof fanden – ich weiss es nicht. Jedenfalls gibt es auf der Saaser Alp einen «Energie-Spürweg». Und es ist dieser mit einer sagenhaften Unsorgfalt und Geschwätzigkeit eingerichtet. New Age sollte doch aber auch Niveau haben!

Hier ein Müsterchen. Am Weg steht ein imposanter Felsbrocken. Laut einem beigestelltem Schild handelt es sich um den «Kommando Stein», der «ohne Aktivierung 1/2 Millionen Energie» besitze.

Und weiter heisst es: «Dieser Stein wurde in der Zeit der grossen Gletscher hierher transportiert, und nach dem Abschmelzen des Eises blieb er hier als Findling liegen. Dieser Stein strahlt eine starke Kommando Energie aus. Das bedeutet, dass in früheren Zeiten dieser Stein als Thron für den Anführer/Befehlshaber bestimmt war. Fühlen Sie selber die Stärke, die von diesem Stein ausgeht, und setzen Sie sich auf ihn, wie auf dem Foto gezeigt. Sie sitzen jetzt in der Kommandoposition.»

So weit der Energie-Spürweg hoch über Klosters. Aber natürlich können nicht einmal – dies das tröstliche Fazit zu dieser Wanderung – die lächerlichsten Themenschilder einen schönen Weg ernstlich beschädigen.

Thomas Widmers Wanderbücher gibt es im Echtzeit-Verlag, www.echtzeit.ch , oder auf www.thomaswidmer.ch. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.07.2009, 14:14 Uhr

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4 Kommentare

Walter Kunz

25.06.2009, 10:45 Uhr
Melden

Gratuliere erneut ein sehr guter Wandervorschlag. Bitte weiter so. Antworten


Marc Hofer

26.06.2009, 07:19 Uhr
Melden

Es gibt noch viele schöne Wanderwege um St. Antönien, z.B. die Wanderung von Partnun zur Carschinahütte (SAC). Wirklich sehr zu Empfehlen mit einem unbeschreiblichen Blumenmeer..... Einfach Wunderschön......... Antworten



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