Leben

  • Region
  • Schweiz
  • Ausland
  • Wirtschaft
  • Börse
  • Sport
  • Kultur
  • Panorama
  • Leben
  • Auto
  • Digital
  • Wissen
  • Forum

Gleich noch so ein schönes Tobel

Von . Aktualisiert am 09.04.2009 2 Kommentare

Wir geraten wieder in eines dieser Oberländer Naturidylle, die doch der Industrialisierung zudienten: Da sind spektakuläre Giessen. Und Türme für die Kraftübertragung.

1/10 DSC01812.JPG
Tobelbeginn bei der alten Nagelfabrik.
Thomas Widmer

   

Wie viele Leute wandern hierzulande? Unter Berücksichtigung aller demografischen, soziologischen und psychologischen Parameter komme ich auf mehrere Hunderttausend. Und wie viele schreiben darüber? Nun, wir halb professionellen bis professionellen Wanderjournalisten, -blogger, -publizisten von Anker bis Teuscher und von Coulin bis Frischknecht/Bauer sind gut zwei Dutzend. Darunter der Berner René P. Moor von wanderwerk.ch. Er hat mir kürzlich sein erstes Buch geschickt, «Schritt für Schritt. 63 Wandertaten in der Schweiz und Umgebung».

Nach der Lektüre muss ich sagen: Respekt, Kollega Moor! Grossartig! Ihr Spirit gefällt mir. Diese unbezähmbare Gehlust.

Moor ist ein Allwetterwanderer, davon zeugt sein Text über den Gang von Albinen nach Turtmann bei scheusslichem Regen. Und Moor mag die Bizarrerien des verbauten, zersiedelten Mittellandes ebenso wie intakte Bergwelten. Und stets beweist er Humor. Seine allerlustigste Geschichte ist «Der Gipfel des Jahres». Moor hat es sich zur Gewohnheit gemacht, alljährlich einen hiesigen Berg zu besteigen, dessen Höhe mit der Jahreszahl übereinstimmt. 2008 erwächst ihm ein Problem: Es gibt im Land keinen 2008-Meter-Berg. Die Schwidenegg im Simmental mit ihren 2007,1 Metern kommt daher in die Kränze. Für die fehlenden 90 Zentimeter hat sich Moor etwas einfallen lassen: Er trägt mit seinem Kumpel Toni den noch unmontierten Ikeahocker Oddvar auf den Gipfel. Dort wird Oddvar zusammengeschraubt. Stellt man sich nun auf ihn, so sind die 2008 Meter über Moor, pardon: Meer, Tatsache.

Als die zwei wieder zu Hause sind, melden sie Ikea Schweiz brieflich die dank Oddvar geglückte Besteigung. Postwendend gehen ihnen zwei Ess-Trink-Gutscheine zu. Die Gutscheine werden dann im Rahmen einer Wanderung von Wengi nach Burgdorf bei Ikea Lyssach eingelöst. Was so nebenbei wieder einmal beweist: Jede Wanderung gebärt eine nächste.

Diese Regel stimmt auch für meine Wanderung von Kempten Talhof (Gemeinde Wetzikon) nach Bäretswil-Bahnhof. Hatten wir in dieser Kolumne nicht eben eine Wanderung von Bäretswil aus . . . nach Bauma? Richtig. Und da ich in jenem Zusammenhang vermerkte, so schön wie das Wissenbachtobel nah Bauma sei in der Region nach meinem Dafürhalten bloss das Kemptner Tobel, erhielt ich mehrere Zuschriften. Man bat mich, das Kemptner Tobel auch vorzustellen. Was ich hiermit gern tue, obwohl ich es vor Jahren schon einmal anderswo behandelte.

Wir starten in Kempten Talhof (Haltestelle der Buslinie Wetzikon-Bauma), queren den Chämtnerbach, geraten schnell zum Gelände der alten Nagelfabrik. Hier beginnt das Tobel. Und wir geraten wieder in eines dieser Oberländer Naturidylle, die doch der Industrialisierung zudienten: Da sind spektakuläre Giessen, also Wasserfälle. Da sind aber auch zwei Türme des 19. Jahrhunderts. Sie trugen im Inneren ein Räderwerk; mit dieser Mechanik wurde die Kraft des Baches auf ein Drahtseilsystem übertragen und talabwärts geleitet. Das sah aus wie eine Art Skilift ohne Bügel.

Herrlich ist der Weg durch dieses Tobel, dem man in seiner Unschuld keine Industrialisiertheit zutraute, wenn nicht Schilder davon erzählten. Immer wieder helfen uns Stege und Treppen; natürlich müssen wir, wo noch Schneereste kleben, vorsichtig sein. Endlich treffen wir wieder auf das Trassee der Uerikon-Bauma-Bahn, die in der erwähnten früheren Kolumne auch vorkam, samt ihrem Urheber: Heute nur noch zu Liebhaberzwecken genutzt, wurde sie von Adolf Guyer-Zeller lanciert, dem regionalen Textilbaron und Bahnpionier. Das Volk nannte die Uerikon-Bauma-Bahn lustigerweise, die Abkürzung UeBB aufnehmend: Überbei-Bahn. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.04.2009, 08:43 Uhr

2

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

2 Kommentare

Albert Bar

10.04.2009, 19:29 Uhr
Melden

als ein in wetzikon aufgewachsener erinnerer ich mich, wie wir damals als buben (in der spaeten 50igern) unsere abenteuer im chaempnertobel suchten. nach so vielen jahren scheint sich nichts veraendert zu haben. jener steinturm war fuer uns der inbegriff eines verliesses und daher sehr unheimlich. eine mutprobe war es, hinter dem wasserfall hindurchzugehen! was fuer zeiten waren das damals! Antworten


Werner Gremlich

10.06.2009, 15:30 Uhr
Melden

Ich habe heute diese Tobelwanderung in vollen Zügen genossen! Je heisser das Wetter, desto angenehmer die schattige Kühle im Chämptentobel. Die Gehzeit ist allerdings viel kürzer als im Zeitungsartikel angegeben; gut eine Stunde gemütliches Wandern. Wer es ein wenig länger mag, empfehle ich ab Bahnstation Kempten direkt den Wanderwegweisern "Industriepfad" zu folgen. Er führt direkt ins Tobel. Antworten



Leben

Populär auf Facebook Privatsphäre

Umfrage

Waren Sie schon mal in einem Pfingstlager?





Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

Grandioses Berg-Erleben.

Weltberühmte Berge und 100 Jahre Jungfraubahn: Sommerurlaub vor der schönsten Kulisse der Welt!

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.