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Eine Passage, abenteuerlich à la Henry Hudson

Von Thomas Widmer. Aktualisiert am 18.02.2009 2 Kommentare

Im Entlebuch, im Kanton Luzern, starten wir in eine beeindruckende Welt. Wie der berühmte Seefahrer einen Weg in den Pazifik fand, durchmessen wir ein Hochplateau und stossen bis ins bernische Emmental vor.

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Stilleben mit Rucksack in der Gondel zur Rossweid.
Thomas Widmer

   

Nicht zuletzt der Einsatz rhetorischer Mittel macht diese Kolumne so lesenswert.

Natürlich würde ich das nicht selber sagen, man ist ja bescheiden. Sondern es stellt dies eine Studentin der Schule für Angewandte Linguistik in Zürich fest. Christina Heyne zeigt in ihrer Abschlussarbeit, wie in meinen Texten Geminatio, Diakope, Anapher, Homöoteleuton und andere Stilfiguren sich tummeln. Sie hat mir die Arbeit netterweise zugesandt.

Danke, Frau Heyne. Ich bin beeindruckt von mir selber!

Unsere Wanderung der Woche führt in eine mythische Welt. Wir starten in Sörenberg im Tal der Waldemme. Wie allein dieser Name nach Urforst, alemannischer Siedlersippe, Axt und Rodung, aber auch nach Heidelbeeren und feuchtem Farn klingt! Bald dann bewegen wir uns in einem Hochland, eingezwängt zwischen der Brienzer-Rothorn-Kette zur Linken und der Schrattenfluh zur Rechten. Wo soll hier ein Ausgang sein, fragt sich der Fussgänger. Wir können letztlich aber durch eine Lücke zwischen Schrattenfluh und Hohgant entweichen. Es ist die junge, die sagenhafte Emme, die sich hier in der Vorzeit den Weg in die Freiheit gebahnt hat.

Indem wir dieses abwechslungsreiche Szenario in drei Stunden durchmessen, verknüpfen wir gleichzeitig zwei Landschaften, das Entlebuch und das Emmental. Und zwei Kantone, Luzern und Bern. Unser Weg ist das Winterwanderpendant zu der Atlantik und Pazifik verbindenden Nordwestpassage in der Seefahrt, die abenteuerliche Polarhelden wie Henry Hudson einst ergründeten – man glaubt es nicht, aber es gibt in beiden Fällen ein Durchkommen.

Okay, existenziell wie damals ging es nicht zu auf meiner Wanderung. Ich begann sie mit einer gemütlichen Gondelfahrt von Sörenberg hinauf zur Rossweid, wo aus einer Apérobar grausige DJ-Ötzi-Musik schallte. In der Wirtschaft, einer typischen Skibeiz, nahm ich einen Kaffee und etwas Süsses, freute mich aufgrund eines Plakätchens darüber, dass man Fleisch aus örtlicher Produktion verwendet, und marschierte endlich, vorbei an einem Vogelgehege mit lustigen Enten, los. Der Weg zum Zwischenziel Salwideli war sauber signalisiert. Er eignet sich gut für Leichtwanderer und Familien mit Kindern, man muss sich bis dorthin nicht überanstrengen.

Und man findet mit dem Salwideli eine herzige Langläuferbeiz im Laubsägelistil vor. Hier bin ich oft eingekehrt und war immer sehr zufrieden. Und stets bin ich neu berückt von den Bergen. Einzig könnte man vielleicht nörgeln, dass die Schrattenfluh im Sommer noch eindrücklicher erscheint. Sie ist dann weiss wie im Winter, wirkt aber wesentlich eigenwilliger, eben weil es rundherum grünt. Ihre Grundfarbe rührt daher, dass sie aus Kalk geformt ist, den scharfe Schrunden durchschneiden. Dieses Phänomen kenne ich – Stichwort Silberen – sonst nur vom Karst zwischen Muotatal und Klöntalersee.

Nach dem Salwideli ging es mit mir, abgesehen von wenigen Gegensteigungen, abwärts. Ich entfernte mich endgültig vom Wintersportbetrieb, geriet in eine gotthelfische Landschaft von Bauernhöfen, die sich vor der Unbill der Natur in die Geländewinkel duckten. Was für Krachen das sich ankündigende Emmental doch umfasst! Bald einmal wanderte ich hoch über dem Fluss, schaute hinunter ins enge Tal, schaute hinüber zum Hohgant, der seit einer harten Überschreitung von Habkern her mein Liebling ist.

Und nach all der Wildheit erreichte ich, zur Emme abgestiegen, wieder die Zivilisation: Im Kemmeriboden kam ich zur Haltestelle des Busses nach Escholzmatt und zum Kemmeribodenbad, einer Wirtschaft, einem Viersternehotel, einem Schwefelbad seit Urzeiten. Vor Jahren speiste und schlief ich hier vorzüglich und fühlte mich am nächsten Tag erholt wie selten. Man ist an diesem Ort sehr draussen, in jeder Beziehung, das entspannt. Womit ich meine Kolumne beschliesse in der Hoffnung, sie habe diese Wanderung mit der Beredtheit gepriesen, die ihr gebührt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.02.2009, 16:56 Uhr

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2 Kommentare

Glaus Elsbeth

23.02.2009, 10:29 Uhr
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nach dem Lesen dieser Kolumne, welche ich toll finde, die Frage welche ich mir immer stelle wenn ich Wegbeschreibungen lese ist: eignet sich diese Wanderung auch für Leute, wie ich, eine grosse Angst vor schmalem Weg und tiefem Abgrund haben ( bin nicht schwindelfrei ) ? Bis zum Salwideli heisst es, auch mit Kindern. Aber der Rest? Danke für den Beitrag Antworten


Thomas Widmer

02.03.2009, 12:30 Uhr
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Hier der Verfasser: Liebe Frau Glaus, wenn es schwindelerregend ist, schreibe ich es, in diesem Sinn: null Problem für Sie. Keine Abgründe. Herzliche Grüsse, Thomas Widmer. Antworten



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