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Wischen, wischen, wischen!

Von Juliane Lutz. Aktualisiert am 09.02.2009

Dieser Wintersport ist nichts für Einzelgänger. Neben hoher Konzentration und guter Kondition ist vor allem auch Teamgeist gefragt.

Das Wischen beeinflusst den Lauf des Steins. Doch um mit dem rasenden Granitblock mithalten zu können, braucht es Muskelkraft.

Das Wischen beeinflusst den Lauf des Steins. Doch um mit dem rasenden Granitblock mithalten zu können, braucht es Muskelkraft. (Bild: Adriana Bella)

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«Gut Stein», sagt ein junger Mann auf der Eisbahn nebenan zu seinem Mannschaftskollegen. Und schon flitzt der eine mit dem Curlingstein über das Eis, während zwei andere mit seltsam aussehenden Besen vor ihm her wischen.

Es ist Mittwochabend, 18.30 Uhr. Alle Rinks (Spielfelder) der Curlingbahn Allmend, übrigens die drittgrösste Europas, sind besetzt. Alt und Jung, Männer und Frauen sausen übers Eis, geben Zeichen oder begleiten ihr Team mit lautem Geschrei beim Spiel. Ich dagegen betrete sehr vorsichtig mit dem linken Fuss, an dem sich eine schnelle Sliding-Sohle befindet, die glatte Fläche. Den anderen stelle ich auf das Häck, eine Fussstütze, und halte mich mit dem linken Arm an einem Besen mit einer Art Polster am Ende fest. «Einmal zurückwippen, und dann los», ruft René Bieri, Präsident des Curling Club Bern City, der mir die Grundlagen des Sports erklärt. Ich schnelle nach vorn und komme unsanft mit dem rechten Knie auf.

Aller Anfang ist schwer

Doch meine Annahme, dass man leidenschaftliche Curler an ihren blauen Knien erkenne, ist falsch. «Könner rutschen vielmehr übers Eis», so Bieri. Allerdings dauere es eine Saison, bis die Abgabeposition in Fleisch und Blut übergegangen sei.

Nach ein paar weiteren Versuchen nehmen wir uns die Steine vor. In einer Ecke der Halle warten kleine Exemplare auf Junior-Curler. «Ab fünf Jahren kann man hier das Spiel erlernen», sagt Bieri. Bereits die Kinder-Steine sind schon recht schwer. Bei Erwachsenen bringt so ein Granitbrocken knapp zwanzig Kilogramm auf die Waage.

Ich begebe mich erneut in die Abgabeposition und schlittere zusammen mit dem Stein los. Allerdings kommt er bald zum Stehen. Ich habe ihn zu kurz gespielt. Hier hätten ein paar fleissige Wischer helfen können. Durch die schnellen Bewegungen des Besens wird das Eis erwärmt, der Widerstand verringert sich, und der Stein gleitet länger. Ob gewischt wird, entscheidet der Skip: der Spieler, der in den Viererteams für die Strategie zuständig ist. Er muss das Eis lesen und möglichst rasch entscheiden, ob die Besen eingesetzt werden.

Doch das Eis muss ich heute Abend noch nicht analysieren. Aber ich lerne zwei Handgriffe kennen, die den Stein möglichst nahe beim Zentrum, Tee oder Dolly genannt, positionieren sollen. Ob nach rechts oder links gespielt werden soll, zeigt wiederum der Skip durch seinen ausgestreckten Arm an. Wird der Stein links vom Dolly gewünscht, ist ein Outhandle nötig. Der Spieler bewegt den Haltegriff sachte nach rechts. Daraufhin curlt der Stein, das heisst, er dreht sich und zieht in einem sanften Linksbogen in Richtung Haus. So heissen die konzentrischen Ringe auf dem Eis. Die Gegenposition nennt sich Inhandle. Ich gebe ein paar Steine ab, die schneller übers Eis rutschen. Leider zu schnell, und so ziehen sie am Dolly vorbei ins Aus.

Besser gut in Form

Am Ende der Einführung versuche ich mich als Wischerin. Bieri spielt den Stein, und ich spurte hinzu und wedle mit dem Besen vor dem rasenden Granitblock herum. An diesem Punkt merke ich deutlich, dass neben hoher Konzentration auch eine gute Kondition nötig ist. Es ist nicht mehr als fünf Grad in der Halle, doch wirklich kalt ist mir nie. Curling scheint zunächst einfach. Jedes Team versucht möglichst viele eigene Steine nah am Zentrum zu platzieren oder zu verhindern, dass dies der gegnerischen Mannschaft gelingt. Aber das erfordert eine Kombination aus Technik, Taktik und Kraft. «Genau das fasziniert mich. Und dass es ein Sport für jedes Alter ist», sagt Bieri, der mit 17 Jahren begann. Newcomer, die ein gewisses Niveau erreichen möchten, müssen rund fünftausend Steine spielen. Doch Anfänger motiviere, dass auch das Glück beim Curling eine gewisse Rolle spiele, meint Bieri.

Spass hat Vorrang

Einzelgänger sollten einen anderen Sport suchen. Beim Curling arbeiten alle zusammen. Keiner spielt eine Sonderrolle. Und es gehört dazu, nach dem Match noch gemeinsam «eins zu ziehen». Dabei zahlt stets das Winning Team die Runde. «Mir gefällt, dass man nie verliert», meint eine Spielerin. «Entweder gewinnt man das Spiel oder den Apéro. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.02.2009, 09:12 Uhr

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