Leben

Spektakel im warmen Sommersand

Weniger hart als Handball, dafür mit grossem Unterhaltungswert: Die relativ junge Sommervariante Beachhandball verspricht viel Spass und Spektakel. Ob das stimmt, zeigt ein Probetraining mit der Berner Mannschaft «1898».

Thomas Rolli sitzt im Pausenbereich des Beachcenters Bern und sagt: «Unsere Mannschaft ist ja gleichzeitig auch der Kern der Nationalmannschaft, das ist schon ungewöhnlich.» Mir wird ein bisschen mulmig. Da will man doch nur eine recht unbekannte Sportart wie Beachhandball testen und steht gleich mit der Schweizer Nationalmannschaft auf dem Feld. Auch dass die meisten Teammitglieder geübte Hallenhandballer aus dem BSV Bern Muri sind, kann mich irgendwie nicht beruhigen.

Dann schafft es der Trainingsleiter trotzdem: «Beim Beachhandball steht der Spassfaktor im Vordergrund. Die Regeln sind recht einfach, Tore zu schiessen auch. Du wirst sehen.»

Seriöses Training mit Spass

Kurz darauf fängt das Training der «1898»er an. 1898? «Das Gründungsjahr der Young Boys», erklärt Rolli. «Wir sind hier fast alles ‹Bärner Giele› und grosse YB-Fans.» Es scheint nur logisch, dass zum Aufwärmen eine Runde Beachsoccer gespielt wird. Auch ein kleines Gymnastikprogramm gehört dazu. Immerhin trainiert hier der Schweizer Meister. Doch das Training muss auch Spass machen. Freche Sprüche gehören dazu wie der Sand zwischen den Pobacken. Und wenn gelegentlich ein paar hübsche Mädchen vom Beachvolleyball vorbeilaufen, kommt das Training auch mal kurz zum Erliegen. Dass es sich hier doch nicht um einen Plausch- und Plauderverein handelt, merke ich, als das eigentliche Spiel beginnt. Beachhandball ist schnell, der Sand ist tief und Pausen gibt es kaum. Irgendwie anstrengend. Ich spiele so gut es geht mit und bin froh, dass bei der Sommervariante des Handballs Körperkontakt verboten ist. Spektakuläre Torschüsse der anderen Spieler lassen die Anstrengung schnell vergessen. Solche Tore sind nicht nur Show, wie man vermuten könnte: Spektakel wird beim Beachhandball auch mit Punkten belohnt.

Mit Spezialwürfen zum Sieg Wer etwa den Ball im Flug fängt und gleich ein Tor schiesst, punktet zweifach. Auch der sogenannte «Spin Shoot» zählt doppelt. Dazu muss der Torschütze vor dem Schuss in der Luft eine 360-Grad-Pirouette drehen. Unweigerlich denke ich an die Anleitung gewisser Computer-Sportspiele, in denen Dinge stehen wie: «Für den ‹Superschuss› drücken Sie alle Tasten ganz schnell je zweimal und machen mit dem Steuerkreuz dazu mindestens drei Kreise.» Soll heissen: der Schuss scheint schier unmöglich. Ein Selbstversuch in der Realität zeigt aber, dass der «Superschuss» des Beachhandballs ? trotz gewisser Orientierungsschwierigkeiten während der Drehung ? auch für Laien machbar ist.

Russische Sandprofis

Die Sportart ist recht jung, in der Schweiz fiel der Startschuss etwa 2001. «Seit dieser Zeit hat sich Beachhandball boomartig entwickelt», sagt Thomas Rolli. «Es war wohl ein echtes Bedürfnis. Unterdessen gibt es zahlreiche Teams und Turniere.» Vor allem unter Frauen sei der Sport hier zu lande beliebt. Eine Profisportart ist Beachhandball in der Schweiz noch nicht, das weiss auch Rolli: «Nur wenige Teams spielen richtig gut.»

In anderen Ländern ist der Sport etablierter, vor allem im Osten. «Russland zum Beispiel ist ein Beachhandball-Mekka und hat eine richtige Profiliga», schwärmt Rolli. Dazu kommen Staaten wie Serbien, Ungarn, Spanien, Brasilien und Ägypten. Doch die Schweiz ist am Aufholen. Rolli: «An der alle zwei Jahre stattfindenden Europameisterschaft kommen wir jedesmal etwa zwei Ränge nach vorne.» 2007 erreichte die Schweiz Platz neun von neunzehn.

Bei den Matches auf dem 27 mal 12 Meter grossen Feld stehen sich je drei Spieler und ein Torwart gegenüber, an der Seitenlinie warten weitere Auswechselspieler. Fliegende Wechsel sorgen für eine hohe Dynamik und die nötige strategische Würze. Die Zuschauer kommen nicht zu kurz. Ein bisschen cool rumstehen und Pässe spielen etwa geht nicht, weil ein Team verwarnt wird, wenn es zu lange nicht angreift. Prellen ist übrigens erlaubt – aber durch den Sand einfach nicht möglich.

Sommer top, Winter flop Während es langsam eindunkelt, zeigt das Training immer stärker seine Wirkung. Das Spielen im Sand braucht Kraft, bald spüre ich etliche mir bisher nicht bekannte Muskeln und komme arg ins Schwitzen ? obwohl ich als Laie bei spektakulären Szenen und schnellen Angriffen eher ein bisschen abseits im Feld rumstehe. Trotzdem macht das Training in der abendlichen Sommerwärme grossen Spass. Aber was machen Beachhandball-Begeisterte eigentlich im Winter? «Jaja, das ist dann der grosse Frust», antwortet Thomas Rolli mit einer gewissen Ironie in der Stimme. «Da warten wir darauf, bis der Sommer kommt und die Sonne wieder scheint.»

Erstellt: 12.08.2008, 10:32 Uhr


Emil Frey AG Autocenter Bern

Geniessen sie die Strasse mit dem neuen Subaru XV. Nur im Emil Frey Autocenter Bern.

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie ein Wochenende am Blausee für 2 Personen...