Leben
Italienische Küche – ein wenig vereinfacht
Von Laura Fehlmann. Aktualisiert am 03.04.2009
Hilfe in der Küche: Die Gastgeberin Laura Fehlmann und ihr Sohn Gabriel Bruni bereiten das Menu vor. (Bild: Nadia Schweizer)
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Wochenlang lag das Kochbuch von Cornelia Poletto auf dem Tisch. Jedes Darinblättern endete mit erschrecktem Zuschlagen. Nein! Diese «Kochschule» ist einfach zu anspruchsvoll. Und dann dieser eingedeutschte Wortschatz. Was ums Himmels willen sind bloss Strauchtomaten? Und dieses Fleur de Sel werde ich mit ganz normalem Salz ersetzen. So. Zusammen mit meinem Sohn Gabriel Bruni (22) wage ich mich dann doch ans Rezeptestudium. Ohne langes Hin und Her sind wir uns einig: Als Vorspeise kommt nur die Auberginen-Caponata mit Garnelen und Basilikumöl in Frage. Grosszügig verspricht mein Sohn, sich der Zubereitung dieser Caponata anzunehmen. Als Hauptspeise wählen wir Ossobuco und Risotto, zum Dessert ein Marroni-Tiramisu. Der Gedanke ans Einkaufen erregt Drehschwindel.
Garnelen sind Crevetten
In der Gemüseabteilung liegen Peretti-, Fleisch- und Cherrytomaten sowie solche am Zweig. Aber acht Stück von denen? Ich nehme eine kleinere Sorte. Weiter zur Fischabteilung. Wie ich den dicken Mann mit der weissen Schürze nach Garnelen frage, stutzt er und belehrt mich, dass Garnelen in der Schweiz Crevetten heissen. Er empfiehlt gekochte, die man nur noch im Öl erhitzen könne.
Der frische Basilikum sieht welk aus und würde meinem eigenen, in Öl eingelegten vom letzten Sommer kaum den Rang ablaufen. Dann noch dies, das und jenes – uff, der Einkauf im Coop-Superstore dauert geschlagene zwei Stunden.
Begabter Helfer
Das Marroni-Tiramisu ist rasch zubereitet. Drei Stunden bevor die Gäste einzutreffen drohen, begeben wir uns in die Küche. Konzentriert und mit Hingabe macht sich mein Sohn an die Auberginen-Caponata. Er schneidet die Gemüse, salzt sie ein und brät die Aubergine bis die Küche voller Rauch ist. Die Crevetten ringeln ihren Schwanz im heissen Öl und werden noch mit Basilikumöl beträufelt.
Ich bin nervös, trockne die Schweinshaxen (eigentlich hätten es laut Rezept Kalbshaxen sein sollen) und lege sie in die Bratpfanne. Währenddem sie brutzeln, lese ich das Rezept weiter, aber nicht zu Ende. Da steht etwas von Backofen. Hilfe! Ich lege die Haxen in eine Gratinform, heize den Ofen vor und lese: «In der Pfanne anbraten.» Die Haxen flugs in die Pfanne zurückgelegt, und weiter gehts mit dem Gemüse. Wofür war schon wieder die Zitrone? Keine Ahnung. Vergessen wirs, die Haxen schmoren eh schon auf dem Gemüsebett im Ofen vor sich hin. Der Risotto köchelt. Zeit, das Rezept zu lesen. Ich stelle fest, dass ich das Gemüse hätte passieren und zu einer Sauce kochen müssen. Ach was. So gewinne ich Zeit, und es wäre doch schade um das Gemüse.
Amüsant, beim Essen merkt natürlich keiner der Gäste was, erst beim Lesen meines Artikels – aber da sind die Punkte schon vergeben. Immerhin: Ich habs geschafft, für mehr als zwei Personen zu kochen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 03.04.2009, 12:28 Uhr





