Leben
Das Auge isst – und kocht – mit
Von Giuseppe Wüest. Aktualisiert am 17.04.2009
Artikel zum Thema
Serie, letzter Teil
Mit der Serie «Das perfekte Anfänger-Dinner» testeten wir Kochbücher für Einsteiger auf ihren Nutzen hin. Jeder der vier teilnehmenden Redaktoren hat einmal gekocht. Wie bei der TV-Serie «Das perfekte Promi-Dinner» bewerteten die Gäste Essen und Ambiente mit Punkten zwischen 1 (miserabel) und 10 (perfekt).
Für den vierten und letzten Beitrag testete Giuseppe Wüest «Kochen nach Bildern» (Keda Black, Christian Verlag, Fr. 44.90). Dieses und das von Laura Fehlmann getestete Buch «Polettos Kochschule» (Zabert Sandmann, Fr. 35.90) wurden von den Kritikern mit je 25 Punkten am höchsten bewertet.
Lesen Sie gerne seitenlange Bedienungsanleitungen? Komplizierte Spielregeln? Und detaillierte Kochrezepte? Ich auch nicht. Darum, dachte ich bei der Auswahl «meines» Anfänger-Kochbuchs, ist «Kochen nach Bildern» genau das Richtige für mich: Die 83 Rezepte werden Schritt für Schritt respektive eben Bild für Bild erklärt. Ganz ohne Worte kommt die Autorin dabei zwar nicht aus, aber sie geht mit ihren geschriebenen Anleitungen angenehm sparsam und leicht verständlich um.
Das Buch ist schlicht und einfach – und schlicht und einfach «dubelisicher». Muss man zum Beispiel für die Zitronen-Vinaigrette die Zitronenschale bis zum Fruchtfleisch abreiben? Wie dick muss die Lage Kürbispüree sein, mit der man bei der Lasagne die Lasagneblätter zudecken soll? Und wie grob oder fein muss man die Schokolade hacken, die bei der Schoko-Birnen-Tarte auf den ausgewallten Mürbeteig kommt?
Keine unliebsamen Überraschungen
Wer bei diesem Buch genau hingeschaut, kocht so gut wie perfekt. Denn nicht nur jede Zutat und das Endergebnis ist in Bildern festgehalten, sondern auch jeder einzelne Zubereitungsschritt. Unliebsame Überraschungen gibt es dadurch keine, und das Brutzeln wird zum entspannten Erlebnis.
Soweit die Theorie. In der Küchenpraxis gibts am Tag X dann halt doch die eine oder andere kleine Panikattacke. Gut, dafür, dass ich zwei linke Hände habe, mir die Tarte beim Herausnehmen aus dem Ofen vom Backblech rutscht und nach einem verzweifelten Rettungsversuch ausschaut wie schon einmal gegessen, kann das Buch nichts. Und auch, dass die meisten vorgestellten Speisen so einfach und unspektakulär sind, dass ich damit beim «perfekten Anfänger-Dinner» kaum gross punkten kann, ist eher mein Problem als das des Buchs. Denn schliesslich richtet sich dieses ja tatsächlich an Anfänger. Und die schielen normalerweise nicht vorab auf GaultMillau-Kochmützen oder Guide-Michelin-Sterne, sondern sind zufrieden, wenn sie zum Beispiel einen «extragrünen» Salat, eine Lasagne und einen Früchtekuchen einigermassen zufriedenstellend hinkriegen.
Wo findet man im Frühling Kürbisse?
Aber als Anfänger wäre mein Kochtag gesamthaft bestimmt entspannter verlaufen, hätte ich zum Beispiel nicht erst beim Einkaufen realisiert, dass es nicht ganz einfach ist, im Frühling noch Kürbisse zu finden. Ein paar Hinweise zum Thema saisongerechte Küche – egal, ob in Wort oder in Bild – würden einem Anfänger-Kochbuch ganz gut anstehen.
Alles in allem würde ich als angehender Küchenvirtuose dem Buch neun Punkte geben, denn spätestens beim Essen kann man sich als Gastgeber tatsächlich entspannt zurücklehnen. Vor allem, wenn man sich, wie ich, beim Kochen schon fast sklavisch an die Bildvorgaben hält. Es ist beruhigend zu wissen, dass es nicht mein Fehler ist, sollte die Zitronen-Vinaigrette dem einen oder andern etwas sauer aufstossen. Und die Tarte muss gut sein, zumindest sieht sie in natura genauso aus wie auf dem Bild. Nicht die erste, sondern die zweite, die ich am Nachmittag auf die Schnelle und in nicht ganz entspanntem Zustand gebacken habe. (Berner Zeitung)
Erstellt: 17.04.2009, 08:38 Uhr






