Leben
Bewertung der Freunde
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Darauf steht: «Hier kocht der Chef». Der Bluff stimmt ja zumindest teilweise – Giuseppe Wüest ist der Chef von Mathias Born und mir –, dennoch vergebe ich innerlich bereits 3 Punkte für Originalität. Drinnen empfängt er uns höchst stilvoll. In schönen Gläsern perlt feiner Sekt, der im Eiskübel gekühlt wurde. Und schon beim Apéro entspinnen sich lebhafte Gespräche über Gott und die Welt, die selbst nach dem Dessert nicht abreissen. Auch die Deko auf dem Esstisch – rosa Kerzen in Ostereiform umringt von lachsfarbenen Schoggieili auf einem mit Hasen verzierten Silberteller – kann sich sehen lassen.
Dazu kommt, dass sich der Hausherr die Zeit genommen hat, Menükarten auszudrucken. Stil ist mir wichtig, und dementsprechend bin ich beeindruckt. Denke mir aber auch, dass hier jemand sehr ehrgeizig ist. Dafür fällt allerdings dann die Vorspeise sehr bescheiden aus: ein «extragrüner» Salat mit zig Kräutern und einer Zitronenvinaigrette, die zu sauer geraten ist. Was das Ganze rettet, sind die dazu gereichten Crostini mit selbst gemachtem Pesto. Zum Hauptgang gibt es Lasagne mit Kürbis und Blattspinat, die dermassen fein schmeckt, dass ich um eine zweite Portion bitte. Das Dessert – eine Schoko-Birnen-Tarte – sieht seltsam aus, gewinnt aber mit jedem Bissen. Fazit: Das Essen bleibt in seiner Originalität hinter dem Ambiente zurück. Doch die Stimmung ist so gut, dass wir – Fotografin inklusive – uns lange nicht losreissen können.
Bewertung: 8 Punkte Juliane Lutz
Besserer Koch als Bäcker
Der Chef hat Nerven! Liess der Schussel doch den Kuchen fallen, als er diesen aus dem Ofen holen wollte. An seiner Stelle hätte ich Bettel und Kelle hingeschmissen und in der Bäckerei eine Torte gekauft. Er nicht: Er buk einen zweiten Kuchen. (Den lädierten versteckte er skurrilerweise im Reduit neben dem Staubsauger.) Trotz des Missgeschicks fand er Zeit, um mittags essen und später joggen zu gehen. Hut ab, Chef!
Doch der Reihe nach. «Hier kocht der Chef», lässt Giuseppe Wüest auf BZ-Plakaten wissen, die er vor seinem Stöckli aufgehängt hat. Er begrüsst uns herzlich. Während des ganzen Abends gibt er den aufmerksamen Gastgeber. Zum Apéro schenkt er edlen Champagner aus und trägt (gekaufte) Crissini auf. Zur Vorspeise gebe es nur einen «extragrünen Salat», hat er im Vorfeld immer wieder betont. (Der Chef liebt Running Gags.) Er hat tiefgestappelt. Der Salat ist extragrün, aber mit vielen Kräutern aufgepeppt. Einige soll er sogar auf dem Waldlauf ausgerupft haben. Zu meckern gibts am Salat nichts. Aber an der Sauce: Der Zitronengeschmack überdeckt jenen der Kräuter. Die Ziegenkäse-Pesto-Crostini machen dies wieder wett. Der Chef hat die Pesto selbst gemacht, wie er wie beiläufig einflicht. Dafür gibts einen Bonuspunkt.
Dass die Crostini zu dunkel sind, schiebt er ebenso beiläufig der Fotografin in die Schuhe, für die er – kurz nur, ganz kurz – posieren musste. Dann serviert er eine Lasagne. Die Kürbis-Spinat-Ricotta-Kombination überzeugt. Zum Dessert tischt er den zweiten Kuchen auf – und die Geschichte des ersten. Neben der gewagten Tischdeko wirkt der Kuchen altbacken. Vielleicht hätte der Chef doch besser eine üppig dekorierte Torte gekauft.
Bewertung: 9 Punkte Mathias Born
Besserer Gastgeber als Koch
Die Wohnung im Stöckli ist stilvoll eingerichtet. An einem alten Tisch stehen trendige rote Stühle. Bei Kerzenschein perlt der Markenchampagner in vier schöne Gläser. Der Gastgeber sagt gleich selber, was alle denken: «Ich dachte, wenn das Dekor und die Bewirtung stimmen, mache ich Punkte gut.» Er hat Recht: plus 1 Punkt für Charme und Dekor, trotz der faden Grissini. Zur Vorspeise «extragrüner» Salat. Der «Extragrüne» schmeckt so übel nicht. Es mag an der köstlichen Vinaigrette liegen, die geraffelte Zitronenschale enthält. Ein wahrer Traum die Crostini mit dem selbst gemachten Pesto und dem würzigen Ziegenkäse.
Der Hauptgang ist für Fleischliebhaber wie mich eher etwas, das vor dem Steak auf den Tisch kommt. Giusi Wüest hat eine mit Kürbis und Blattspinat gefüllte Lasagne gemacht. Interessant, dass der Geschmack beider Gemüse auf der Zunge zu spüren ist. Das perfekte Vegetariermenü. Für meinen Geschmack allerdings etwas milde und weich. Es fehlt an Biss, und meine Zähne sind unterbeschäftigt.
Ich liebe Birnenkuchen über alles. Aber ob er nach der Lasagne die richtige Wahl ist? Und der sogenannte Mürbeteig schmeckt eher wie gutschweizerischer Kuchenteig. Dass unter den Birnenscheiben eine Schicht Schokolade liegt, macht noch kein Dessert daraus. 1 Punkt Abzug.
Kochkünste hin oder her: Die Stimmung ist super. Unter anderem unterhalten wir uns über Sternzeichen und Aszendenten. Allgemein bekannt zu sein scheint, dass Schützen äusserst leidenschaftliche Liebhaber sind. Um wen es sich in unserem Quartett handelt, bleibt indes geheim.
Bewertung: 8 Punkte Laura Fehlmann
Erstellt: 17.04.2009, 08:37 Uhr





