Leben

Abendessen in der WG

Je einfacher die Rezepte, umso besser stehen die Chancen, ein Drei-Gang-Menü gut über die Bühne zu bringen. Vor allem wenn die Gäste der Köchin über die Schulter schauen.

Die Stimmung ist offensichtlich fröhlich.  Das Putenschnitzel mit Tomaten und Kapern scheint den       geladenen Gastro-Kritikern Mathias Born (links), Giuseppe Wüest 
und Laura Fehlmann     zu schmecken, während die Gastgeberin den Kamerablick lieber scheut. Die Kochbuchautorin sieht als Beilage Brot vor, Reis wäre  die bessere Alternative gewesen.

Susanne Keller

Zu den Zielen, die ich mir für die nahe Zukunft gesteckt habe, gehört auch, eine gute Köchin zu werden. Gutes Essen, dazu eine nette Runde – das ist für mich Lebensqualität. Doch wenn ich einmal ein Kochbuch aufschlage und von Sautieren oder Rapieren und 1000 Zutaten die Rede ist, verliere ich als Person mit wenig Küchenerfahrung schnell die Lust. Und so mache ich in der Redaktion den Vorschlag, doch einmal Kochbücher für Anfänger auf ihre Tauglichkeit zu testen. Meine Idee wird von den Kollegen positiv aufgenommen. Der Plan: Jeder stellt sich einmal an den Herd, während die anderen Essen und Ambiente mit Punkten – auf einer Skala von eins bis zehn – bewerten. Wir beschliessen daraus, eine Art perfektes Anfänger-Dinner zu machen, ganz nach dem Vorbild der TV-Serie «Das perfekte Promi-Dinner.»

Da der Vorstoss von mir kam, mache ich auch den Anfang. Das Buch meiner Wahl heisst «Crashkurs Kochen». Zwar sieht die Autorin, eine studierte Ernährungswissenschaftlerin, etwas bieder aus, doch ihre Rezepte sind es keineswegs. Auch der Untertitel «Superschneller Erfolg für Einsteiger» klingt gut.

Nützlicher«Kochcrashkurs»

Das Buch hat eine klare Gliederung nach einzelnen Lebensmittelkategorien, ist ansprechend bebildert, und die Rezepte sind simpel. Beim näheren Durchsehen fällt mir allerdings auf, dass es kaum Vorspeisen gibt. Ein Manko, wenn man ein Menü plant. Und mir fehlen die passenden Weinvorschläge zu den einzelnen Gerichten.

Schliesslich wähle ich als Vorspeise Mangosalat mit Thon. Er sieht auf dem Foto, aber auch später auf dem Tisch appetitlich aus und ist rasch gemacht. Habe ich doch nur drei Stunden Zeit, alles vorzubereiten. Nur das Dessert – Ananaskompott – koche ich am Abend vorher ein.

Beim Hauptgang entscheide ich mich für Putenschnitzel mit Kapern und Tomaten. Das klingt vielleicht nicht sexy, aber in Sachen Fleischgerichte bin ich unerfahren. So ein Putenschnitzel müsste mir aber gelingen. Übrigens: Noch nie habe ich mich an ein dreigängiges Menü gewagt. Die geladenen Kollegen dienen mir also als Versuchskaninchen.

Gute Nerven erforderlich

Gelassen sehe ich dem Abend entgegen. Derzeit wohne ich etwas improvisiert in einer WG. Da darf auch eine Einladung locker ablaufen. Noch bei der Vorspeise, die gut anzukommen scheint, bin ich ruhig. Doch als es darum geht, fünf Fleischstücke in zwei Pfannen zu braten, werde ich nervös und mache Fehler. Doch meine Mitbewohnerin Marietta sieht meine Not und unterstützt mich grossartig. Ich stelle fest, dass man bei einem Mehrgänger Hilfe braucht. Zwar werde ich aufgrund meiner Tolpatschigkeit belächelt, doch die Stimmung bleibt gut. Ich freue mich, dass die Weine, Chardonnay und Cabernet Sauvignon aus Kalifornien, sowie das Kompott mit Amaretti auf Zustimmung stossen. Als die letzten Gäste gegangen sind, bin ich erschöpft, sage mir aber auch, dass ich bald wieder aus diesem Buch für andere kochen möchte. (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.03.2009, 13:31 Uhr

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