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Frauenzimmer im Häuserkampf

Von Regula Fuchs. Aktualisiert am 05.01.2012

Wohnungsnot, Immobilienhaie und vier gnadenlose Frauen: Die Gruppe Die Raucherinnen macht einen Hauskauf zum Stoff einer dreiteiligen Theatersoap.

Vier Bräute für ein Halleluja: Sibylle Aeberli, Grazia Pergoletti, Anne Welenc, Catriona Guggenbühl.

Vier Bräute für ein Halleluja: Sibylle Aeberli, Grazia Pergoletti, Anne Welenc, Catriona Guggenbühl.
Bild: zvg

Die Aufführungen

Aula Progr Folge 1 («Happy Deal»): 5. bis 7. Jan., 20.30 Uhr, 8. Jan., 19.30 Uhr. Folge 2 («Boomcity Bashing»): 13. bis 15. Januar. Folge 3 («Kickback Disaster»): 19. bis 22. Januar. Der Einstieg in die Serie ist auch zwischendurch möglich. www.kulturist.ch.

Es war letzten Oktober, als der Zürcher Immobilien-Unternehmer Urs Ledermann dem «Tages-Anzeiger» in einem Interview verriet, dass er mit einem Haus kommuniziere, bevor er es kaufe, es berühre und sich mit ihm auseinandersetze. Manchmal nehme auch ein Haus mit ihm Kontakt auf, wenn er durch eine Strasse gehe, und er wisse dann, dass es irgendwann zu ihm komme.

Ein Immobilienhai, der das halbe Zürcher Seefeld besitzt – und mit Häusern spricht: Das hat viele befremdet und belustigt. Nicht zuletzt das Theaterkonglomerat Die Raucherinnen um die Zürcherin Suzanne Zahnd und die Bernerin Meret Matter, die in ihrer Bühnensoap «Cüpliweg 10» unter anderem den Zürcher Häuserflüsterer lustvoll parodieren.

Die dreiteilige Serie dreht sich um vier Freundinnen, die in Zürich gemeinsam ein Haus kaufen wollen, dabei aber mit geplatzten Deals, Immobilienschurken und nicht zuletzt mit sich selber zu kämpfen haben. «Uns interessierte, ob man aus einem tagespolitischen Stoff eine Soap machen kann», sagt Regisseurin Meret Matter, die das Stück zusammen mit Zahnd (Text) und den Schauspielerinnen Catriona Guggenbühl, Grazia Pergoletti, Sibylle Aeberli und Anne Welenc entwickelt hat. Dabei zehrte man auch von eigenen Erfahrungen: «In unserer Generation erben zurzeit viele oder kommen sonst an Geld. Und sie überlegen sich, damit Wohneigentum zu kaufen», so Matter. «Wo will ich wohnen, wie, mit wem? Das sind Fragen, die viele umtreiben.»

Hundedreck an der Bushaltestelle

Wer sich daran erinnert, wie Matter und ihre Stamm-Formation Club 111 anno 2009 in «Finanzblätz Schweiz» der trockenen Materie der Finanzkrise viel Amüsement und erhellende Einsichten abgerungen haben, darf auch beim «Cüpliweg 10» auf saftige Unterhaltung hoffen – schon nur des Formats wegen. Eine fast sportliche Herausforderung sei es gewesen, eine hohe Pointendichte zu erzielen und dabei doch beim Thema zu bleiben, so Matter. Denn bei allen Turbulenzen und weiblichen Krisen: Die Geschichte ist ganz der Wirklichkeit entnommen. Denn der Plot folgt dem realen Fall eines Kulturschaffenden und SP-Mitglieds, der sein Haus ausgerechnet einem Immobilienhai verkauft hatte. Im «Cüpliweg 10» geht das dann so, dass die vier Freundinnen das Haus, in dem sie wohnen, ihrem Künstlerfreund abkaufen wollen. Der Verkauf platzt, und so setzen sie sich mit unkonventionellen Mitteln gegen einen mächtigen Schurken zur Wehr. Ganz aus der Luft gegriffen ist auch das nicht, wie Meret Matter erklärt: «Im Internet findet man Anleitungen, wie man sich gegen die sogenannte Gentrifizierung wehren kann. Das reicht vom Online-Bashing bis zum Tipp, man solle Hundedreck und Bierdosen bei Bushaltestellen deponieren, um das Quartier abzuwerten und so für Luxussanierer uninteressant zu machen.»

Die vier Damen im Stück haben keine Skrupel, solche Methoden anzuwenden, den schliesslich stammen sie – wie die Macherinnen selber – aus der Generation, die in den Achtzigerjahren Häuser besetzt hatte. Von den Hausbesetzerinnen zu den Hausbesitzerinnen: Auch dieser Widerspruch ist am «Cüpliweg 10» zu Hause. Denn sobald der Besitz winkt, bricht der Egoismus aus – jede will natürlich im obersten Stock wohnen. Und auch das ist keine Fiktion: Am Stockwerkeigentum ist wohl schon manche Freundschaft zerbrochen. (Der Bund)

Erstellt: 05.01.2012, 11:18 Uhr

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