Ein Zuger Meitschi für die Berner «Alperose»
Von Fabian Sommer. Aktualisiert am 09.02.2012
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Polo Hofer: Spielt in «Alperose» eine Gastrolle. (Bild: Walter Pfäffli)
Polo Hofer zu seinem Auftritt
Zuerst wollte er nicht, nun aber doch: Polo Hofer wird in «seinem» Musical «Alperose» in einzelnen Vorstellungen
eine Gastrolle als Rosenverkäufer übernehmen.
Polo Hofer, Sie haben bereits ein paar Ihrer Songs als Musicalversion gehört. Hat das Rockerherz geblutet?
Polo Hofer: Es ist schon speziell, die eigenen Lieder von Frauenstimmen oder im Chor zu hören – und ohne Gitarrensoli. Aber ich muss sagen: Da wird nichts verwässert oder versüsst, es rockt tatsächlich.
Vor zwei Wochen besuchten Sie erstmals eine Probe. War
das der Moment, als Sie sich entschieden haben, doch eine Gastrolle zu übernehmen?
Ja, das Bühnenbild hat mich umgehauen. Dort sah man den ganzen Aufwand, der betrieben wird. Das Bühnenbild ist ausgefeilt und technisch anspruchsvoll. Um das «Mini-Bern» gut hinzukriegen, wurde sauber recherchiert: Die österreichischen Bühnenbildner kamen extra nach Bern und fotografierten die typischen Elemente wie die Lauben, die Matte und das Pyri und bauten die Bühne dann in Wien zusammen. Ich weiss jetzt auch mehr über das Musical, zum Beispiel welche Lieder vorkommen.
Wie wird Ihre Rolle genau aussehen?
Ich spiele einen Rosenverkäufer, der in die Kneipe kommt. Und ich werde das Lied «Im letschte Tram» singen.
Studieren Sie auch eine Choreografie ein?
Nein, ich muss sogar ausgesprochen müde daherkommen, es ist dann spät in der Nacht. Der Song ist ja auch sehr atmosphärisch und kein Kalauer.
Was war Ihre erste Reaktion auf die Idee, aus Polo-Hofer-Songs ein Musical zu machen?
Ich hatte nicht im Geringsten so etwas erwartet und war zuerst ziemlich skeptisch. Dann liess ich mir ganz genau erklären, was überhaupt geplant ist und wer dahintersteckt. Ich kannte ja niemandem aus dem Musicalbereich.
Und wie fühlt es sich heute an, kurz vor der Premiere?
Heute weiss ich, dass hinter der Produktion Profis stecken, die über grosse finanzielle Mittel und Erfahrung verfügen. Und es ist ihnen tatsächlich ernst! Das beruhigt mich. Zudem habe ich den Produzenten meine Band aufgeschwatzt, damit nichts schiefgehen kann (lacht).
Erkennen Sie sich in der Geschichte des Musicals wieder?
Ich kenne die Geschichte noch nicht im Detail, bisher habe ich nur einzelne Szenen gesehen.
Welche Geschichte würde denn ein Berner Musical aus
Polo Hofers Feder erzählen?
Es wäre sicher eine Geschichte um Fernweh, Heimweh, gefundene Liebe, verlorene Liebe der alte Berner Blues eben.
Interview: Maria Künzli
Ja, ja, Ghüdersack. Das verstehe sie jetzt, sagt Eveline Suter und lacht. Noch vor ein paar Monaten waren der 32-Jährigen aus Zug manche berndeutsche Wörter, der Ghüdersack zum Beispiel, ein Rätsel. Dann hat sie jeden Tag Berndeutsch gelernt. Und jetzt klingt sie, wenn es sein muss, wie eine echte Bernerin. Für sie ist das wichtig, sehr wichtig. Suter ist jetzt zwei Monate lang Lorraine, ein echtes Berner Meitschi. Sie ist die weibliche Hauptfigur im Mundartmusical «Alperose», das am 17.Februar in Bern Premiere feiert.
«Alperose» basiert auf Songs von Polo Hofer, es ist eine Geschichte über Sehnsucht, Heimweh und Versöhnung. Lorraine wird von Freund Pesche aus dem Nichts verlassen. Der gute Herr macht sich aus dem Staub, lässt alles stehen und liegen. Jahre später kehrt er nach Bern zurück. Und Lorraine? Ist jetzt mit Pesches bestem Freund Johnny zusammen Mit ihrer Fähigkeit, den Raum mit ihrer Bühnenpräsenz zu füllen, sei Suter die «Traumbesetzung» für die Rolle der Lorraine, sagt «Alperose»-Produzent Walter Hitz.
Die Sucht nach Abwechslung
Eveline Suter, aufgewachsen im ländlichen Neuheim im Kanton Zug, ist Schauspielerin, Tänzerin, Sängerin und Model. Sie war in ihrer Karriere schon die Evita, die Sophie in «Ludwig II.», die Adriana in «Dracula», sie war die fiese Fanni Landorf in der deutschen TV-Seifenoper «Anna und die Liebe», sie war beim «Landarzt» auf ZDF dabei, sie machte Werbung für die SBB und den grossen Springer-Verlag. Sie könne nie zu lange das Gleiche tun, sagt Suter. Und sich auf irgendwas ausruhen, das gehe schon gar nicht. Vielleicht sei diese Sucht nach Abwechslung auch der Grund, weshalb sie «nirgendwo so richtig bekannt» sei, meint Suter. Auf der Strasse angesprochen worden sei sie zwar auch schon, und Fanpost habe sie vor allem nach den Auftritten bei «Anna und die Liebe» viel erhalten. «Das ist schon schön, aber auch irgendwie schräg.»
Der junge Hund
Ein Gespräch mit Suter fühlt sich an wie Plaudern mit einem alten Kumpel. Die Frau hat null Allüren. Sie sitzt in der alten Berner Wifag-Halle, wo für das Musical geprobt wird. Sie erzählt viel, sie ist offen, sie lacht viel. Und ständig springt ihr junger Hund herum, jagt alles, was nicht irgendwo befestigt ist. Der neunmonatige Jack Russell furze manchmal «ganz schlimm», sagt Suter, er hebe sein Hinterteil dann richtig an, «so peinlich». Suter lacht wieder. Gut möglich, dass die Darstellerin das Berner Publikum mit dieser bodenständigen, ehrlichen Art, die sie auch auf der Bühne hat, im Sturm erobern wird.
Als Kind habe sie Physiothearapeutin werden wollen, später Trompeterin, erzählt Suter weiter. Aber keine Ausbildung habe sie so richtig überzeugt. Schliesslich habe sie Tanz, Schauspiel und Gesang in Wien studiert. Später zog es sie nach New York, wo sie eine Weiterbildung am Lee-Strasberg-Institut genoss. Nach «Alperose» will sie wieder rüber, sie hat jetzt eine Green Card, vielleicht bleibt sie diesmal länger.
Vorerst aber ist die Rolle der Lorraine im Musical «Alpenrose» das Wichtigste in ihrem Alltag. Das sei wunderbar, sagt Suter. Und mit der turbulenten Liebesgeschichte der Protagonisten des Musicals könne sie sich durchaus identifizieren. Auch sie habe viele «crazy Stories» mit Männern erlebt. «Künstler haben oft einen Egge ab», sagt sie. «Wenn nun zwei Menschen, die beide einen Egge ab haben, zusammenkommen, kommt es nicht gut.» Ja, ihr Herz sei fast gebrochen worden in den letzten Jahren. Jetzt aber sei sie glücklich mit ihrem Freund. Er sei der Beste. Ein bisschen jünger als sie. Ein Koch, «ein Bodenständiger». Eveline Suter lacht wieder.
«Alperose»: Mit der Espacecard haben Sie zwischen 20 und 26 Franken Vergünstigung. Bestellen: Tel. 0800 551800 (Gratisnummer) oder unter www.espacecard.ch. Die Anzahl Tickets ist limitiert.;«Alperose – Das Musical»: 17.Februar (Premiere) bis 15.April, Bernexpo-Musicaltheater, Bern. Tickets: 0900 101'102 oder www.ticketportal.com. (Berner Zeitung)
Erstellt: 09.02.2012, 10:19 Uhr
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